«Der bringt uns alle um»: Stiefmutter sendet Hilferuf vor Bluttat

- Vor dem Landgericht Trier beginnt der Prozess gegen einen 19-Jährigen, der drei Familienmitglieder getötet haben soll.
- Er soll am 23. Dezember auf den Kapverden seinen Vater, dessen Lebensgefährtin und deren Tochter getötet haben.
- Die Stiefmutter schrieb noch per Whatsapp «Der bringt uns alle um», das Motiv ist offen.
Am Mittwoch beginnt vor der Jugendkammer des Landgerichts Trier der Prozess gegen einen 19-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im vergangenen Dezember auf den Kapverden seinen Vater, dessen Lebensgefährtin und deren Tochter getötet zu haben.
Die Anklage lautet auf Mord an der Stieftochter sowie Totschlag an den beiden Erwachsenen. Bei dem Mädchen geht die Staatsanwaltschaft von Heimtücke aus: Es soll geschlafen haben, als es mit einem Messer getötet wurde. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 2. Dezember fallen.
Verzweifelte Nachricht nach Deutschland
Die Tat ereignete sich am 23. Dezember in einer Ferienwohnung auf der Insel São Vicente. Die Familie verbrachte dort die Weihnachtsferien.
«Der bringt uns alle um», soll die 45-jährige Lebensgefährtin des Vaters noch per Whatsapp an Angehörige in Deutschland geschrieben haben. Diese versuchten vergeblich, die Familie zu erreichen, und alarmierten schliesslich die Polizei in Deutschland. In der Hafenstadt Mindelo fanden Einsatzkräfte dann die drei Leichen.
Der Beschuldigte soll nach der Tat zum Flughafen gefahren und nach Lissabon geflogen sein. Dort nahm ihn die portugiesische Polizei am 25. Dezember aufgrund eines Europäischen Haftbefehls in einem Hotel fest. Mitte Januar wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.
Rückflug Tage vor der Tat gebucht
Das Motiv ist offen. Mehrere Medien berichten von einem Streit ums Geld: Der 19-Jährige soll mehrere Ausbildungen abgebrochen haben und ohne Arbeit gewesen sein. Sein Vater, ein Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen, soll ihm finanzielle Unterstützung verweigert haben.
Laut der «Aachener Zeitung» war die Reise eigentlich als Versöhnungsferien gedacht. Für die Ermittler bedeutsam: Der Beschuldigte soll sein Rückflugticket bereits einige Tage vor der Tat gebucht haben – ein Indiz gegen eine Spontantat.
Nach Angaben der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa, die sich auf die Polizei auf den Kapverden beruft, leidet der junge Mann an einer psychischen Störung.
Zu den Vorwürfen schweigt er bisher. Als Nebenklägerinnen sind die Schwester und die Mutter des getöteten Vaters sowie die Mutter seiner Lebensgefährtin zugelassen. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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