Helden-Ende verpasst: Ronaldo zeigt beim Abflug seine hässliche Fratze

Ein Kommentar von Anja Rau
01.10.2026 | 11:14 Uhr
Cristiano Ronaldo ist ein Fußball-Riese, doch menschliche Größe lässt er vermissen. Mit seiner peinlichen Schmoll-Einlage inklusive Knall-Abreise vom Nationalteam zeigt er, was er von seinen Mannschaftskollegen hält. Damit versagt er sich die größte Ehre selbst.
Die Bühne als Held verlassen. Ewigen Ruhm und Ehre sichern. Das hat Cristiano Ronaldo verpasst. Ja, sein Denkmal hat der Portugiese bereits, doch seine vorzeitige Abreise von der Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Dänemark in der Nations League ist in etwa so peinlich wie die ursprüngliche Fratze, die der Bildhauer dem Fußballer geschaffen hatte.
Der inzwischen 41-Jährige ist seit jeher eine streitbare Figur. Egozentrisch in seiner Glitzerwelt, angeprangert wegen mutmaßlicher Vergewaltigung. Andererseits fußballerisch unbestritten exzellent, zielstrebig, besessen an seinem Körper arbeitend, Titel- und Sieggarant. Wo er war, war der Erfolg. Doch nun kratzt er an seinem eigenen Nimbus. Er zeigt sich als egoistisch und als miserabler Kapitän - der auch den Trainer in ein schlechtes Licht rückt. Der einfach nicht einsehen will, dass seine Zeit abgelaufen ist.

1:38
Ronaldo geht mit einem Knall - und will "Wahrheit sagen"
Ronaldo hätte nach der Fußball-Weltmeisterschaft abtreten sollen. Nach 234 Länderspielen und 146 Toren. Es wäre für alle das Beste gewesen. Fußballerisch und menschlich. Schließlich war bei dem Turnier überaus deutlich geworden, dass er längst nicht mehr der Überfußballer von früher ist. Hatte er doch nur noch gelauert und auf Bälle gewartet, war wie ein Einzelteil im Gesamtteam auf dem Platz aufgetreten, hatte sich auch kaum als mannschaftsdienlich erwiesen. Es muss ihm selbst aufgefallen sein. Trotz seines Rekords. Im Sommer wurde er zum ersten Spieler mit Treffern bei sechs WM-Endrunden. Zum ersten Mal traf er dabei sogar in einer K.-o.-Runde. Sonst war da jedoch wenig. Es muss teamintern zur Sprache gekommen sein. Spätestens bei der Kritik der Experten hätte es ihm auffallen müssen.
Ronaldo stellt sich über Nachfolger
Die WM wäre ein schönes Ende einer fast 23-jährigen Nationalmannschaftskarriere gewesen. Was für eine Ära! Er nochmal dabei als Führungsfigur, als Star, der die Aufmerksamkeit bringt, der gleichzeitig die Bühne für die Nachfolger bereitet. Nochmal dabei, nochmal drei Tore, danke, das war's.
Stattdessen giert Ronaldo offenbar auf die 1000-Tore-Marke. 979 Tore hat er für alle Klub- und Nationalteams bereits geschossen. Die 21 fehlenden Tore - sie hätten ihren Anfang offenbar unbedingt im Nationalteam haben sollen. Doch mit dieser Besessenheit tut er der Auswahl - ach was, ganz Portugal - keinen Gefallen. Ronaldo stellt die Entscheidung seines Trainers Jorge Jesus, mit dem er auch schon beim saudi-arabischen Klub Al-Nassr zusammenarbeitete, infrage. Der hatte ihn beim 2:1-Sieg gegen Norwegen 90 Minuten auf der Bank gelassen - zum ersten Mal seit 2008 in einem Pflichtspiel. Daraufhin folgt der Knall. Er ist ein schlechtes Vorbild, weil er schmollt, statt mit dem Team und den Fans zu feiern.
Er stellt sich über seine Mannschaftskameraden, hält sich offenbar für unverzichtbar - und damit für besser als etwa Joao Felix und Goncalo Ramos. Die gegen Norwegen treffen.
Statt das Beste für das Team und sein Land zu wollen, zieht Ronaldo die Ego-Show ab. Und macht sich damit Vieles kaputt. Statt um das Spiel dreht sich vor der Begegnung mit Dänemark alles um Ronaldo und dessen Abreise im Privatjet. Er schrieb bei Instagram zwar: "Jetzt ist es an der Zeit, Portugal und allen meinen Mitspielern viel Glück zu wünschen, ohne Ausnahme", doch diese Worte sind aufgrund seiner Tat nur Hohn.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.