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Friday, October 30, 2026

Nickelback melden sich zurück: "Die Welt steckt voller Neid"

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imageInterview: Kai Butterweck

Im großen Pool der international erfolgreichen musikalischen Super-Acts schlagen Nickelback nun schon seit über 30 Jahren mit die größten Wellen. Über 50 Millionen Tonträger konnte die Band bereits unters Volk bringen. Seit ihrem Megahit "How You Remind Me" aus dem Jahr 2001 füllen die Kanadier Arenen und Stadien auf der ganzen Welt. Ein Vierteljahrhundert später präsentieren Drummer Daniel Adair, Gitarrist Ryan Peake und die beiden Brüder Chad und Mike Kroeger ihr elftes Studioalbum "Everything Under The Sun".

Letztgenannter erfreut sich besonders an den härteren Songs seiner Band. Bassist Mike Kroeger ist ein bekennender Metal-Dude, der mit den pumpenden Edelstahlklängen der Achtziger aufgewachsen ist. In einer Welt der Extreme, in der die Grauzonen immer kleiner werden, ist es für eine massenbewegende Mainstream-Maschine wie Nickelback nicht immer einfach, die perfekte musikalische Balance zu finden. Die Erwartungshaltung ist groß. Zwischen Kuschelrock und Metal-Banger liegen fantechnisch oftmals Welten. Nickelback wollen alle bedienen und jeden an den Tisch bekommen. Im Interview mit ntv.de spricht Mike Kroeger über das Soundkonzept des neuen Schaffens, persönliche Prioritäten und die Schattenseiten des Erfolges.

ntv.de: In den vergangenen zehn Jahren wurden die zeitlichen Abstände zwischen euren Albumveröffentlichungen immer größer. Liegt dem ein bewusst angekurbelter Prozess zu Grunde?

Mike Kroeger: Es geht bei dem Ganzen auch immer um Freude und Spaß. Diesbezüglich haben wir in der Vergangenheit einfach gemerkt, dass es wichtig ist, den Fokus neu zu setzen, mehr Entspannung reinzubringen und uns nicht tot zu arbeiten. Wenn wir Pausen gebraucht haben, dann haben wir sie uns auch genommen.

Wie viele verschiedene Soundkonzepte gingen euch in den vier Jahren zwischen eurem letzten Album und der Produktion von "Everything Under The Sun" durch den Kopf?

Uns war ziemlich schnell klar, was wir diesmal wollten. Das Album sollte einfach alles abdecken. Wir haben als Band so viele verschiedene Sounds und Ausrichtungen über die Jahre ansammeln und verinnerlichen können. Wir wollten diesmal alles unter einen Hut bekommen. Die harten Songs, die softeren Songs, das Ganze dazwischen: Der Titel des Albums bringt es direkt auf den Punkt.

Wer hatte die Idee mit dem Albumtitel?

Das war Chad. Mein Bruder ist so ein bisschen der Kopf des Ganzen, der auch musikalisch das Fundament ebnet. Er schreibt die Texte und bringt die Songs in eine erste rohe Fassung. Danach ist meist nicht mehr allzu viel zu erledigen. (lacht) Wenn wir als Band dann dazustoßen, fließt alles zusammen.

Apropos Zusammenfluss: den spüre ich besonders im Track "If I Don't Go". Der Song geht sofort ins Ohr und er hat einen sehr positiven Vibe. Wie sieht es bei dir in puncto Lieblingssong aus? Gibt es ein Lied auf dem neuen Album, das dir besonders am Herzen liegt?

Es gibt zwei Songs, die mir besonders gefallen, da sie mich als Bassist neu fordern - und zwar "Technicolor Steamboat" und "Bottled Dream". Hier spiele ich einfach einen anderen Stil. Da sind Parts dabei, die ich in der Vergangenheit so noch nicht angegangen bin. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht.

Ich hätte jetzt auf "Rattle The Cage" getippt, ein etwas derberer Track auf dem Album, da man dir ja nachsagt, dass du der Typ mit dem härtesten Musikgeschmack in der Band seist.

Ja, "Rattle The Cage" ist auch ein toller Track - auch weil wir da John 5 mit am Start haben. Dieser Kerl ist einfach ein unglaublicher Gitarrist.

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In den vergangenen Jahren haben sich Nickelback mit dem Veröffentlichen neuer Musik viel Zeit gelassen. (Foto: IMAGO/ZUMA Press)

Ihr habt in der Vergangenheit schon mit vielen Bands und Künstlern zusammengearbeitet. Welche Begegnung hat dich rückblickend am meisten beeindruckt?

Das ist wirklich schwer zu sagen, denn wir sind mit all den Leuten, mit denen wir bisher zu tun hatten, eng befreundet. Wenn ich aber jemanden rauspicken müsste, dann wäre es sicherlich Ian Thornley von der Band Big Wreck. Ian hat uns über die Jahre immer wieder im Studio geholfen, wenn es um besondere Gitarrenmomente ging. Ähnlich viel verdanken wir Dave Martone, der uns ebenfalls oft im Studio besucht hat, um besondere Momente zu kreieren. Es gibt wirklich haufenweise Künstler da draußen, die uns nicht nur geholfen und inspiriert haben. Nuno Bettencourt gehört auch dazu. Was er damals für den Song "For The River" geleistet hat, ist einfach nur Wahnsinn. Nuno ist wirklich ein ganz außergewöhnlicher und spektakulärer Gitarrist.

