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Tuesday, November 3, 2026

Bayern München in Nairobi: Wie Kenia und andere afrikanische Länder mit Sport globalen Einfluss gewinnen wollen

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Der FC Bayern reist in der Winterpause der Fußball-Bundesliga nach Kenia. In der Hauptstadt Nairobi eröffnet der deutsche Rekordmeister das neu gebaute Raila Odinga International Stadium mit einem Freundschaftsspiel gegen Ajax Amsterdam. Die Partie ist Teil der Vorbereitungen Kenias auf den Afrika-Cup 2027 (AFCON), den das Land gemeinsam mit Uganda und Tansania ausrichten wird.

"Bayern hat Millionen großartige Fans in Afrika, denen wir uns eng verbunden fühlen. Der Kontinent lebt eine enorme Leidenschaft für den Fußball", sagte Bayern-Vorstand Rouven Kasper in einer Mitteilung des Vereins.

"Mit diesem Spiel leisten wir einen weiteren Beitrag dazu, die Bundesliga international sichtbarer zu machen. Wir freuen uns sehr auf dieses besondere Ereignis."

Afrika rückt stärker in den Fokus des Weltsports

Die Ankündigung der Münchener ist nur das jüngste Beispiel für das wachsende Interesse internationaler Sportverbände und Spitzenorganisationen an Afrika. Anfang des Monats gab die Formel 1 bekannt, ab den frühen 2030er-Jahren auf den Kontinent zurückzukehren, nachdem Ruanda den Zuschlag für die Austragung erhalten hatte. Bereits zuvor hatte der Leichtathletikweltverband World Athletics verkündet, dass Nairobi die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2029 ausrichten wird. Es wäre die erste WM dieser Art auf afrikanischem Boden.

Für Simon Chadwick, Programmleiter an der African School of Economics, ist dies Teil einer Entwicklung, die seit Jahren an Fahrt aufnimmt: die zunehmende Professionalisierung und Kommerzialisierung des Sports in Afrika.

"Länder wie Ruanda, Kenia, Marokko und natürlich Südafrika nutzen Sport zunehmend als politisches Instrument", sagte Chadwick der Deutschen Welle (DW). Auch der Senegal und Ägypten gehörten seiner Ansicht nach zu den Staaten, die diesen Weg eingeschlagen hätten.

Das Prinz-Moulay-Abdellah-Stadion in Rabat in Marokko
Der Fußball erlebt in Marokko einen regelrechten Boom, wie der Bau von Arenen wie dem Prinz-Moulay-Abdellah-Stadion in Rabat belegtBild: Emre Asikci/Anadolu/picture alliance

Dabei gehe es nicht nur um sportlichen Erfolg, sondern auch um internationale Sichtbarkeit und politischen Einfluss.

"Diese Vorteile für das Image und den Ruf eines Landes werden häufig unter dem Begriff Soft Power zusammengefasst. Es geht um Attraktivität, Ausstrahlung und die Fähigkeit, Menschen und Partner anzuziehen", erklärte Chadwick.

Nach seiner Einschätzung holen viele afrikanische Länder Entwicklungen nach, die in anderen Weltregionen schon länger zu beobachten sind.

"Wir erleben eine stärkere Professionalisierung, Industrialisierung und auch Politisierung des Sports. Gleichzeitig wächst auf dem Kontinent das Selbstbewusstsein, diese Prozesse selbst zu gestalten", sagte der 57-Jährige. Der Sport sei dabei nur ein Teil eines größeren Ganzen.

"Es geht auch um Diplomatie, bilateralen Handel sowie um die wirtschaftlichen und industriellen Rahmenbedingungen, in denen Sport stattfindet."

Kenia setzt auf Sport als Standortfaktor

Für Kenia passt der Stadionneubau zur Politik von Präsident William Ruto, der den Ausbau von Wohnraum und Sportinfrastruktur zu einem Schwerpunkt seiner Regierung gemacht hat. Die Austragung eines Freundschaftsspiels mit Beteiligung des FC Bayern gilt vielen als Symbol für den Wandel der Hauptstadt Nairobi.

"Im größeren Zusammenhang positioniert sich Nairobi zunehmend als alternative Austragungsstätte für internationale Sportereignisse", sagte Richard Wanjohi, Leiter für Redaktion und Forschung am African Sports and Creative Institute (ASCI), der DW.

"Wir haben gesehen, was Kigali in den vergangenen Jahren erreicht hat. Dass wir nun wieder als bedeutende Stadt für solche Veranstaltungen wahrgenommen werden, ist enorm wichtig. Wenige Wochen später steht erneut die Rugby-Sevens-Serie [in Kapstadt, Südafrika, Anm.d.Red.] an, bevor im Juli schließlich der Afrika-Cup folgt."

