Technik für blinde Menschen – Wenn das Smartphone zum Auge wird

Technik für blinde Menschen Wenn das Smartphone zum Auge wird
Vorlesen, erkennen, warnen: Wie Technik blinden Menschen helfen kann – und warum der weisse Stock trotzdem bleibt.
28.09.2026, 10:29
Ist die Milch abgelaufen? Welche Farbe hat mein Pullover? Welchen Absender hat dieser Brief? Wer blind ist, war für solche Fragen jahrzehntelang auf andere Menschen angewiesen – oder auf teure Spezialgeräte.
Schweizer Krimi «Blind»
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Im Zentrum der Krimiserie «Blind» steht Nathaniel Brenner, ein blinder Barkeeper, der blutüberströmt auf einen Polizeiposten stürmt: Eine schwangere Frau sei aus seiner Bar entführt worden. Um den Fall zu lösen, verbündet er sich mit der Journalistin Milla Nova und dem Kriminalpolizisten Sandro Bandini.
Die sechs Folgen beruhen auf dem Bestseller der Schweizer Autorin Christine Brand.
«Blind» – die neue SRF-Krimiserie. Jetzt streamen auf Play SRF.
Heute genügt ein Handy und eine App wie «Be My Eyes», die es seit über zehn Jahren gibt: Man richtet die Kamera auf etwas und wird per Video mit einer sehenden freiwilligen Person verbunden, die beschreibt, was die Kamera zeigt. Nach Angaben des Anbieters stehen gut zehn Millionen Freiwillige gut einer Million blinden und sehbehinderten Menschen gegenüber. Die Wartezeit liegt meist unter zehn Sekunden.
Die KI beschreibt – manchmal falsch
Doch oft braucht es gar keinen Menschen mehr: Seit 2023 steckt in derselben App die Funktion «Be My AI». Dort beschreibt die künstliche Intelligenz, was auf einem in der App gemachten Foto zu sehen ist. Und man kann nachfragen: «Ist das glutenfrei?» Oder: «Wann läuft das ab?»
Seit kurzem gibt es solche Funktionen auch direkt im Betriebssystem des Smartphones. Doch ganz fehlerfrei ist das nicht. Genau wie ein KI-Chatbot kann eine bildbeschreibende KI auch Dinge erfinden oder falsch wiedergeben. Wer sehen kann, merkt das sofort. Wer nicht sehen kann, merkt es vielleicht erst, wenn die falsche Tablette im Mund ist. Ganz ersetzen kann die KI die Freiwilligen deshalb nicht.
Eine Hand für den Stock, eine fürs Handy
Dennoch: Das Smartphone ist heute das wichtigste technische Hilfsmittel für blinde Menschen. Es hat eine ganze Reihe teurer Spezialgeräte abgelöst. Auch der öffentliche Verkehr zieht nach: Die App SBB Inclusive sagt zum Beispiel Gleis und Zugsinformationen an, und SBB Assist gehört nach einem Pilotversuch ab diesem Jahr zum festen Angebot.
Das Handy hat aber einen Haken: Man muss es in der Hand halten. Und die andere Hand hält oft schon den weissen Stock. Deshalb rücken Kamerabrillen nach, etwa die Ray-Ban von Meta. Sie sieht aus wie eine Sonnenbrille, hat aber Kamera, Mikrofon und Lautsprecher. Der Vorteil: Die Kamera zeigt immer dorthin, wo man den Kopf hindreht. Der Nachteil: Sie filmt auch alle anderen, ohne dass die es merken.
Aus Lausanne auf die Schultern
Und was keine dieser Brillen kann: navigieren. Hindernisse erkennen sie nicht und sind so auch kein Ersatz für den weissen Stock. Daran wird gearbeitet: Das amerikanische Gerät Glide ist etwa so gross wie ein Handball, rollt an einer Stange auf zwei Rädern vor einem her und lenkt von selbst um Hindernisse herum.
Näher liegt NOA der Lausanner Firma Biped, einem Spin-off der ETH Lausanne. Das Gerät sitzt auf den Schultern, scannt die Umgebung mit Kameras und warnt mit Tönen im Raum vor Hindernissen – auch vor solchen auf Kopfhöhe, die der Stock nie erwischt. Dafür gab es 2023 den «Prix de la Canne Blanche» der Blindenorganisation SZBLIND.
Leicht sind solche Geräte allerdings noch nicht. Über ein Kilo den ganzen Tag mitzutragen, will gut überlegt sein. Und günstig sind sie auch nicht: NOA kostet mehrere tausend Franken.
Bezahlt wird davon wenig. Die IV finanziert zwar das Gebrauchstraining für Smartphones und Tablets. Die neuen Brillen und Navigationsgeräte stehen nicht auf ihrer Hilfsmittelliste.
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