Seit dem Nati-Debüt steckt Boteli im Loch

Nur ein Tor in sechs Spielen
Seit dem Nati-Debüt steckt Boteli im Loch
Seit seinem Nati-Debüt steckt Shootingstar Winsley Boteli in einem Loch. Dennoch sind weder Sportchef Barthélémy Constantin noch Blick-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz ernsthaft besorgt um den Genfer.
Publiziert: 00:47 Uhr
- Shooting-Star Winsley Boteli hat in den letzten 6 Spielen bloss noch ein Tor gemacht
- Die Lokalzeitung «Nouvelliste» hat ihn gegen Lausanne zum Flop des Spiels gemacht
- Sportchef und Blick-Experte sind sicher, dass der Neo-Nationalspieler schnell aus diesem Loch findet
Alain KunzReporter Fussball
Wir schreiben den 27. August. Bei der 3:5-Niederlage beim grossen Ajax Amsterdam gelingt Winsley Boteli (20) ein Hattrick. Vier Tage später schiesst er den FC Basel im Joggeli mit zwei Toren ab, Sion siegt 2:1. Der Genfer, der erst seit dieser Saison Stammspieler ist, schiesst gerade alles kurz und klein.
Die logische Folge: Nati-Coach Murat Yakin bietet den Knipser mit der Zahnspange für die Nations-League-Spiele im Oktober auf. Dort kommt er in drei der vier Spiele zu Kurzeinsätzen. Grosse Spuren hinterlässt er in diesen (noch) nicht.
Danach gehts zurück ins Wallis – und Boteli gelingt nicht mehr viel.
Lokalzeitung macht Boteli zum Flop des Spiels gegen Lausanne
Hatte Boteli in den ersten fünf Saisonspielen noch fünf Tore gemacht, so ist es in den zweiten sechs gerade noch eines. Doch wirklich nicht gut ist eigentlich nur das Spiel in Genf gegen Servette, wo Sion seine fast schon traditionelle Niederlage bezieht. Da gibts für Boteli von Blick die Note Drei, wie allerdings für die gesamte Mannschaft ausser Goalie Racioppi. Gegen Lausanne beim 1:0-Krampfsieg seines Teams bekommt er eine Vier.
Weniger gnädig ist die Lokalpresse mit dem Rastaman: Der «Nouvelliste» aus Sitten macht ihn flugs zum Flop des Spiels mit der Begründung, dass er zwar so viele Schüsse wie kein anderer abgegeben habe, die aber allesamt geblockt wurden. «Weil er sein Spiel verkompliziert, macht er den Eindruck, als ob er sich auf dem Feld verirrt», so die Zeitung.
Der Hype um Boteli war ja auch gewaltig
Doch Sportchef Barthélémy Constantin (31) ist ob des Lochs, in welchem sein Juwel steckt, kein bisschen beunruhigt. «Der Hype um Winsley war gewaltig. Erst recht im Wallis, war er doch der erste Spieler des FC Sion seit Gelson Fernandes im März 2013, der ein Nati-Aufgebot erhielt. Und er ist erst 20, das darf man nicht vergessen», sagt der Walliser Sportverantwortliche. «In der Karriere eines Spielers ist solch ein Loch in diesem Alter nichts Abnormales. Erst recht, wenn in kürzester Zeit tausend Dinge auf einen niederprasseln.» Man dürfe nie vergessen, so Constantin, dass Boteli noch nicht mal 19 war, als er ins Wallis kam. «Was er nun durchlebt, ist eine Passage auf dem Weg zum Mann, die ihn nur stärker machen wird», schliesst der Präsidentensohn.
Auch Blick-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz ist überzeugt, dass Boteli wieder in die Spur finden wird. «Wenn einer ein Preisschild mit der Aufschrift ‹dreissig Millionen› umgehängt erhält, dann beschäftigt das einen. Und damit nicht genug! Die Constantins haben mit der Ablehnung des Angebots aus der Türkei aufgezeigt, dass für sie der Preis sogar noch höher ist.»
Kubi: «Klub muss ihn nun schützen»
Kubi, zweitbester Torschütze der Nati-Geschichte, weiss nur zu gut, wie sich Boteli fühlt. Auch der Tessiner kannte solche Phasen in seiner Karriere. «Nach dem fulminanten Saisonstart mit einem Tor in praktisch jedem Spiel haben die Verteidiger ein besonderes Augenmerk auf ihn. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung ins Unermessliche, weil sich die Fans ausmalen, dass das so weitergeht mit dem Toreschiessen.» Was ja nicht passierte. Und doch gewann Sion vier der sechs Spiele mit nur einem Boteli-Tor. «Es gibt dir dann schon ein bisschen zu denken, wenn du siehst, dass das Team auch ohne deine Tore abliefert.»
Die nächsten Wochen würden für den Stürmer nun zu einem Charaktertest werden. «Es wird sich weisen, wie er mit dieser Situation umzugehen vermag. Ganz wichtig wird sein, was die Verantwortlichen machen.» Inwiefern? «Es gilt, den Jungen nun zu schützen. Zum Beispiel, indem man ihm nicht öffentlich weitere Preise umhängt.»
Was soll Boteli denn nun konkret tun? «Spielen, basta. Und nicht zu viel studieren. Dann trifft er wieder.» Fast vergessen: Fussball ist nicht wirklich eine komplizierte Sache.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 11 | 25 | 31 | |
2 | BSC Young Boys | 11 | 17 | 25 | |
3 | FC Sion | 11 | 7 | 22 | |
4 | FC Zürich | 11 | -3 | 17 | |
5 | Servette FC | 11 | 2 | 16 | |
6 | FC St. Gallen | 11 | -4 | 16 | |
7 | FC Basel | 11 | -3 | 14 | |
8 | FC Luzern | 11 | -6 | 12 | |
9 | FC Thun | 11 | -11 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 11 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 11 | -13 | 9 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 11 | -10 | 6 |
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