Q&A Heizen – «Macht es Sinn, die Heizung während den Ferien abzustellen?»

Dian Edathinakam
Technische Betriebsingenieurin
Viboo (Empa-Spin-Off für energieeffiziente Heizsysteme)
Christoph Schaer
Direktor von Suissetec (Schweizerisch-Liechtensteinerischer Gebäudetechnikverband)
Manuel Schmid
Engergieberater
Klimabüro der Stadt Zürich
Das Chat-Protokoll
Im Hochgebirge auf 1750 m über Meer soll in einem Einfamilien-Holzhaus (Baujahr 2012) die Ölheizung ersetzt werden. Eine Erdwärmesonde ist nicht möglich. Ist auf der Höhe Luftwärmepumpe sinnvoll/möglich? Mit welcher anderen Technologie sollte man ergänzen (Holzpelletkamin mit Wassertasche, Solar,…)? Was gibt es für (andere) Möglichkeiten?
Christoph Schaer: Es gibt auch für solche Objekte geeignete Systeme. Ich denke nebst Wärmepumpen z.B. an Vakuumröhrenkollektoren oder an Holzheizungen (z.B. Pellet). Welches System für Ihr Objekt am besten passt, besprechen Sie am besten mit einem Fachmann vor Ort. Alernativ können Sie sich auch selber einen ersten Überblick mit dem suissetec Heizungsrechner verschaffen und diesen danach mit einem Gebäudetechniker Ihrer Wahl detailliert ausarbeiten.
Angenommen, ich möchte ein neues Haus bauen – welches Heizsystem wäre dann am effizientesten? Spielt der Standort des Hauses eine Rolle (Stadtzentrum, ländliche Gegend, Berge)? Gibt es Einschränkungen je nach den beim Bau verwendeten Materialen?
Christoph Schaer: Bei 3 von 4 Neubauten wird heute eine Wärmepumpe eingebaut – quasi der Standard für Neubauten (und viele Sanierungsobjekte). Der Standort hat aber sicher einen Einfluss. In städtischen Gebieten kann es eine Herausforderung oder gar unmöglich sein, dort gibt es dafür andere Alternativen (z.B. Fernwärme etc.). Berggebiete sind sicher speziell anzuschauen, da die Bedingungen dort stark von den geologischen und meteorologischen Gegebenheiten des Standorts beeinflusst werden.
Wir wohnen in einem Minergie-A-ECO-Standard zertifizierten Wohnüberbauung der Stadt Zürich. Im Sommer wird es meistens über 28 Grad heiss und im Winter sinkt die Temperatur nie unter 25 Grad. Wir müssen deshalb auch nie heizen. Es wird empfohlen nicht zu lüften, aber dann ist es zu heiss. Was gibt es für Alternativen?
Dian Edathinakam: Bei Minergie sorgt die Lüftung für frische Luft, deshalb muss man die Fenster nicht öffnen. Man darf es aber. Wenn Sie ohnehin nicht heizen, verlieren Sie durch Lüften im Winter auch keine Heizenergie. Bei 25 Grad dürfen Sie also ruhig ab und zu die Fenster aufmachen. Im Sommer ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Tagsüber Fenster zu und die Storen schliessen, bevor die Sonne aufs Fenster scheint. Nachts und früh am Morgen dagegen möglichst viel und quer durch die Wohnung lüften, damit Wände und Böden auskühlen können. Es lohnt sich auch, bei der Verwaltung nachzufragen. Die Lüftungsanlage hat oft einen Sommerbetrieb, bei dem die Wärmerückgewinnung ausgeschaltet wird. Ist das nicht richtig eingestellt, wird die Frischluft im Sommer sogar noch aufgewärmt. Und dass es im Winter nie unter 25 Grad fällt, ist ungewöhnlich hoch. Vielleicht läuft die Bodenheizung trotzdem mit oder ist zu hoch eingestellt. Das sollte die Verwaltung prüfen lassen.
Ich wohne seit 12 Jahren in einer 2,5 Zi-Minergie-Wohnung 54m2, erbaut 2014 mit Bodenheizung. Ich frage mich ob es schlau ist im Schlafzimmer die Heizung aufs Minimum einzustellen, 18 Grad. Im Wohnbereich die Heizung aber höher einstellen muss, um die 24 Grad zu erreichen. Unter der Tür fliesst (wegen der Minergie-Luft-Zirkulation) kühle Luft in den Wohnbereich. Oder täusche ich mich da?
Dian Edathinakam: Bei einer Minergie-Lüftung wird frische Luft meist in die Zimmer geblasen und in Küche und Bad abgesaugt. Die Luft aus dem Schlafzimmer strömt also tatsächlich unter der Tür hindurch in den Wohnbereich. Die Luftmenge ist aber gering, und dank der Wärmerückgewinnung kommt die Frischluft schon vorgewärmt in die Wohnung. Das kühlt den Wohnbereich nur leicht. 18 Grad im Schlafzimmer ist deshalb absolut sinnvoll, das ist ideal zum Schlafen. In einer kleinen, gut gedämmten Wohnung heizen sich die Räume zudem gegenseitig. Ein Teil der Wärme aus dem Wohnbereich geht ohnehin durch die Wände ins Schlafzimmer. Mehr Sparpotenzial liegt eher bei den 24 Grad im Wohnbereich. Jedes Grad weniger spart etwa 6 Prozent Heizenergie. Wenn sich 22 Grad auch noch angenehm anfühlen, wäre das schon ein schöner Gewinn. Bei einer Bodenheizung lohnt es sich, in kleinen Schritten zu verstellen und jeweils ein, zwei Tage zu warten, weil sie sehr träge reagiert.