Ich habe Nuno zuletzt im vergangenen Jahr beim "Back To The Beginning"-Event in Birmingham bewundern können - zumindest via TV.

Ja, das war fantastisch. Ich bin damals extra alleine rübergeflogen. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich meine, Ozzy war einer meiner ersten Helden.

Wie fandest du den Auftritt von Nuno und Yungblud?

Das war crazy. Yungblud kannte ich vorher gar nicht. Und dann kommt dieser Typ auf die Bühne und reißt einfach alles ab. Ziemlich beeindruckend. Ich habe es später auch noch einmal im Fernsehen gesehen. Das war schon wild. Aber wenn man es live vor Ort erleben durfte ... Das kann man nicht wirklich vergleichen. Diese Intensität war unglaublich.

Warum war dir diese letzte Black-Sabbath-Show so wichtig?

Oh, jeder muss im Leben seine Prioritäten setzen. Ich bin einfach ein Metal-Fan der ersten Stunde. Für mich war klar: Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, dann muss ich an diesem Abend in Birmingham sein. Und Dank einiger Freunde, die mir bei der Umsetzung des Ganzen geholfen haben, konnte ich das erleben. Dieser Abend war wirklich magisch.

War es Ozzy, der dich zur Musik gebracht hat?

Ich kann mich an zwei Shows erinnern, die mich und meinen Bruder Chad wirklich geprägt haben. Zum einen waren wir auf einem Metallica-Konzert während der "... And Justice For All"-Tour. Ungefähr zur selben Zeit haben wir dann auch Poison live gesehen, während ihrer "Look What The Cat Dragged In"-Tour. Das waren zwei völlig verschiedene Welten. Aber beide Shows haben uns einfach umgehauen. Wir waren damals noch sehr jung und ich weiß noch, dass die Typen von Poison wie absolute Megastars rüberkamen. Da waren die bunten Klamotten und die ganze Schminke, das war schon ziemlich krass. Auf der anderen Seite waren da die Typen von Metallica. Die hatten nur lange Haare, zerschlissene Jeans und irgendwelche Bandshirts an - eigentlich total normale Leute. Aber auch die standen auf der Bühne einer vollen Halle und haben komplett abgerissen. Mein Bruder und ich, wir dachten uns dann: Wow, man kann es auch als einfacher Dude nach ganz oben bringen. Das war dann irgendwie unser Moment. Von da an wussten wir, dass wir es auch schaffen können.

Erinnerst du dich noch an den "Jetzt haben wir es auch geschafft"-Moment?

Auf jeden Fall. Als wir "How You Remind Me" veröffentlicht haben, drehten plötzlich alle durch. Unser komplettes Leben wurde über Nacht auf links gedreht. Das war total irre. Auf einmal waren wir in der ganzen Welt unterwegs. Für uns war das schon auch ein ziemlicher Schock plötzlich in Länder zu reisen, in denen kein Englisch gesprochen wird. (lacht) Das kannten wir alles nicht. Aber es war natürlich super. Wir wollten ja genau das erreichen. Wir haben so lange dafür gekämpft und uns aufgeopfert. Und ich sage dir: In den ersten Jahren gab so viele gute Gründe, das Ganze einfach hinzuschmeißen. Aber wir haben durchgezogen.

Der große Erfolg brachte euch nicht nur Applaus ein. Ihr musstet euch auch immer wieder mit viel Kritik und Internethass auseinandersetzen. Was hat das mit euch gemacht?

Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass alle unsere Lieblingsbands irgendwann aufgrund ihres wachsenden Erfolges gehasst wurden. Das hat das Ganze irgendwie gedreht. Im Grunde wurde uns so "mitgeteilt", dass wir es geschafft haben. (lacht) Ziemlich verrückt, oder? Aber im Ernst: Die Welt steckt voller Neid. Das ist einfach so. Wer Erfolg hat, der muss mit Hass und Missgunst klarkommen.

Habt ihr wegen der massiven Kritik irgendwann mal das große Ganze infrage gestellt?

Nein. Wir hatten einige schwere Zeiten. Aber die liegen lange zurück. Als wir anfingen und uns niemand auf dem Schirm hatte, war das schon ziemlich ernüchternd. Gerade die Anfangsphase war nicht einfach für uns. Aber ich denke, so läuft es für die meisten Bands da draußen. Wenn man loslegt, gibt es unheimlich viele Hürden zu bewältigen. Man muss einfach durchhalten und darf den Glauben nicht verlieren.

Ihr habt in den 30 Jahren viele Musiker und Bands inspiriert und beeinflusst. Wie steht es um die Zukunft der Rockmusik? Welche neuen Bands sollte man deiner Meinung nach unbedingt auf dem Schirm haben?

Ich weiß nicht, sind Sleep Token eine neue Band? Die finde ich richtig stark. Sonst bin ich aber eher der Typ, der die alten Sachen rauskramt. Was ich cool finde: Rock und Metal sind wieder im Kommen. Es gab eine Zeit, in der nur Hip-Hop und Rap gehört wurde. Aber jetzt gehen Bands wie Limp Bizkit und Faith No More wieder an den Start und zeigen der Welt, dass Gitarrenmusik noch lange nicht am Ende ist.

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