Nach einer Studie investieren immer mehr Deutsche in Aktien
Marktbericht
Geldanlage Fast jeder zweite Deutsche investiert an der Börse
Stand: 23.09.2026 • 14:43 Uhr
Deutsche gelten als Aktienmuffel. Doch jeder Zweite investiert einer Studie zufolge am Kapitalmarkt, insbesondere jüngere Menschen. Ein Großteil lässt das Geld aber weiter mit Verlusten auf dem Sparbuch liegen.
Die Deutschen sind einer Studie zufolge deutlich aktiver am Kapitalmarkt, als ihr Ruf im "Land der Sparer" vermuten lässt. Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen den Aktienmarkt zur Geldanlage und zum Vermögensaufbau.
Einer Untersuchung der niederländischen ING-Bank zufolge investieren 46 Prozent der Befragten hierzulande in Aktien, Anleihen, Fonds oder ETFs. Damit falle der Anteil der Investoren in Deutschland inzwischen höher aus als im europäischen Durchschnitt.
Deutsche Anleger auf Platz drei
Es sei der dritthöchste Wert unter elf untersuchten europäischen Ländern und der höchste unter den sechs größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, heißt es von der ING. Nur in der Türkei und in der Schweiz gebe es anteilig mehr Anleger.
Der Bestand an Investmentfonds und börsennotierten Aktien beläuft sich nach Angaben der Bank dabei auf mehr als 2,1 Billionen Euro, also fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Pro Haushalt sind dies im Durchschnitt rund 51.000 Euro. Das ist mehr als der Durchschnitt der Eurozone (circa 36.000 Euro), aber weniger als beispielsweise in Belgien (circa 83.000 Euro).
Wobei der Durchschnittswert in dem Fall verzerrend wirken kann, ist doch der Aktienbesitz in Deutschland ungleichmäßig verteilt. Nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts investierten im Jahr 2025 rund 14 Millionen Deutsche in Aktien, Fonds oder ETFs, das entspricht nicht einmal jedem Fünften.
Jüngere investieren häufiger am Aktienmarkt
"Die Deutschen investieren häufiger, als ihr Ruf vermuten lässt", sagt dennoch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski mit Blick auf die Studienergebnisse. "Vor allem bei jüngeren Generationen ist die Bereitschaft, Kapitalmarktanlagen zu nutzen, inzwischen weit verbreitet."
Beim Blick ins Detail zeigten sich vor allem unter jüngeren Befragten (18-24 Jahre) hohe Anteile, die bereits investieren. Der Abstand zu den europäischen Altersgenossen sei hier am größten. "Am höchsten ist die Akzeptanz von Kapitalmarktanlagen bei den 35- bis 44- Jährigen," so die Studienautoren.
Großteil der Deutschen bleibt beim Sparbuch
Trotz dieser Entwicklung bevorzugen die Deutschen der Studie zufolge weiterhin das klassische Zinssparen auf Konten. Diese Vorsicht hat jedoch ihren Preis.
Durch die Vorliebe für Spareinlagen anstelle von Investmentfonds seien den deutschen Haushalten zwischen 1996 und 2025 Vermögenszuwächse von fast 400 Milliarden Euro entgangen, rechnen die Studienautoren vor. Bei einer Anlage in Aktien hätte der Zuwachs sogar mehr als 1,2 Billionen Euro betragen können.
Grundlage der Ergebnisse ist eine Online-Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der ING-Bank. Befragt wurden jeweils tausend Teilnehmer in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Rumänien, der Schweiz, Spanien, der Türkei sowie Australien.
Angst vor Risiko
Wie fast überall in Europa ist auch für die Befragten in Deutschland die Risikoaversion die wichtigste Hürde beim Investieren. "Trotz der langfristigen Vorteile kapitalmarktorientierter Anlagen bleibt die Bereitschaft zum Investieren begrenzt. Wie im Rest Europas wird als wichtigste Hürde die Sorge vor Risiken genannt," so die Studienautoren.
Die Angst vor Kursverlusten und Marktschwankungen stehe sowohl bei Nicht-Investoren als auch bei vielen bereits investierenden Befragten an erster Stelle, wenn es um die Frage geht, warum nicht oder nicht mehr als derzeit investiert werde. An zweiter Stelle nennen die Deutschen eine Präferenz für Liquidität. Danach folgen fehlende Mittel und ein - zumindest gefühlter - Mangel an Wissen als weitere Hürde.
Leichte Verluste für den DAX
An einer scheinbar unüberwindbaren Hürde scheitert derweil heute der DAX. Der deutsche Leitindex rutscht um die Mittagszeit unter 25.500 Punkte - trotz des weiter fallenden Ölpreises und der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Iran-Konflikts.
Auch die angehobene Wachstumsprognose der OECD für die deutsche Wirtschaft lockt Anleger nicht aus der Reserve. Die Sorge vor einem neuen Inflationsschub und damit einer weiter straffen Zinspolitik drückt die Kauflaune am Aktienmarkt.
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