SRF erklärt heikle Erwähnung des BDS

Neue Nahost-Korrespondentin
SRF erklärt heikle Erwähnung des BDS
Christina Brun berichtet seit kurzem für SRF aus dem Nahen Osten. Auf ihrer Webseite war die israelfeindliche BDS-Bewegung verlinkt, bis die Seite offline ging. Nun liefert der Sender eine Erklärung.
Publiziert: vor 29 Minuten
- Neue SRF-Nahostfrau verlinkte vor zehn Jahren für ein Kunstprojekt im Westjordanland die israelkritische Bewegung BDS.
- Nach SonntagsBlick-Recherche wurde die Webseite offline genommen.
- SRF liefert Erklärung: Sie habe die BDS-Bewegung nie unterstützt. Die Webseite war kein journalistisches Produkt. Der Link auf der Webseite diente lediglich «weiterführenden Informationen».
Lukas LippertRedaktor
Es gibt wohl kaum heiklere Berichte für SRF als die über den Nahen Osten. Knapp ein Viertel aller Beanstandungen drehten sich vergangenes Jahr darum, so die Ombudsstelle in ihrem Jahresbericht. Die Kritik komme mehrheitlich aus pro-israelischen Kreisen und habe sich gegen Beiträge gerichtet, die das Leid in Gaza, Fragen des Völkerrechts und der politischen Verantwortung in den Vordergrund stellen.
Seit September berichtet eine neue Korrespondentin aus Nahost. Christina Brun ist laut SRF als stellvertretende Korrespondentin aktuell in der jordanischen Hauptstadt Amman stationiert. Zuvor produzierte sie mehrere Jahre die Sendung «SRFglobal» mit Sebastian Ramspeck. Die ausgebildete Fotografin spricht Arabisch.
Heikler Link auf alter Webseite
SonntagsBlick wurden Informationen zugespielt, gemäss denen die neue SRF-Frau für Nahost Verbindungen zur israelfeindlichen Bewegung BDS haben soll. Es geht um eine Website, die sie 2015 im Rahmen ihres Studiums Multimedia Production an der damaligen HTW Chur aufschaltete.
Darauf veröffentlichte sie Fotos, die für ein privates Kunstprojekt entstanden waren: «Stories beyond the wall» (Geschichten jenseits der Mauer). Brun hielt sich damals in Bethlehem auf, einer Stadt in den Palästinensischen Autonomiegebieten südlich von Jerusalem, im sogenannten Westjordanland.
Bis vor kurzem war auf der Website auch ein Link zur israelfeindlichen BDS-Bewegung zu finden. Nach einer Anfrage von SonntagsBlick verschwand die Seite vom Netz.
BDS steht für «Boycott, Divestment and Sanctions». Ziel der Bewegung ist es, Israel politisch, kulturell und wirtschaftlich zu isolieren. Unter Fachleuten gilt sie als problematisch. Einige europäische Regierungen, darunter Österreich und Deutschland, stufen BDS offiziell als antisemitisch ein.
Die Korrespondentin selbst reagierte nicht auf Fragen von SonntagsBlick. Die SRF-Medienstelle schreibt: «Die auf der Website aufgeführten Links dienten als weiterführende Informationen und stellen keine Unterstützung der genannten Organisationen dar. Christina Brun hat die BDS-Bewegung nie unterstützt.»
Die Website sei kein journalistisches Produkt. Sie dokumentiere «persönliche Eindrücke und Erlebnisse aus dem Westjordanland» und erhebe nicht den Anspruch, den Nahostkonflikt umfassend darzustellen.
SRF betont in seiner Stellungnahme, man prüfe die Qualifikationen, journalistische Erfahrung und Eignung seiner Mitarbeitenden «sorgfältig». Es gebe «keinen Anlass», an der Professionalität, Unabhängigkeit und journalistischen Kompetenz von Christina Brun zu zweifeln.
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