Wir haben ein EFH (Baujahr 2002) vor zweieinhalb Jahren übernommen. Das Haus hat eine Ölheizung, welche 2021 erneuert wurde. Wir verbrauchen durchschnittlich zirka 1200-1400 Liter Heizöl pro Winter (Bodenheizung im ganzen Haus). Wir möchten in Zukunft weg von Öl als Energieträger. Wann wäre ökologisch und wirtschaftlich ein guter Zeitpunkt um auf eine Alternative zu wechseln?
Christoph Schaer: Aus ökologischer Sicht ist der bestmögliche Zeitpunkt so rasch wie möglich, damit die Dekarbonisierung des Gebäudeparks hin zu Netto-Null bis 2050 gelingt. Die Frage nach dem wirtschaftlich günstigsten Zeitpunkt ist wie die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für einen Aktienkauf / Verkauf und bemisst sich daran, welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Sie zugrunde legen. Ich habe vor über 10 Jahren umgestellt (damals war die geopolische Situation entspannt und die Oelpreise deutlich tiefer). Ich habe den Umstieg auch wirtschaftlich nie bereut, denn mit Wärmepumpe und PV-Anlage habe ich die tiefsten Betriebskosten, die jemals hatte und bin unabhängig von (geo-)politischen und anderen Einflüssen auf die Preisentwicklung von fossilen Energieträgern.
Wir haben für das 3-Familien Haus eine Luft/Wasser Wärmepumpe in Kombination mit einer Photovoltaikanlage. Nun haben die Hersteller jeweils eine Wartung angeregt. Ich war der Meinung, dass eine Wartung höchstens ca. alle 3 Jahre nötig wäre. Was ist Ihre Erfahrung und Meinung zu Wartungszyklen.
Christoph Schaer: Eine regelmässige Wartung Ihrer Gebäudetechnik ist mit Sicherheit ein guter Rat, damit die Systeme zuverlässig und optimal laufen. Sprechen Sie mit Ihrem Fachmann, was die geeignete Serviceperiode für Ihre Bedürfnisse und Ihr System ist, so dass sie ein optimales Kosten/Nutzen Verhältnis haben.
Für die Dachstock Renovierung überlege ich mir eine Bodenheizung nachträglich einzubauen (einfräsen). Das Dach wurde letztes Jahr saniert; das Haus wird mit Radiatoren und einer Ölheizung beheizt. Ist es sinnvoll nur ein Stockwerk des Hauses auf eine Bodenheizung umzurüsten? Wie kann ich den Wärmebedarf für den Dachstock ermitteln? Gibt es dazu einen Rechner?
Christoph Schaer: Diese Konstellation höre ich zum ersten Mal. Ich könnte mir vorstellen, dass es einige Herausforderungen zu meistern gibt mit unterschiedlichen Wärmeabgabesystemen. Ein Gebäudetechniker kann Sie da aber fachmännisch beraten und die bestmögliche Lösung aufzeigen. Es gibt auch eine Vielzahl von Rechnern zur Ermittlung des Wärmebedarfs: https://wir-die-gebaeudetechniker.ch/heizungsrechner/ https://www.energieschweiz.ch/modernisieren/heizkostenrechner https://www.geak.ch/produkte/geak-plus/
Unsere Wohnung ist im EG. Wir wohnen in einem alten Haus, mit undichten Fenstern und wahrscheinlich auch schlecht isolierten Wänden. Die Vermietung empfiehlt uns, die Fensterläden zu schliessen, um die Wärme zu halten. Hilft das wirklich? Was gibt es für Strategien, um Wärme im Raum zu halten?
Manuel Schmid: Das schliessen der Läden hilft insbesondere über die Nacht. Wenn die Sonne scheint, sollten die Läden bei Fenster mit direkten Sonneneinstrahlung geöffnet sein. Türen schliessen, damit die Wärme in den Zimmern bleibt. Keine gekippten Fenster, aber mehrmals richtig Querlüften (Fenster für 3-5 Minuten komplett öffnen).
Im Büro wo ich arbeite wird noch mit alten Radiatoren geheizt. Die sind meistens auf Stufe 5 und sehr ineffizient betrieben. Gibt es da Lösungen?
Dian Edathinakam: Ja, da gibt es einiges. Stufe 5 bedeutet etwa 28 Grad. Viele drehen voll auf, weil sie denken, dass der Raum dann schneller warm wird. Das stimmt aber nicht, der Radiator heizt gleich schnell, er hört einfach erst bei einer viel höheren Temperatur auf. Stufe 3, also etwa 20 Grad, reicht im Büro völlig aus. Alte Radiatoren an sich sind gar nicht das Problem, sie funktionieren oft noch gut. Häufiger liegt es an alten Thermostatventilen, die klemmen oder ungenau sind, an Luft in den Radiatoren oder daran, dass die Heizung nicht richtig eingestellt ist. Hier kann ein Heizungsfachmann mit wenig Aufwand viel verbessern. Noch mehr bringt eine moderne Raumregelung, vor allem in Büros. Damit lassen sich die Temperaturen zentral einstellen, und die Heizung kann nachts und am Wochenende automatisch runterfahren. Intelligente Systeme lernen zusätzlich, wie sich die Räume verhalten, und heizen nur so viel wie nötig. Gerade in Büros lässt sich so viel Energie sparen, ohne dass jemand frieren muss.
Aus Platzgründen kommt in unserem REH nur eine Wärmepumpe im Keller in Frage. Sind dabei Beeinträchtigungen durch Betriebsgeräusche bzw. Vibrationen zu befürchten?
