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Monday, October 26, 2026

Schweiz in Minecraft: Student baut Land im Maßstab 1:1 nach

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Ein 22-jähriger Student der ETH Zürich denkt buchstäblich kleinteilig: Er hat die Schweiz als begehbare Minecraft-Welt nachgebaut. Hierfür hat er nicht jeden Stein selbst gesetzt, sondern die Welt automatisch aus amtlichen Geodaten berechnet. Im Projekt „Blocks“ entspricht ein Block einem Meter, die Welt deckt die gesamte Landesfläche von 41.285 Quadratkilometern ab. Einen rund 2400 Quadratkilometer großen Ausschnitt um das UNESCO-Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch gibt es kostenlos und ohne Anmeldung. Die komplette Schweiz kostet ab 15 Franken, wird aber nur an Personen mit Wohnsitz in der Schweiz verkauft.

Hinter der Projektwebsite von Blocks steht Beda Good, der unter dem Namen Manifold auftritt. Sein eigentliches Projekt hat mit Spielen wenig zu tun: Auf manifold3d.ch erzeugt er aus Geodaten des Bundesamts für Landestopografie (Swisstopo) geschlossene Landschaftsmodelle für den 3D-Druck. Dieselben Daten übertrug er in Minecraft, erzählte er der Schweizer Zeitung 20 Minuten. Auch die Grenzen des Projekts erklärt er damit: „Möglich ist das Projekt nur, weil die Schweiz ihre Geodaten frei zur Verfügung stellt.“

Die Welt setzt sich aus zahlreichen Quellen zusammen. Das Gelände stammt aus dem Höhenmodell swissALTI3D, der Seegrund aus swissBATHY3D und die Höhe von Wald und Bäumen aus swissSURFACE3D. Gebäude liefert swissBUILDINGS3D. Das topografische Landschaftsmodell swissTLM3D steuert Gewässer, Wald, Straßen, Bahnen, Brücken, Staumauern, Lawinenverbauungen und Einzelbäume bei. Schutt und Schnee auf Gletschern leitet der Generator aus dem Luftbild SWISSIMAGE ab, das Gestein aus GeoCover und einer lithologischen Karte im Maßstab 1:500.000. Hinzu kommen die Gletscher von GLAMOS, ein Gletscherdickenmodell der ETH Zürich, der Waldmischungsgrad des Landesforstinventars für Laub- und Nadelwald sowie eine Habitatkarte der Schweiz, die zwischen Wiesen, Heiden, Geröll, Reben und Äckern unterscheidet. Wie die Software diese Raster- und Vektordaten im Einzelnen gewichtet und in Blocktypen übersetzt, legt die Projektseite nicht offen.

Der Maßstab 1:1 bezieht sich auf die Darstellung im Spiel: Die Dufourspitze ragt 4634 Blöcke hoch, der tiefste Punkt am Lago Maggiore liegt auf 193 Blöcken, das Matterhorn soll so hoch und steil sein wie das echte. Ein metergenaues Abbild verspricht der Entwickler aber ausdrücklich nicht. Gebäude sind vereinfacht, Brücken, Straßen, Bäume und Gewässer können fehlen oder falsch dargestellt sein. Geprüft habe er stichprobenartig, nicht Meter für Meter. Die Karte füllt zudem das Rechteck um die Schweiz und schließt damit Teile der Nachbarländer ein. Dort und teils schon direkt an der Grenze greift der Generator auf das Copernicus-Höhenmodell mit einem Messpunkt alle 30 Meter zurück. Das Gelände wird entsprechend gröber und ist teils lückenhaft. Wo Gebäudedaten fehlen, wachsen auch schon einmal Bäume statt Häuser, etwa rund um Genf.

Einen einheitlichen Datenstand hat die Welt nicht. Die aktuelle Fassung vom 19. Oktober 2026 bezeichnet nur das Weltpaket, nicht das Erhebungsdatum der einzelnen Datensätze.

Technisch braucht es für die Welt einiges an Vorbereitung. Normales Minecraft ist auf einen Höhenbereich von 384 Blöcken begrenzt, für die Alpen reicht das nicht. Blocks setzt deshalb auf den Mod Cubic Chunks, der Weltabschnitte auch vertikal dynamisch lädt und die Höhenbegrenzung aufhebt. Laut Entwickler läuft er stabil mit Minecraft Java Edition 1.12.2 – einer Version von 2017. Nötig sind außerdem Forge und Java 8, als Launcher empfiehlt der Anbieter Prism Launcher. Die Welt läuft unter Windows, macOS und Linux. Bedrock, Konsolen und Mobilgeräte bleiben außen vor. In eine aktuelle Minecraft-Version lässt sich die Karte nicht einfach übernehmen.

Bei der Hardware empfiehlt der Anbieter einen Rechner mit mindestens 16 GByte Arbeitsspeicher. Getestet hat er die Gesamtwelt auf einem Windows-PC mit Ryzen 7 7800X3D, GeForce RTX 4070 und 32 GByte RAM sowie auf einem MacBook Pro mit M1 Max und 64 GByte. Rechenintensiv ist vor allem der erste Besuch eines Ortes: Das Spiel baut die Blöcke dann aus dem Weltpaket auf, was laut Website ein paar Minuten dauert und auf schwächeren Rechnern länger. Auch die Fernsicht entsteht beim ersten Start. Der Download umfasst 1,1 GByte für Jungfrau-Aletsch und 24 GByte für die ganze Schweiz; als benötigten Speicherplatz nennt der Anbieter etwa 2 beziehungsweise 60 GByte. Wie groß ein intensiv bespielter Spielstand schließlich werden kann, bleibt offen.

Der Gratis-Ausschnitt läuft mit demselben Setup und dient als Test vor dem Kauf. Eine Rückgabe der kostenpflichtigen Welt schließen die AGB aus, auch wenn sie auf dem eigenen Rechner schlecht oder gar nicht läuft. Neben dem Einstiegspreis gibt es höhere Preisstufen; ab 48 Franken können sich Käufer auf Wunsch in ein „Gipfelbuch“ auf der Website eintragen lassen. Künftige Fassungen sind im Preis enthalten.

Wer in Deutschland oder Österreich wohnt, muss sich vorerst mit Jungfrau-Aletsch begnügen. Beim Kauf über Stripe sind eine Schweizer Adresse und eine Bestätigung des Wohnsitzes Pflicht, der Aufenthaltsort spielt dagegen keine Rolle. Als Begründung nennt die Website nur „rechtliche Gründe“. An den Geodaten liegt es zumindest nicht offensichtlich: Swisstopo erlaubt Weitergabe und kommerzielle Nutzung seiner freien Daten, sofern die Quelle genannt wird.

Fertig ist das Projekt noch nicht. Die Gesamtwelt trägt das Etikett Early Access. Geplant sind schöneres Wasser, bessere Felswände, das Schließen von Lücken an der Grenze und unter dem Lago Maggiore sowie ein Updater. Die ganze Welt nachzubauen, plant Manifold vorerst nicht. Einzelne andere Länder schließt er aber nicht aus, sofern die Datenlage ähnlich gut ist. Begehbare, detailreiche Welten sind längst auch in kommerziellen Open-World-Spielen ein zentrales Verkaufsargument, wie unser Überblick über lohnende Open-World-Titel zeigt.

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