Chilenin Bachelet zieht Kandidatur für UN-Spitze zurück
Chiles frühere Präsidentin Michelle Bachelet hat ihre Kandidatur für das Amt der UN-Generalsekretärin zurückgezogen. Die 74-Jährige gab ihre Entscheidung in einem Onlinevideo bekannt. Einen konkreten Grund für den Rückzug nannte sie nicht.
"Einige mögen glauben, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war für eine Kandidatur, wie ich sie vertreten wollte", sagte Bachelet. Sie bedauere jedoch nicht, sich dieser "großen Herausforderung" gestellt zu haben.
Bei einer der jüngsten geheimen Probeabstimmungen im UN-Sicherheitsrat hatte Bachelet nach Angaben der israelischen UN-Mission den vorletzten Platz belegt. Die Mission berief sich dabei auf Quellen innerhalb des Sicherheitsrats.
Bachelet wirbt weiter für eine Frau aus Lateinamerika
Bachelet hatte ihre Bewerbung auch mit dem Ziel verbunden, erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen zu bringen. "Wir haben dazu beigetragen, die Überzeugung auf die globale Agenda zu setzen, dass die nächste Generalsekretärin eine Frau aus Lateinamerika sein sollte."

In ihrer Kampagne setzte sich die frühere UN-Menschenrechtskommissarin für Multilateralismus, Völkerrecht, Demokratie, Menschenrechte und Klimaschutz ein. Zuvor hatte sie gefordert, die Person an der UN-Spitze müsse über die "moralische Stimme" verfügen, um auch unter dem Druck von Großmächten führen zu können.
Bachelet war im Februar vom damaligen chilenischen Präsidenten Gabriel Boric nominiert worden. Auch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum unterstützten sie. Chiles neuer Präsident José Antonio Kast entzog ihr später jedoch die Unterstützung.
Mehrere Frauen aus Lateinamerika sind weiter im Rennen
Zuletzt bestand das Bewerberfeld aus fünf Frauen aus Lateinamerika sowie drei Männern aus Lateinamerika und Afrika. Unter den Kandidatinnen sind die costa-ricanische Diplomatin Rebeca Grynspan, die ecuadorianischen Politikerinnen María Fernanda Espinosa und Ivonne A-Baki sowie die frühere Außenministerin Guyanas, Carolyn Rodrigues-Birkett.
In den bislang drei Probeabstimmungen im Sicherheitsrat erhielt Grynspan zweimal die meiste Unterstützung. Sie war früher Vizepräsidentin Costa Ricas und leitet derzeit die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung UNCTAD in Genf. In einer weiteren Abstimmung lag Rodrigues-Birkett vorn.

Bislang stand noch nie eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen. Mit dem Peruaner Javier Pérez de Cuéllar, der von 1982 bis 1991 UN-Generalsekretär war, kam zudem erst einmal ein Amtsinhaber aus Lateinamerika. Nach einer ungeschriebenen regionalen Rotation wäre nach dem Portugiesen António Guterres diesmal Lateinamerika an der Reihe.
Sicherheitsrat trifft die entscheidende Vorauswahl
Der Auswahlprozess läuft über den 15 Mitglieder zählenden UN-Sicherheitsrat. In geheimen Probeabstimmungen versuchen sich die Mitglieder auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu verständigen.
Für eine Empfehlung sind mindestens neun Stimmen erforderlich. Die fünf ständigen Mitglieder China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA verfügen jeweils über ein Vetorecht. Anschließend entscheidet die UN-Vollversammlung formell über die Ernennung.

Guterres scheidet nach zehn Jahren und zwei Amtszeiten am 31. Dezember aus. Eine weitere Kandidatur des Portugiesen ist nicht möglich.
Bachelet war zweimal Präsidentin Chiles
Bachelet führte Chile bereits von 2006 bis 2010 und erneut von 2014 bis 2018. Bei ihrer ersten Wahl wurde sie zur ersten Präsidentin des Landes. Von 2018 bis 2022 war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet wurde Bachelet wegen ihres Widerstands gegen die Junta gefoltert. Später floh sie mit ihrer Mutter in die DDR, wo sie Deutsch lernte und Medizin studierte.
Als UN-Menschenrechtskommissarin kritisierte Bachelet unter anderem China. Die US-Regierung wiederum kritisierte sie insbesondere wegen ihrer Unterstützung für das Recht auf Abtreibung.
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