Manuel Schmid: Nein, der Lärm einer Wärmepumpe im Gebäude ist vergleichbar mit einem Kühlschrank. Geräusche werden vor allem durch die Ventilatoren welche die Luft Ansaugen und wieder Ausblasen verursacht, Im Raum selber ist dies aber praktisch nicht wahrzunehmen. In den notwendigen Kanälen können sie auch Schalldämpfer montieren, dann sind die Geräusche auch ausserhalb des Gebäudes fast nicht mehr wahrnehmbar.
Im 2025 musste ich meine Wärmepumpe nach 17 Jahren ersetzen. Habe mich bewusst für ein CH-Produkt entschieden. Etwas teuerer, doch ich hoffe es funktioniert jetzt länger. Zum Thema kühlen habe ich meinen Installateur diesen Sommer auch gefragt. Er meinte, das müsste man vorgängig genau abklären. Zudem sei das nicht sehr gut, da Kondenswasser im Boden (bei Bodenheizung) oder an Leitungen Schäden verursachen können. Ich habe das nicht so genau verstanden, dass es nicht möglich ist einfach auf kühlen umzustellen. Was können Sie mir dazu sagen?
Christoph Schaer: Kühlung mit Wärmepumpen ist eine immer mehr angewandte Weise der Raumkühlung und viele Wärmepumpen können das problemlos. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Aussage auf die Art und Weise der Leitungsverlegung adressiert. Eine sorgfältige Abklärung ist sicher ein guter Rat, damit dann alles wie gewünscht funktioniert und sie noch lange Freude an Ihrem Heiz- und Kühlsystem haben. Einen seriösen Gebäudetechniker in Ihrer Nähe finden Sie auf diesem Portal.
Der Abstand zum Haus unseres Nachbarn beträgt ca. 10 Meter. Er hat eine Wärmepumpe. Wir möchten unsere Gasheizung in absehbarer Zeit auch durch dieses Heizsystem ersetzen. Erhalten wir mit dieser geringen Distanz zum Nachbarn genügend Erdwärme.
Christoph Schaer: Sie sprechen von einer Erdwärmesonden Wärmepumpe. Dieser Punkt lässt sich meines Wissens z.B. mit unterschiedlicher Bohrtiefe entschärfen, oder auch mit einer sommerlichen Regeneration der Erwärmesonde (z.B. durch Kühlen des Gebäudes mit der Wärmepumpe oder durch aktive Regeneration mit thermischer Solarenergie (Kollektoren). Auf der anderen Seite gibt es heute sehr leistungsstarke und effiziente Luft-Wärmepumpen, die durchaus eine Lösung ein könnten für Sie. Für vertiefte Abklärungen empfehle ich Ihnen den suissetec Heizungsrechner, mit welchem Sie mit wenigen Angaben einen ersten Eindruck für den Systemwechsel erhalten und diesen mit einem Gebäudetechniker Ihrer Wahl vertiefen können.
Wir haben eine ca. 12jährige Ölheizung mit Fussbodenheizung in einem EFH im Kanton Aargau. Funktioniert tiptop. Gibt es bereits von gesetzteswegen ein Datum bis zu welchem Ölheizungen ersetzt werden müssen? Wann lohnt sich der Wechsel der funktionierneder Ölheizung auf eine Luftwasser Wärmepumpe?
Manuel Schmid: Solange Ihre bestehende Ölheizung einwandfrei läuft, können Sie diese theoretisch zeitlich unbegrenzt weiterbetreiben. Beim Ersatz sollte aber auf eine erneuerbare Lösung gesetzt werden, ausser sie erbringen den Nachweis, dass diese Lösung unwirtschaftlich ist. Unter Betrachtung der Nachhaltigkeit und Abhängigkeit lohnt sich der Wechsel auf eine Wärmepumpe sofort. Auf jedenfall macht es sinn, sich frühzeitig mit der Sanierung zu beschäftigen, damit sie wissen welche Lösung für ihre Liegenschaft Ideal ist.
Ich besitze eine sehr spezielle denkmalgeschützte Liegenschaft aus dem Jahr 1663 (1541) mit drei Wohnparteien und möchte von Gas wegkommen. Wo komme ich zu einer fachlich neutralen Enegieberatung 1. zur Bewertung eines kürzlich erhaltenen Fernwärme-Angebotes und 2. zu Vergleichen alternativer Möglichkeiten (Erdwärme, Windenergie, ...).
Christoph Schaer: Eine neutrale Erstberatung erhalten Sie bei der Impulsberatung von EnergieSchweiz: https://www.energieschweiz.ch/modernisieren/impulsberatung-erneuerbarheizen/ Für eine umfassende neutrale Beratung für die Transformation des Gebäudes können Sie einen GEAK plus erstellen lassen.
Ich habe zwei Fragen in Bezug auf ein altes Haus, das 1996 zuletzt renoviert wurde (Zweifachverglasung, spärliche Fassaden- & Dachdämmung), es wird mit einer Ölheizung (ebenfalls 1996) über Radiatoren geheizt und nicht ständig bewohnt. Erstens: Wenn sich nicht alle Verbesserungen aufs Mal machen lassen (Kostengründe), gibt es eine sinnvolle Reihenfolge (z.B. zuerst die Fenster, dann die Fassade, dann die Heizung, oder umgekehrt)? Und zweitens: Was für ein Wärmeerzeugungssystem würde Sinn machen, in Anbetracht des Umstands, dass das Haus nicht konstant beheizt werden muss und keine Bodenheizung verbaut werden kann? Ich überlege mir aktuell v.a. Pellets vs. Wärmepumpe.
