Zurück ins Leben: Wie Schlaganfall-Lotsen Betroffenen helfen
Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall als Folge eines Gefäßverschlusses oder einer Hirnblutung. Betroffene können mit vielen körperlichen, geistigen und seelischen Konsequenzen konfrontiert sein. Eine Situation, die sie selbst und ihre Angehörigen oft überfordert.
Welche Folgen ein Schlaganfall haben kann
Lähmungen, neurologische Ausfälle und Sprachstörungen erfordern nach der ersten Behandlung oft eine Rehabilitation mit Ergotherapie, Physiotherapie und/oder Logopädie. Hinzu kommen zahlreiche Arztbesuche. Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten und eine Umstellung des Lebensstils sollen erneute Schlaganfälle möglichst verhindern.
Nach einem Schlaganfall geht es neben der medizinischen Rehabilitation darum, weitere Schlaganfälle zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern. Welche Maßnahmen dabei besonders wichtig sind.
29.10.2025 | 5:01 minZudem stellen Schlaganfälle oft erhebliche Einschnitte in den Alltag der Betroffenen dar. Einige Patienten benötigen Hilfe im Haushalt, andere werden berufsunfähig oder pflegebedürftig. Zusätzlich sind sie häufig mit Bürokratie konfrontiert. Schlaganfälle können auch zu Depression und sozialer Isolation führen.
Wie Schlaganfall-Lotsen helfen
Unter Schirmherrschaft der Deutschen Schlaganfall-Hilfe gibt es seit 2024 Pilotprojekte mit knapp fünfzig Schlaganfall-Lotsen. Angestellt an verschiedenen Kliniken in Deutschland beraten sie Betroffene und Angehörige, um deren Alltag zu erleichtern.
Oft werden erst nach vielen kleinen stummen Schlaganfällen Symptome wie Gedächtnisstörungen oder Wesensänderungen bemerkt. Welche Folgen kann das mit sich bringen?
09.05.2025 | 5:19 minDer respektvolle Umgang der Schlaganfall-Lotsen mit den Betroffenen ist Catrin Uchtmann ein wichtiges Anliegen. Die Physiotherapeutin ist eine von zwei Schlaganfall-Lotsinnen am Klinikum Hanau:
Wir wollen Patienten auf Augenhöhe begegnen. Wir möchten ein Baustein sein, der hilft, in ein geregeltes Leben zurückzufinden.
Catrin Uchtmann, Schlaganfall-Lotsin, Klinikum Hanau
Je nach Ausbildung können Schlaganfall-Lotsen Patienten auch physiotherapeutisch oder pflegerisch unterstützen.
Schlaganfall-Lotsen müssen über eine pflegerische, ergotherapeutische, physiotherapeutische, logopädische, psychotherapeutische oder sozialarbeiterische Grundausbildung verfügen. Außerdem sollten sie Berufserfahrung mit Schlaganfall-Patienten oder neurologisch Erkrankten haben.
Die Weiterbildung erfolgt nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC). Bevor Schlaganfall-Lotsen im Rahmen des Pilotprojekts an verschiedenen Kliniken in Deutschland angestellt werden, erfolgt zudem eine Schulung der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.
Welches Ziel Schlaganfall-Lotsen verfolgen
Die Lotsen bereiten Schlaganfall-Patienten innerhalb eines Jahres auf ihre Rückkehr in ein geregeltes Leben vor und unterstützen sie bei Therapie und Pflege. Dabei geben sie motivierende Impulse, um die Lebensqualität im Alltag zu verbessern.
Auf Gesicht, Arme, Sprache und Zeit achten: Mit dem FAST-Test kann ein Schlaganfall erkannt werden. Frauen können jedoch andere Symptome haben, die häufig unterschätzt werden.
28.10.2025 | 0:10 minAußerdem vermitteln sie Kontakte zu Ärzten und Therapeuten und versuchen, ein Netzwerk von Helfern und Behandlern aufzubauen. Sie assistieren bei Anträgen zu Hilfsmitteln, Rehabilitation und Pflegestufen und vermitteln zwischen Betroffenen, Krankenkassen und Arbeitgebern. Über Checklisten haben sie zudem Risikofaktoren für einen weiteren Schlaganfall im Blick und motivieren Betroffene zur Änderung ihres Lebensstils.
Neben einem gut eingestellten Blutdruck senken regelmäßige Bewegung und leichter Ausdauersport das Risiko für weitere Schlaganfälle. Wichtig ist zudem eine regelmäßige Kontrolle von Cholesterinwerten und Blutfetten beim Hausarzt oder Kardiologen. Wer einen Schlaganfall hatte, sollte außerdem auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten und eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung beachten.
Wie Schlaganfall-Lotsen Patienten begleiten
Schlaganfall-Lotsen gehen an den Standorten des Pilotprojekts aktiv auf Betroffene zu, man kann sie nicht buchen. Nach einem Erstgespräch entscheiden die Patienten, ob sie die einjährige Unterstützung kostenlos in Anspruch nehmen. Die Lotsen besuchen die Patienten regelmäßig in der Rehabilitation und zu Hause. Bevor sie in die Selbstständigkeit entlassen werden, findet ein Abschlussgespräch statt.
Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Der FAST-Test hilft, die Warnzeichen schnell zu erkennen. Was im Notfall zu tun ist und welche Maßnahmen das Risiko langfristig senken, erklärt Arzt und Medizinjournalist Christoph Specht.
29.10.2025 | 6:21 minDas Angebot findet regen Zuspruch. Knapp fünfzig Schlaganfall-Lotsen in den Pilotprojekten reichen allerdings bei weitem nicht aus, um allen Schlaganfall-Patienten zu helfen, erläutert Catrin Uchtmann am Beispiel der Klinik in Hanau.
Von etwas mehr als tausend Patientinnen und Patienten, die bei uns jährlich auf Station kommen, können wir zu zweit etwa hundert begleiten.
Catrin Uchtmann, Schlaganfall-Lotsin, Klinikum Hanau
Laut Uchtmann werden vor allem mittelschwer betroffene Patienten angesprochen. Leichte Fälle benötigten oft keine zusätzliche Hilfe, schwerwiegende Fällen benötigten hingegen oft eine intensivere Betreuung auf Station oder in Pflegeeinrichtungen.
In Deutschland sind schätzungsweise eine Million Menschen von einer verengten Halsschlagader betroffen. Oft wird das zu spät erkannt und kann fatale Folgen wie einen Schlaganfall haben.
03.02.2025 | 4:40 minWie es um die Zukunft von Schlaganfall-Lotsen steht
Schlaganfall-Lotsen helfen Patienten in einer schwierigen Zeit, in ein normales Leben zurückzufinden. Bei der Deutschen Schlaganfall-Hilfe erhofft man sich, dass das Angebot Bestandteil der medizinischen Regelversorgung wird. Ob Schlaganfall-Lotsen eines Tages zu einem eigenen Berufsstand werden, muss die Bundesregierung entscheiden.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 29.10.26 ab 09:05 Uhr.
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