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Saturday, October 3, 2026

Klopp reißt ganzes Land an sich: Ach, der Jürgen

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Die Fußball-Nation Deutschland verliebt sich wieder in die Nationalmannschaft. Nach der großen WM-Depression reißt Jürgen Klopp das Land aus der Lethargie. Weil er abseits des Feld besonders geschickt agiert.

Jürgen Klopp ist einer von uns. Das hat nicht das "Uns" entschieden, sondern Jürgen Klopp. Der Mann, der nach Mützen-Bundestrainer Helmut Schön die Kappe im deutschen Fußball salonfähig gemacht hat, verzwergte sich im Schatten des größten Kaders der DFB-Geschichte. "Einer von 83 Millionen" sei er, das stand auf seiner Kopfbedeckung. Ein Spruch fürs schwer leidende deutsche Fußball-Herz. Wie einst die "Pöhler"-Cap des BVB, eine kleine Hommage an die Schönheit der Ruhrgebietssprache war. Das sind gut platzierte Schmeicheleien für gestresste Seelen.

So erobert man das Land, emotionale Soft Power, ein paar Ecken und Kanten. Und immer in der Lage zu parlieren und zu bellen. Der Jürgen, einer von "uns". Gelernt und zur Perfektion gebracht hat er das als Coach der Emotionsriesen Borussia Dortmund und FC Liverpool. Als er noch vor seinem ersten Spiel sagte, dass er die Fahne zurückholen will, dann sollen bei einigen Menschen Tränen geflossen sein. Kein Trainer vor ihm - und vermutlich auch lange Zeit keiner nach ihm - bewegt die Menschen in Deutschland so sehr wie Klopp. Große Teile des Landes fühlen sich von ihm angezogen, manchen geht der Hype aber auch zu weit. Er hat eine Größe, eine Omnipräsenz, die es nie zuvor gab.

Die Aura als Schutzschild

Und (vorerst) eine Unangreifbarkeit. Seine Aura wirkt wie ein Schutzschild gegen kritische Angriffe. Nach der schwachen Leistung gegen Griechenland im zweiten Spiel, das den neuen Bundestrainer gefährlich nah den negativen Startrekord im Amt geführt hatte, wurde nicht er selbst zum Thema, nicht sein XXL-Casting verteilt auf zwei Kader, sondern der Zustand des deutschen Fußballs. Bastian Schweinsteiger stieß eine leidenschaftliche "Mittelmaß"-Debatte ein. Klopp war fein raus. Für die angehäuften Probleme der Vergangenheit kann der Mann aus der Mitte schließlich nichts.

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DFB-Neuling will gegen die Griechen "in die Schlacht ziehen"

Ein bisschen Welpenschutz bekommt vermutlich jeder Trainer. Aber bei Klopp ist alles größer, alles dominanter als bisher. Weil er besser als seine Vorgänger zu kommunizieren und mitzureißen weiß. Während sich Julian Nagelsmann zu oft von der Sprache der Menschen abhob, indem er das Spiel zu akademisch erklärte, redet Klopp so, als würde er mit Pilsken und Pommes anner Bude stehen. Und er trifft dabei den Ton, den die Menschen hören wollen. Er kann versöhnen, wo es Versöhnung braucht. Er kann aber auch bellen, wenn ihn etwas nervt. Das wird ihm nicht als überheblich oder etwa frech ausgelegt. Nein, es wird ihm etwas Normales, etwas Menschliches zugeschrieben. Darf man doch! Und das in einer Zeit, in der einige Menschen fühlen, dass man doch nichts mehr sagen dürfe.

Da hat einer richtig Bock

Es ist die große Leistung des neuen Bundestrainers, dass er Stimmungen an sich reißen kann. Den Frust der Niederlage gegen Griechenland fraß er genüsslich auf, drehte alles aufs Positive, auf einen Erkenntnisgewinn, den er zwar nicht unbedingt gebraucht hätte. Der aber helfe. Der Mannschaft und ihm. Und dann kam Serbien, der richtige Gegner zur richtigen Zeit. Es war das Glück des Tüchtigen, das Klopp zuteilwurde. Er ließ sich zuvor in Stadien und auf Trainingsplätzen blicken. Da war einer, der sichtbar arbeitete und Bock auf diesen Job hatte, für den er schon seit über einem Jahrzehnt gehandelt wurde. Anders als Nagelsmann, den man zwischen den Länderspielen nur selten sah.