Manuel Schmid: Als Heizsystem würde ich eine Wärmepumpenlösung empfehlen da diese fast Wartungsfrei sind. Zudem besteht die Option die Wärmepumpe über eine App zu steuern, was in Ihrem Fall ein Vorteil sein kann, da die Liegenschaft nicht immer bewohnt. Bezüglich Reihenfolge ist der perfekt Weg zuerst die Gebäudehülle, dann die Heizung. Da die Heizung nach der Gebäudehüllensanierung kleiner ausfallen wird. Jedoch macht dies nur Sinn, wenn die Heizung noch genügend lange betrieben werden kann. Um richtig zu priorisieren könnte ich mir vorstellen, dass in ihrem Fall das erstellen eines GEAK Berichtes spannend sein könnte. Mit diesem Bericht erhalten sie eine Übersicht zum Zustand der einzelnen Bauteile und wie gross die Wirkung der einzelnen Massnahmen sind.
Ich möchte seit ca. 3 Jahren eine Luftwasserwärmepumpe installieren lassen. Der Installateur wollte die Baubewilligung bei der Stadt Uster einholen. Diese wurde abgelehnt, da die Elektroinstallation im Quartier zu schwach sei. Also ist keine Wärmepumpe möglich. Neue Heizung mit GAS oder Öl sind nicht erlaubt. Nach Anfrage bei der Energie Uster wurde mir zugesagt, dass das Problem innerhalb eines Jahres behoben werde. Ich soll dafür sorgen, dass meine 21jährige Heizung durchhalte. Inzwischen sind 3 Jahre um und es ist immer noch nichts betreffend der Stromversorgung erledigt. Was kann ich da tun? Unterstützungsfonds laufen aus. Gas wird teurer. Heizung benötigt Reparaturen. Alles bleibt an mir hängen. Wie sollen auf diese Art die Umweltschutzziele erreicht werden?
Christoph Schaer: Das ist in der Tat eine ärgerliche Situation. Wenn sie den Hausanschluss verstärken müssen aufgrund einer höheren Bezugsleitung (das ist Ihr Fall), greift die allgemeine Anschlusspflicht zur Grundversorgung. Sie haben ein Recht darauf, dass der Netzbetreiber Ihnen die benötigte Leistung zur Verfügung stellt. Er darf die Zustimmung nur verweigern, wenn die Netzsicherheit akut gefährdet ist. In dieser Situation tragen Sie die Kosten für die Verstärkung des Hausanschlusses. Wenn Sie auch Strom einspeisen wollen (PV-Anlage), und die Kapazität nicht ausreicht, muss der Netzbetreiber sein Netz unverzüglich verstärken. Die Kosten für die erzeugungsbedingte Verstärkung des allgemeinen Verteilnetzes (z. B. Trafostationen oder Hauptleitungen) darf der Netzbetreiber in der Regel nicht auf Sie abwälzen. Das wäre rechtlich eine noch stärkere Position, um eine rasche Umsetzung zu erreichen.
In unserem MFH sind seit 16 Jahren WP für die WW Aufbereitung und die Bodenheizung installiert. Diese werden durch eine Zeitschaltuhr, Boiler- und Aussen Thermostaten gesteuert. Seit 10 Jahren liefert eine PV Anlage (29.7 kWp) auf dem Flachdach Strom (max. 25% direkt) für die WP. Wie können wir den Stromanteil aus der PV Anlage für die WP erhöhen?
Christoph Schaer: Hier gibt es heute intelligente Steuerungen (sogenannte HEMS: Heim Energie System Management). Dieses steuert die flexiblen Verbraucher so, dass sie möglichst optimal auf die Produktion abgestimmt sind. Ich selber habe den Solarmanager im Einsatz und habe ausschliesslich positive Erfahrungen gemacht. Es gibt jede Menge solcher Systeme auf dem Markt. Das PV-Magazin hat dazu kürzlich eine Übersicht erstellt, die Ihnen weiterhelfen kann bei der Auswahl.
Wassergeführte Deckenheizungen: Im Rahmen der Sanierung eines Holzhauses aus den 1940er Jahren planen das Haus von innen zu dämmen, die Ölheizung durch eine Erdsondenheizung und die Radiatoren durch Flächenheizungen zu ersetzen. Wichtig ist uns, dass mit der Heizung auch gekühlt werden kann, am liebsten würden wir die alten Böden erhalten und die Kosten im Rahmen halten. So sind wir auf wassergeführte Deckenheizungen gestossen. Die Technologie scheint uns zukunftstauglich und effektiv, leider finden wir keine unabhängigen Personen mit einschlägiger Erfahrung, die uns beim Entscheid für oder gegen Deckenheizungen und bei der Auswahl des Systems (bspw. Lehmtrockenbauplatten vs Fermacellplatten mit Metallplatten) beraten können. Sollte eine Deckenheizung in einem Holzhaus zwingend aus Lehmtrockenbauplatten bestehen, um die Feuchtigkeit insbesondere beim Kühlen wegzuschaffen oder funktioniert dies auch ausreichend mit Fermacellplatten? Gelingt eine effiziente Kälte- und Wärmeübertragung auch mit Fermacellplatten mit Metallplatten? Gibt es Nachteile, auf Grund derer generell von einer Deckenheizung abzuraten wäre oder von einem bestimmten System?