WNBA-Basketballerin  Madina Okot (l.) von den Atlanta Dream und Kenias Präsident William Ruto (r.) umarmen sich
Kenias Präsident William Ruto (r.), hier mit WNBA-Basketballerin Madina Okot (l.) von den Atlanta Dream, ist ein großer Sport- und besonders Fußball-FanBild: Caleb Bowlin/Getty Images/AFP

Gerade für deutsche Fußballfans wirkt die Entwicklung vertraut: So wie sich Länder am Persischen Golf mit Sportgroßereignissen international profilieren wollen, setzen inzwischen auch mehrere afrikanische Staaten gezielt auf den Sport als wirtschaftliches und politisches Aushängeschild.

Investitionen mit langfristigem Ziel

Chadwick sieht die Situation in Kenia allerdings anders als etwa in Ruanda. Das Land verfüge bereits über eine etablierte Tourismusbranche und eine vergleichsweise stabile politische Infrastruktur.

"Kenia versucht nicht erst durch Sport, eine Tourismusindustrie aufzubauen. Vielmehr setzt das Land einen Weg fort, den es seit Jahren verfolgt."

Zusammen mit den sportlichen Erfolgen des Landes sieht Wanjohi gute Voraussetzungen für die Zukunft. Kenia ist weltweit vor allem für seine Dominanz in der Leichtathletik bekannt, verfügt aber auch in Sportarten wie Rugby, Volleyball und Fußball über eine große Anhängerschaft.

"Es wird Zeit, der Welt zu zeigen, dass wir solche Großveranstaltungen ausrichten können und über die nötige Infrastruktur verfügen", sagte er.

"Es reicht nicht mehr, nur auf unser sportliches Talent hinzuweisen. Wir können auch zeigen, dass wir die Infrastruktur, das Know-how und die organisatorischen Fähigkeiten besitzen, um Veranstaltungen auf diesem Niveau auszurichten - wie andere afrikanische oder internationale Nationen auch."

Hohe Kosten sorgen für Debatten

Gleichzeitig steht die Regierung von Präsident Ruto wegen ihrer Steuerpolitik, hoher Arbeitslosigkeit und ihres Umgangs mit Kritikern unter Druck. Vor diesem Hintergrund wird auch über die Kosten des neuen Stadions diskutiert, das Berichten zufolge rund 375 Millionen Euro gekostet haben soll.

"Viele Menschen fragen sich, ob dieses Geld nicht an anderer Stelle dringender gebraucht würde - etwa im Bildungs- oder Gesundheitswesen", sagte Wanjohi.

Hinzu kommt, dass sowohl Bayern München als auch Ajax Amsterdam Antrittsprämien erhalten sollen. Kritiker bemängeln zudem, dass nicht ein kenianischer Verein oder die Nationalmannschaft das Eröffnungsspiel bestreiten darf.

Die Mannschaft von Bayern München feiert die Meisterschaft 2026 mit der Meisterschale
Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München feierte im Sommer 2026 den Gewinn seines 35 MeistertitelsBild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance

Auch der Zeitpunkt der Veranstaltung wird kontrovers diskutiert. Während viele Fußballfans dem Spiel entgegenfiebern, vermuten andere politische Motive.

"Die Regierung weiß, dass solche Veranstaltungen auch im Wahlkampf genutzt werden können. Im August nächsten Jahres stehen Wahlen an. Natürlich versucht die politische Führung, möglichst viel Nutzen aus einem solchen Ereignis zu ziehen", sagte Wanjohi.

Daraus ergeben sich für ihn zwei gegensätzliche Perspektiven:

"Es ist zweifellos positiv, solche Veranstaltungen ins Land zu holen. Die Frage ist jedoch, zu welchem Preis das geschieht und ob es tatsächlich im Interesse der Bevölkerung liegt."

Hoffnung auf nachhaltige Wirkung

Ob das Freundschaftsspiel zwischen Bayern München und Ajax Amsterdam dem kenianischen Fußball langfristig helfen wird, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Ende 2026 überwiegt jedoch der Optimismus.

"Die entscheidende Frage ist, ob afrikanische Länder erneut Gefahr laufen, in prestigeträchtige Projekte zu investieren, die am Ende zu teuren und kaum genutzten Großanlagen werden", sagte Chadwick.

Nach Gesprächen mit Vertretern des kenianischen Sports komme er jedoch zu einem anderen Ergebnis:

"Ich habe den Eindruck, dass es in Kenia einen echten Willen gibt, den Sport zu einem nachhaltigen und legitimen Motor wirtschaftlicher Entwicklung zu machen."

Für den FC Bayern ist das Gastspiel in Nairobi vor allem ein Schritt zur Stärkung seiner internationalen Präsenz. Für Kenia steht dagegen weit mehr auf dem Spiel: Das Land will zeigen, dass es nicht nur sportliche Talente hervorbringt, sondern sich auch als Gastgeber großer internationaler Sportereignisse etablieren kann.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Bayern in Kenya: A coup for African sport, but at what cost?" adaptiert. An der Recherche war Janek Speight beteiligt.

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