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"Wollt ihr wieder ein Thema aufmachen, wo keins ist"

Man muss Serbien nicht größer reden, als es wirklich war. Und nicht kleiner machen als es ist. Es war ein einfach schwacher Gegner an diesem Abend von München, der von Deutschland in Grund und Boden gespielt wurde. Einzig das Ergebnis war nicht passend. Das DFB-Team war sehr viel besser als nur zwei Tore (2:0). Florian Wirtz riss die Menschen endlich wieder aus den Sitzen, die jungen Tom Bischof und Aleksandar Pavlovic drehten im Maschinenraum hochtourig auf. Man ahnte, dass sie das können. Nun sah man es auch. Und man sah, dass es auch möglich ist, ohne Joshua Kimmich, ohne den Anführer zu spielen. Zu dominieren. Zu gewinnen.

"Die Leistung muss nun die Baseline sein. Das kommt in mein Archiv, damit zeigen wir den Jungs, wie es gehen kann", sagte Klopp und zeigte sich von seinen unermüdlichen Pressingmonstern angetan: "Das war außergewöhnlich gut. Heute waren die Jungs auf Krawall eingestellt." Mit dem Ball habe sein Team "einfach wundervollen Fußball gespielt". Man könne "jedes Risiko der Welt nehmen, wenn unser Gegenpressing durch die Decke geht. Und es ist durch die Decke gegangen." Ihm ging es um das "Wie" und nicht um das "Wer". Auch wenn das manch einer gerne zum Thema machen wollte.

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Klopp-Ansprache "zündete" Gnabry an

Dass es hernach im Subtext von Fragen auf der Pressekonferenz um die künftige Rolle des Kapitäns ging, kassierte der Bundestrainer eilig ein. Ein bisschen genervt, aber rhetorisch so clever verkauft, dass im Medienraum sogar gelacht wurde. So hatte er auch den Verzicht auf Kimmich für "Kader II" erklärt und dessen mehrfache Bittstellung, doch noch bleiben zu dürfen, locker abmoderiert. Dass ihm dabei eine versteckte Botschaft zugeschrieben wurde, das korrigierte Klopp unmittelbar selbst.

"Darin ist Klopp wirklich ein Meister"

Es läuft. Neben dem Feld und auch wieder auf darauf. Zumindest für den perfekten Moment von München. Über die Nachhaltigkeit des entfesselten Zaubers und Heavy Metal wird am Sonntag neu verhandelt, wenn es im stimmungsvollen von Thessaloniki (ab 19.05 Uhr bei RTL, Anstoß 20.45 Uhr, auch im Liveticker bei ntv.de) erneut gegen das starke Griechenland geht. Medial wird schon euphorisch die "Revanche" ausgerufen.

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Klopp: "Gegen den Ball waren wir ein Monster"

Die Klopp-Welt ist in diesen Tagen nur weiß, die schwarzen Wolken der Vergangenheit sind ganz weit weg gepustet worden. Sie werden wiederkommen. Das weiß auch Klopp. Wie die Welt dann aussieht? Weiß mit Flecken? Grau? Schwarz? Der Fußball kann alles, aber vor allem rasend schnell Stimmungen verändern. Klopps Vorgänger sind daran gescheitert, Team und Fans aus den tristen Momenten wieder ins Licht zu führen. Auch das Schutzschild des neuen Bundestrainers wird irgendwann fallen und zum Realitätscheck seiner (bereits mehrfach nachgewiesenen) Kraft.

Klopp beherrscht das "Hoeneß-Game"

Wirtz war in München gegen Serbien vom chronischen Mühsal blitz-genesen, die Mannschaft ebenfalls befreit. Der Wunderdoktor hatte die Hand aufgelegt, auf seine Spieler, auf die Ränge. Einmal per Ansprache, einmal per Gesten-Feuerwerk. Und die Heil-Methoden ließen die Fußballer staunen. Klopp versuche, "auf jeden Spieler zuzugehen und ihm ein gutes Gefühl zu geben, dass er wichtig ist und es verdient hat, hier zu sein", erklärte Wirtz bei RTL/Sky. Es sei "wichtig, dass sich jeder Spieler wertgeschätzt fühlt. Und ich glaube, darin ist Klopp wirklich ein Meister".

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Wirtz tanzt im Chancenfeuer: DFB-Elf wie ausgewechselt

Klopp beherrscht das "Hoeneß-Game". Er kann die Dinge so lenken, wie er es will. Wenn er sein Team "bedroht" sieht, holt er die Aufmerksamkeit auf sich. Mit einem Spruch, mit einer Aktion. Er steht am Spotlight und leuchtet die Dinge so aus, wie sie für seine Arbeit nötig sind. Derzeit steht das Licht nur auf ihm. Das Casting läuft weitgehend geräuschlos im Hintergrund und wird nur dann besonders laut, wenn es so läuft wie am Donnerstag. Wenn Klopp, Pardon, Deutschland gewinnt. Dann jubelt er ausgelassen. Wie man ihn kennt. Wie einer von "uns".

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