Christoph Schaer: Eine interessante und zugleich auch zukunftsgerichtete Frage. Ich freue mich, dass Sie sich so konkrete und detaillierte Gedanken zu dieser energetischen Sanierung machen. Wir sind selber in der gleichen Situation: Bei der Sanierung unserer eigenen Hotels planen wir ein solches wassergeführtes Deckensystem mit Lehm einzusetzen und haben auch selber wenig Referenzinformationen. Wir haben de Weg gewählt, beim Anbieter ein/zwei Referenzobjekte anzuschauen und mit den Personen, die in diesem Gebäude leben zu sprechen. Der Entscheid ist für das System gefallen und wir probieren das im Zuge der Sanierung nächstes Jahr aus.
Ich heize mit Gas mit einem Gasofen, der in die Jahre gekommen ist. Bin 86 Jahre alt und wohne allein in meinem Haus. Solarzellen habe ich vor 2 Jahren installieren lassen. Offerten für eine Wärme-Luft-Pumpe habe ich erstellen lassen. Dies ist jedoch eine finanziell zu grosse Investition für mich. Ein neuer Gasofen für Heizung und Warmwasser kostet mich ca. 10000,-- , der Betrag für Wärmepumpe wurde mir zu 30'000.-- bis 40'000.-- Franken veranschlagt. Mir ist klar, dass dies die nachhaltige, klimafreundliche Investition wäre, wenn da eben als Rentnerin die Kosten sehr hoch sind. Was tun? Aufstockung Hypothek ungünstig, da der Zins dafür aus meinen Renten schlecht tragbar ist. Bis anhin habe ich alle Investitionen ins Haus aus Eigenmitteln bezahlen können. Was tun?
Christoph Schaer: Das ist eine verständliche Situation. Es ist sehr erfreulich, dass Sie erst gerade ich erneuerbare Energie investiert haben, damit leisten Sie einen Beitrag zum Netto-Null Ziel. Die Entscheidung ist auch abhängig von den Vorschriften in Ihrem Kanton / Gemeinde. Wenn ein Ersatz der Gasheizung zulässig ist, wäre das in Ihrem Fall wohl eine vernünftige Lösung mit überschaubarer Investition. Sie könnten ja z.B. bei Ihrem Energieversorgen fragen, ob ein Umstieg auf Schweizer Biogas möglich ist und so auch im Kontext dieses Ersatzes dennoch einen weiteren Beitrag zum Netto-Null Ziel leisten.
Soll die Heizung nach 16 Jahren ersetzt werden, um einen Ausfall während der Winterzeit zu verhindern?
Manuel Schmid: Sofern die Heizung störungsfrei funktioniert, muss diese nicht ersetzt werden. Es lohnt sich aber sich frühzeitig mit dem Heizungsersatz zu beschäftigen, insbesondere wenn ein Systemwechsel in Frage kommt. Denn wenn die Heizung ausgefallen ist, fehlt in der Regel die Zeit um noch Abklärungen vorzunehmen.
In unserer Praxis wird im Winter die Heizung über Nacht oder an Tagen, wo niemand da ist, regelmässig auf 0-2 runtergedreht, da wir über ungeheizten Räumen sind, und eine Durchfahrt unter dem Haus durchgeht, wird es dann sehr kalt. Es dauert am nächsten Morgen ca. einen halben Tag bis wieder angenehme Raumtemperaturen herrschen. Macht das Sinn? Spart man so tatsächlich an Heizung, oder braucht man so mehr Heizung, als wenn man einfach durchlaufen lassen würde?
Dian Edathinakam: Grundsätzlich spart Runterdrehen Energie. Ein kühler Raum verliert weniger Wärme nach aussen, und das Aufheizen am Morgen braucht nicht mehr, als man in der Nacht gespart hat. In Ihrem Fall würde ich aber trotzdem nicht ganz so tief gehen. Wenn Boden und Wände stark auskühlen, dauert es lange, bis sie wieder warm sind, und solange fühlt sich der Raum unangenehm an, auch wenn die Luft schon warm ist. Bei sehr kalten Böden über einer Durchfahrt besteht zudem die Gefahr, dass sich Feuchtigkeit bildet. Falls Sie mit einer Wärmepumpe heizen, kommt noch dazu, dass sie beim schnellen Aufheizen weniger effizient arbeitet. Dann ist der Spareffekt kleiner. Ein guter Mittelweg wäre, nachts und am Wochenende auf etwa 16 Grad zurückzudrehen, also auf Stufe 2. Noch einfacher geht es mit einer Raumregelung. Damit lassen sich Zeiten festlegen, und die Heizung fährt am Morgen automatisch hoch, sodass es warm ist, wenn Sie kommen. Intelligente Systeme, wie wir sie bei viboo entwickeln, gehen noch einen Schritt weiter. Sie lernen, wie schnell sich Ihre Räume aufheizen, berücksichtigen die Wetterprognose und starten genau zum richtigen Zeitpunkt.
Unser Einfamilienhaus ist an eine Quartiersheizung angeschlossen, welche im Mix von Heizöl und Holzschnitzel heizt. Dieses Jahr sind die Kosten pro kWh um knapp 30 Prozent gestiegen. Immer wieder heisst es auf Nachfrage, dass man eine solche Heizung nicht ohne Ölkomponente nutzen könne. Ist das so? Meine zweite Frage betrifft die Fussbodenheizung in unserem Haus. Diese hat keine Thermostate in den einzelnen Räumen und anhand der Einstellventile am Vor-/Rücklauf stellt es sich äusserst schwierig heraus, eine pro Raum unterschiedliche Temperatur einzustellen. Lohnt sich der nachträgliche Einbau von (Funk-) Thermostaten im Sinne der Kostenreduktion und Nachhaltigkeit durch die individuell geregelten Raumtemperaturen?
