Nachfolger von lernen:digital: Initiative will es nun in die Schulen schaffen
Die Bund-Länder-Initiative „Digitales Lehren und Lernen“ hat am 1. Oktober mit ihrer Vernetzungs- und Transferstelle ihre Arbeit aufgenommen. Das gab die Transferstelle jetzt bekannt. Sie knüpft an den „Kompetenzverbund lernen:digital“ an, der Ende Juni dieses Jahres nach rund dreieinhalb Jahren mit einer eher durchwachsenen Bilanz ausgelaufen ist. Sie soll eines der drängendsten Probleme des Kompetenzverbunds lösen: Die wissenschaftlich erarbeitete Theorie soll durch die „Schnittstellenfunktion“ der Transferstelle nun wirklich in der Schulpraxis ankommen.
Wie die Initiative erklärt, stehe „das Schulsystem [...] in der Verantwortung, alle Kinder und Jugendlichen durch die Vermittlung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen auf eine erfolgreiche Teilhabe an einer digital geprägten Welt vorzubereiten. Entscheidender Hebel dafür bleiben Lehrkräfte und Schulleitungen.“ Die digitale Transformation des Schulsystems brauche deshalb vor allem eine neu aufgestellte, eng verzahnte Lehrkräftebildung sowie wissenschaftlich erprobte Unterrichtskonzepte und Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien. Genau hier will die Initiative ansetzen, braucht im föderalen und fragmentierten Bildungssystem allerdings auch vermittelnde Schnittstellen wie die Transferstelle.
Erst die Transferstelle, dann die Kompetenzcluster
Demnach startet die Transferstelle schon rund ein halbes Jahr vor fünf neuen Kompetenzclustern, um bis zu deren Arbeitsaufnahme den Bedarf in der Praxis erheben zu können. Die Cluster arbeiten dann zur Gestaltung digital gestützten Fachunterrichts, zu daten- und KI-gestütztem Lehren, digitaler Souveränität, Digital Leadership und beruflicher Bildung und entwickeln Angebote für die Stärkung digitaler Kompetenzen von Lehrkräften und Schulleitungen. Der neue Zuschnitt greife der Initiative zufolge auch aktuelle Entwicklungen wie etwa künstliche Intelligenz und datengestützte Schulentwicklung auf.
Die Transferstelle soll nicht nur vorab tatsächliche Bedarfe ermitteln, sondern auch die Cluster miteinander vernetzen und deren Ergebnisse wiederum für Lehrkräfte aufbereiten. Damit Wissenschaft und Praxis Konzepte gemeinsam entwickeln, sind Dialogformate geplant. Die Initiative nennt dieses Vorgehen ko-konstruktive Forschung. Der von ihr geleistete Transfer soll dann letztendlich alle drei Phasen der Lehrkräftebildung erreichen, vom Studium über das Referendariat bis zur Fortbildung im Beruf.
Beziehungsarbeit mit den Ländern
Wissenschaftlich geleitet wird die Stelle von Katharina Scheiter, Professorin für Digitale Bildung, und Dirk Richter, Professor für Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung, beide von der Universität Potsdam und schon im Kompetenzverbund lernen:digital in der dortigen Transferstelle vertreten. Beteiligt sind außerdem die Universitäten Tübingen und Kassel, die TU München, die Leibniz-Institute DIE, DIPF, IPN und IWM sowie das Deutsche Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik. Als zivilgesellschaftlicher Partner ist das Forum Bildung Digitalisierung dabei.
Scheiter erklärte anlässlich des Starts (PDF): „Die in den letzten Jahren aufgebauten Beziehungen mit den Ländern kommen jetzt von der ersten Stunde an zum Tragen. Das ist ein struktureller Unterschied zur ersten Förderperiode – und er entscheidet darüber, ob die Angebote wirklich dort ankommen, wo sie wirken sollen: in den Schulen.“ Dirk Richter ergänzte: „Der Handlungsdruck im Bereich der digitalen Bildung ist enorm. Umso wichtiger ist es, dass die Vernetzungs- und Transferstelle an die Erfolge des Kompetenzverbunds lernen:digital anknüpft und Kontinuität bei der Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung sicherstellt.“
Lehren aus lernen:digital
Der zuvor mit rund 205 Millionen Euro geförderte Kompetenzverbund lernen:digital hatte nach eigenen Angaben mehr als 500 Produkte für Schule und Lehrkräftebildung hervorgebracht, doch der Weg in den Schulalltag blieb holprig – unter anderem wegen mittlerweile altbekannter Reibungsverluste zwischen Bund und Ländern (Was bleibt von lernen:digital?). So sei ein Großteil der Projektlaufzeit für die Abstimmung zwischen Bund und 16 Ländern draufgegangen – trotz einer schon damals vorhandenen „Transferstelle“ mit rund 100 Beschäftigten.
Die Bund-Länder-Initiative bildet nun den dritten Handlungsstrang des Digitalpakts 2.0, der am 1. September offiziell in Kraft getreten ist. Wie das Bundesbildungsministerium auf seiner Informationsseite zur Initiative erläutert, fließen bis Ende 2030 insgesamt 250 Millionen Euro Bundesmittel in die praxisorientierte Forschung.
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