Altes Handwerk – Fördert Mähen mit der Sense die Biodiversität?

Auf einer Wiese in Salenstein TG stehen neun Personen mit einer Sense in der Hand. Kursleiter Jürg von Känel zeigt ihnen, wie es geht. Ruhige Bewegungen, gleichmässiger Rhythmus, das Blatt stets nahe am Boden. Einfach sieht es aus. Doch schon nach den ersten Versuchen wird klar: Sensen will gelernt sein.
Organisiert wird der Kurs vom Landwirtschaftlichen Zentrum Arenenberg. Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen Gründen. Einige möchten ein altes Handwerk erlernen, andere interessieren sich für naturnahes Gärtnern. So etwa eine Teilnehmerin aus dem Toggenburg: «Ich möchte etwas für den Insektenschutz tun und mein Wiesenstück mit der ‹Sägis› mähen.» Ein Thema beschäftigt dabei viele von ihnen: die Biodiversität.
Wer mit der Sense mäht, tut Pflanzen und Tieren etwas Gutes. Diese Überzeugung ist weitverbreitet. «Ganz falsch ist das nicht», sagt Jürg von Känel gegenüber SRF. Im Unterschied zu vielen motorisierten Geräten, wie dem Fadenmäher oder dem Trimmer, arbeitet die Sense langsam und leise. Tiere haben dadurch eher die Möglichkeit, rechtzeitig zu flüchten.
Zudem wird das Schnittgut nicht zerkleinert und als Mulch auf der Fläche verteilt. «Insbesondere Blumen und Kräuter vertragen solchen Mulch nicht», so von Känel. Unter einer dicken Schicht Schnittgut werden sie verdrängt, sodass sich viele Arten kaum noch entwickeln können oder ganz verschwinden.
Die Sense allein mache aber noch keine biodiversitätsfreundliche Wiese. Entscheidend sei, wann und wie gemäht werde, betont der Kursleiter. Wer die Artenvielfalt fördern möchte, sollte nicht die ganze Fläche auf einmal mähen. Wichtig seien sogenannte Altgrasinseln, die über den Winter stehen bleiben und Insekten als Rückzugsort dienen. «Der letzte Schnitt erfolgt möglichst spät im Herbst.»
Viel Geduld nötig
Seit rund 13 Jahren gibt Jürg von Känel Sensenkurse. Besonders während der Corona-Pandemie erlebte das traditionelle Handwerk einen Aufschwung. Heute führt er pro Sommer rund 15 Kurse durch. In seiner Werkstatt fertigt er Sensen zudem selbst an, angepasst an Körpergrösse sowie Rechts- oder Linkshändigkeit.
Während auf der Wiese konzentriert geübt wird, zeigt sich rasch: Die Sense verlangt Geduld. Viele Bewegungen müssen automatisiert werden, bis der Wiesenschnitt sauber gelingt. «Erst wer den Bogen draussen hat, schneidet gut ab», sagt von Känel und schmunzelt. Für viele Teilnehmende ist das Sensen nicht nur Gartenarbeit, sondern auch eine Form der Entschleunigung.
Ob die Sense die Biodiversität fördert? Die Antwort lautet: Ja, wenn sie richtig eingesetzt wird. Wer artenreiche Wiesen pflegt, nicht alles auf einmal mäht und Rückzugsräume für Tiere stehen lässt, kann einen wichtigen Beitrag leisten. «Die Sense ist dabei weniger Wundermittel als Werkzeug», so von Känel.
Vom Spalthammer zur Rasierklinge
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Bevor überhaupt gemäht werden kann, muss die Sense scharf sein. Dazu gehört das sogenannte Dengeln. Mit gezielten Hammerschlägen wird die Schneide des Blattes verdichtet und extrem fein ausgeschliffen. «Vor dem Dengeln ist das Blatt wie ein Spalthammer, danach wie eine Rasierklinge», erklärt Kursleiter Jürg von Känel den Kursteilnehmenden.
«Die Sense ermöglicht dem Menschen, mit offenen Augen in der Natur unterwegs zu sein und Biodiversität spürbar zu machen.» Für die Biodiversität entscheidend sei am Ende jedoch nicht die Sense selbst, sondern die Menschen, die mit ihr arbeiten, die Wiese beobachten und Verantwortung für deren Pflege übernehmen.
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Regionaljournal Ostschweiz, 02.09.2026, 17:30 Uhr ; kelk;vonb;noes
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