Christoph Schaer: Die erste Frage bin ich mir sicher, dass Quartierheizungen ohne fossilie Energie funktionieren, denn ich kenne selber solche Lösungen (z.B. mit Abwärme oder Holzschnitzeln etc.). Möglicherweise ist in Ihrem Fall jedoch eine Umstellung nicht so einfach oder schnell zu bewerkstelligen. Das Beispiel zeigt aber deutlich, was die Abhängigkeit von importierter fossilier Energie in der Praxis bedeutet. Die Schweiz importiert jährlich für über 7 Mia. fossile Energie – Geld das mit erneuerbaren Systemen gut im Inland investiert wäre und Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze sichern würde. Bei der zweiten Frage würde ich unbedingt einen Gebäudetechniker beiziehen, denn die Frage fokussiert nicht primär auf Funk oder kabelgebunden, sondern auf den Effekt des Einbaus solcher Ventile auf das Gesamtsystem. Persönlich kann ich mir gut vorstellen, dass dies einen Nutzen bringt – muss aber fachmännisch geplant und umgesetzt sein.
Wir haben noch eine elektrischen Speicherheizung (Speicherradiatoren). Welche Optionen haben wir für einen Ersatz? Als Herausforderung erachte ich, dass wir keine Leitungen für für Heizwasser haben (Radiatoren, Bodenheizung), die wir z.B. für einen Umrüstung auf eine Wärmepumpe verwenden könnten.
Manuel Schmid: Die Optionen haben sie bereits erwähnt. In der Regel muss ein Wassergeführtes System mit Heizkörpern oder Bodenheizung in Kombination mit einer Wärmepumpe installiert werden. Heizkörper sind in der Regel die Kostengünstigere Variante, Bodenheizung die elegantere sofern Raumhöhe vorhanden ist. Je nach Kanton gibt es für die Erstinstallation für ein Wassergeführtes System Fördergelder. Eine Übersicht der Fördergelder finden sie hier.
Wie kann ich eine Sibir Öl-Heizung, Einbaumodell, ersetzen und die gleichen Luftverteilungkanäle brauchen. Ich will keine Radiatoren und keine Bodenheizung . Ich brauche nur ca. 500l Öl/Jahr. Heizung muss nicht gross sein. Ich wollte schon zweimal eine Offerte, anscheinend ist das nicht so einfach. Es ist ein 70-jähriges Reieneinfamilienhaus.
Christoph Schaer: Diese Frage kann ich technisch nicht beantworten, da es viele Detailfragen zu klären gibt. Ich empfehle Ihnen dringend einen Fachmann beizuziehen, der die Möglichkeiten mit Ihnen anschaut und bespricht. Es gilt auch zu beachten dass sich die Vorschriften und Normen fortlaufend weiterentwickeln und auch dies Einfluss auf die Ausgestaltung eines neuen Energiesystems hat. Damit Sie an eine konkrete Offerte kommen, empfehle ich Ihnen unseren Heizungsrechner zu nutzen. Mit wenigen Eingaben können Sie so einen ersten Eindruck erhalten und danach mit einem Gebäudetechniker Ihrer Wahl die Details klären.
Wir haben ein Ferienhaus in Boltigen, dieses wird einzig mit einem Schwedenofen beheizt, im Badezimmer mit Infrarot-Heizung. Was muss ich wie anpassen im Hinblick auf die kommenden neuen Heiz- und Energievorschriften (2032?)?
Manuel Schmid: Bis spätestens 31. Dezember 2031 müssen im Kanton Bern alle bestehenden ortsfesten Elektroheizungen (sowohl zentrale Elektrospeicherheizungen als auch dezentrale Infrarot- oder Elektroöfen) durch erneuerbare Heizsysteme ersetzt werden. Da es in Ihrem Haus nur einen Infrarot Heizkörper im Bad betrifft und dieser allenfalls nur zur kurzzeitigen Aufheizung während der Nutzung des Bades genutzt wird, bin ich mir nicht sicher wie dies ausgelegt wird. Ich empfehle Ihnen diesbezüglich mit der Gemeinde Kontakt aufzunehmen um dies zu klären.
Wir haben in unserem Einfamilienhaus eine über 20 jährige Wärmepumpe und somit haben wir keine Garantie mehr für Ersatzteile. Wir überlegen uns diese im 2028 zu ersetzen, damit sie noch steuerabzugsfähig ist. Was sollten wir beachten?
Christoph Schaer: Es ist in der Tat so, dass Sie durch den Unterhaltsabzug noch steuerliche Vorteile haben bis Ende 2028. In den letzten 20 Jahren hat sich auch die Wärmepumpentechnologie extrem weiterentwickelt und es gibt heute praktisch für jede Situation eine geeignete Lösung. Beim Ersatz lassen Sie sich am Besten von einem Fachmann beraten, damit sie für Ihr Objekt richtig ausgelegt ist und wieder viele Jahre Freude macht.
Wir haben noch die klassischen Ölöfen aus den 1970er-Jahren, Sibir und suchen noch dringend Ersatz, falls einer mal aussteigt. Unser Haus ist von 1911 hat neue Fenster und Kamin (Steinhaus) Wir haben nicht die nötigen Mittel, das 3-stöckige Haus zu sanieren. Falls doch, was wäre eine sinnvolle Lösung?
