"Politik hat Vertrauen zerstört": Pharma-Riese Roche stoppt Investitionen in Deutschland

"Politik hat Vertrauen zerstört"Pharma-Riese Roche stoppt Investitionen in Deutschland
19.10.2026, 11:05 Uhr
Roche wirft der Bundesregierung vor, mit kurzfristigen Sparmaßnahmen Vertrauen zerstört zu haben. Während international weiter am Wachstumskurs festgehalten wird, liegen neue Projekte in Deutschland vorerst auf Eis.
Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat alle Investitionen in Deutschland gestoppt. Das teilte der Unternehmenschef Daniel Steiners in einem Interview mit der "Welt" mit. "Wir haben sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland erst einmal auf Hold gesetzt", so Steiners. "Roche, und damit meine ich auch unser globales Headquarter, will jetzt verstehen, wie es in Deutschland weitergeht."
Verantwortlich für den Schritt sei laut Steiners die politische Entwicklung in Deutschland. "Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat." Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung heiße es, dass der Pharmastandort gestärkt werden solle. Gleichzeitig sei es so, dass privatwirtschaftliche Investitionen keinen politischen Ankündigungen folgen, führte er fort.
Steiners nannte als Beispiel das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, durch das stabile Kassenbeiträge gewährleistet werden sollen, in seinen Augen aber die Industrie belastet werde. "Statt die strukturellen Probleme der GKV anzugehen, setzt die Politik auf kurzfristige Einsparungen und zusätzliche Belastungen für die Industrie. Damit verliert man doppelt: Das eigentliche Problem wird nicht gelöst, denn ohne echte Strukturreformen verpuffen solche Einsparungen erfahrungsgemäß und man steht schnell wieder vor demselben Defizit."
Für die Jahre 2025 bis 2030 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 16,3 Milliarden Franken. Damit sollen erwartete Einbußen durch auslaufende Patente in Höhe von 6,2 Milliarden Franken mehr als ausgeglichen werden. Um diesen Kurs abzusichern, setzt Roche verstärkt auf Künstliche Intelligenz (KI) in der Forschung. Dafür wurde kürzlich ein neues Innovationszentrum in Boston eröffnet, das sich auf Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie den Einsatz von KI bei der Medikamentenentwicklung konzentriert.
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