Manuel Schmid: Bei einer Sanierung wäre wahrscheinlich das einfachste und kostengünstigste, die Ölöfen durch Heizkörper zu ersetzten in Kombination mit einer Luft/Wasser oder Erdsonden Wärmepumpe. Dies hätte aber natürlich zur Folge, dass auch ein Verteilsystem installiert werden müsste.
Wir bewohnen ein Doppeleinfamilienhaus. Aktuell heizen wir mit einer Ölheizung und verbrauchen pro Jahr rund 600/700 Lt. Heizöl. Wir planen, die Heizung im 2027 zu ersetzen. Wir haben eine Offerte für einen Heizungsersatz mit einer Ölheizung und einer innenaufgestellten Wärmepumpe. Aussen können wir aufgrund der Abstände etc. keine Wärmepumpe aufstellen. Wir sind sehr «schockiert», dass die Wärmepumpe das doppelte kostet als eine neue Ölheizung. Und wir sind nun wirklich unschlüssig, ob wir wieder eine Ölheizung einbauen sollen, zumal wir ja einen sehr tiefen Ölverbrauch haben. Auch das Fördergeld vom Kanton ist für uns nicht Anreiz genug, dass wir ein klares Ja zur Wärmepumpe sagen können. Wir sind da wirklich in einem grossen Dilemma.
Manuel Schmid: Die Antwort kann ich Ihnen leider nicht abnehmen. Ihr Ölverbrauch ist wirklich sehr gering. Entsprechend sind die Energie Einsparungen pro Jahr auch geringer. Mit einer Wärmepumpe werden sie 2'000-2'500 Kwh Strom pro Jahr benötigen und wohl die Energiekosten in etwa halbieren. Die Amortisation wird entsprechend lange sein. Allenfalls können sie von einem zweit Anbieter auch noch ein Angebot einholen um den Preis zu überprüfen.
In Anbetracht von Klimawandel und Hitzesommer: was ist die geeignetste Heizform, wenn man sowohl heizen als auch kühlen möchte? Vorausgesetzt, die Geologie lässt alle Möglichkeiten zu und mit Hinblick auf Effizienz, Energieverbrauch (inkl. graue Energie) und Unterhalt?
Christoph Schaer: Die Zahlen zeigen, dass heute die Wärmepumpe das meist eingesetzte Heizungssystem ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus 1kWh Strom 4kWh Wärme erzeugt und hat dadurch eine hohe Effizienz. Ein weiterer Vorteil ist sicher auch, dass moderne Wärmepumpen im Sommer auch kühlen können. Dennoch lässt sich die Frage nicht absolut beantworten, da es immer auf das konkrete Objekt und die Umstände ankommt.
Ab wann sollte man die Heizung einschalten? Wann ist es für die Liegenschaft schädlich? Z.bsp wenn man im Urlaub ist und es plötzlich kalt wird.
Dian Edathinakam: Sobald es draussen im Tagesdurchschnitt unter etwa 12 bis 15 Grad fällt, ist die Heizung nötig, zum Beispiel ab nächster Woche. Die meisten modernen Heizungen merken das übrigens selbst und schalten automatisch ein. Schädlich wird es für das Haus, wenn die Räume längere Zeit unter etwa 15 Grad abkühlen. Dann kann sich an kalten Wänden Feuchtigkeit bilden, und es droht Schimmel. Wirklich gefährlich wird es erst, wenn es so kalt wird, dass Wasserleitungen einfrieren. Das passiert aber nur, wenn die Heizung bei Minustemperaturen über längere Zeit ganz ausgeschaltet ist. Für die Ferien würde ich die Heizung deshalb nie ganz abstellen, sondern auf etwa 15 bis 16 Grad zurückdrehen. Bei den meisten Heizkörpern ist das die Stufe 2, das entspricht etwa 16 Grad. Bei der Frostschutz-Einstellung (Schneeflocke oder Stern) öffnet das Ventil erst, wenn es im Raum unter etwa 6 bis 8 Grad fällt. So frieren die Leitungen zwar nicht ein, aber für längere Abwesenheiten im Winter ist das wegen der Schimmelgefahr zu tief.
Ich muss im nächsten Jahr bei einer Liegenschaft die Stückholzheizung ersetzen. Die Liegenschaft, ein altes ex-Bauernhaus, liegt auf knappe 1100 Meter über Meer und hat 2 Wohnungen. Stückholz kommt nicht mehr in Frage. Ich bin unsicher, was sich hier besser eignet. Eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung (Platz für die Lagerung der Pellets ist vorhanden).
Manuel Schmid: Eine Pauschale Antwort ist schwierig. Eine Pelletheizung kann in diesem Fall eine gute Lösung sein, wird aber natürlich Wartungsintensiver sein als eine Wärmepumpe. Ob eine Luft/Wasser- oder eine Sole Wärmepumpe geeignet ist müsste vor Ort geprüft werden, es ist möglich, dass die Holzheizung mit hohen Systemtemperaturen funktioniert, was die Wärmepumpen ineffizienter macht als bei tiefen Temperaturen. Ich würde hier die Machbarkeit und Kosten durch eine Fachperson vor Ort prüfen lassen, damit eine gute Entscheidungsgrundlage vorhanden ist.
Macht es Sinn, die Heizung abzustellen oder merklich die Temperatur zu senken, wenn man in den Ferien geht.
Manuel Schmid: Ja, wenn es länger als ein Wochenende ist, jedoch würde ich die Heizung nicht komplett ausschalten, sondern z.B. auf 12 Grad reduzieren. Das Trinkwarmwasser können sie komplett abschalten. Im Idealfall können sie von den Ferien per App die Heizung wieder einschalten oder ihre Nachbar*in anstellen, damit sie nicht in eine kalte Wohnung retour müssen. Wichtig, nach den Ferien die Wasserleitungen gut spühlen.
Wir wohnen in einem 4jährigen Neubau (energieautarkes System) mit Wärmepumpe und können die Heizung überhaupt nicht beeinflussen. Die Temperatur ist immer zu hoch. 24 – 26 Grad. Im Schlafzimmer 23 – 24 Grad. Bei der Heizkostenabrechnung resultiert immer eine Nachzahlung von mehreren hundert Franken. Was können wir tun? Die Fenster sind so oft wie möglich offen.
Dian Edathinakam: 24 bis 26 Grad ist definitiv zu warm. Empfohlen sind etwa 20 bis 21 Grad im Wohnbereich und 17 bis 18 Grad im Schlafzimmer. Dass Sie die Fenster oft offen haben, ist verständlich, macht das Problem aber leider grösser. Die Heizung läuft weiter, und die Wärme geht direkt nach draussen. Das dürfte auch ein Grund für die hohen Nachzahlungen sein. Meistens liegt es daran, dass die Heizung falsch eingestellt ist. Bei Wärmepumpen gibt es eine sogenannte Heizkurve, die festlegt, wie warm das Heizwasser je nach Aussentemperatur sein soll. Ist sie zu hoch eingestellt, wird es überall zu warm. Das kann ein Fachmann mit wenig Aufwand anpassen. Oft gibt es auch Raumthermostate oder Ventile im Verteilerkasten der Bodenheizung, die man regulieren kann. Ich würde mich an die Verwaltung oder den Vermieter wenden und verlangen, dass die Heizung richtig eingestellt wird. Hilfreich ist, wenn Sie vorher ein paar Tage lang die Temperaturen mit einem einfachen Thermometer notieren. Falls sich nichts tut, kann Ihnen bestimmt der Mieterverband weiterhelfen, auch bei der Frage, ob die Nachzahlungen gerechtfertigt sind.
Macht es Sinn, dezentrale elektrische Radiatoren durch eine Wärmepumpe und eine Heisswasser-Verteilung zu ersetzen, wenn man den Strom mit eigener PV-Anlage erzeugt? Wenn nicht, was empfehlen Sie denn als Boiler/Warmwasser-Erzeuger?
Christoph Schaer: Der Vorteil einer Wärmepumpe ist, dass sie aus 1kWh Strom 3-4 kWh Wärme erzeugt. So gesehen macht es rein betriebsökonomisch Sinn – auch weil der Strombezug im Winter natürlich besonders gross ist. Für die Warmwassererzeugung gibt es auch Wärmepumpen Boiler als eigenständige Systeme. Die Frage nach dem Sinn ist aber auch abhängig, was dieses Vorhaben finanziell bedeuten würde. Daher empfehle ich Ihnen das mal durchrechnen zu lassen von einem Experten. Mögliche Anlaufstellen: https://wir-die-gebaeudetechniker.ch/heizungsrechner/ https://www.energieschweiz.ch/modernisieren/impulsberatung-erneuerbarheizen/
In unserer WG wird immer wieder diskutiert, auf welche Art wir unsere Gästezimmer am energiesparsamsten beheizen können. Diese befinden sich im Obergeschoss, während die Wohnzimmer unten sind. Die Stockwerke sind durch eine offene Treppe verbunden. Vor den Zimmern gibts einen kleinen Vorplatz/Gang. a) Die Türen schliessen, die Thermostaten auf die 15° zurückdrehen und eine Stunde bevor angemeldete Gäste eintreffen, hochstellen. b) Die Türen schliessen und die Thermostaten auf die 18° einstellen. c) Die Türen offenlassen und die Thermostaten, wie in den Wohnzimmern, auf 20° halten.
Dian Edathinakam: Am sparsamsten ist Variante a). Je kühler ein Raum ist, desto weniger Wärme geht nach draussen verloren. Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger spart etwa 6 Prozent Heizenergie. Ein Zimmer, das meistens leer steht, muss also nicht warm sein. Zwei Dinge würde ich aber beachten. Erstens nicht viel tiefer als 15 Grad gehen, sonst kann sich an kalten Wänden Feuchtigkeit bilden, und es besteht Schimmelgefahr. Ab und zu kurz lüften schadet auch nicht. Zweitens reicht eine Stunde zum Aufheizen oft nicht, vor allem bei einer Bodenheizung oder einer Wärmepumpe. Da lieber schon am Vortag oder am Morgen hochdrehen, dann ist es angenehm, wenn die Gäste kommen. Variante c) ist klar die schlechteste. Warme Luft steigt nach oben, und über die offene Treppe heizt man dann das ganze Obergeschoss mit, obwohl dort niemand ist. Die Türen zu schliessen, lohnt sich also auf jeden Fall.
Wärmepumpen laufen am effektivsten bei einem Vorlauf von 35 Grad Celsius. Ältere Häuser mit Radiatoren haben mit 35 Grad Celsius nur noch ⅓-¼ von der ursprünglichen Leistung. Damit man diesen Häusern trotzdem eine Wärmepumpe verkaufen kann, wird einfach die Vorlauftemperatur auf 45-50 Grad hinaufgesetzt, was einen höheren Stromverbrauch als Folge hat und dadurch unnötig viel Strom verbraucht wird und somit eine hohe Stromrechnung ins Haus kommt. Warum gibt es keine Vorschriften, das Wärmepumpe nicht über 35-40 Grad Vorlaufen eingestellt werden dürfen. Logisch braucht es noch eine zusätzliche Investition in einen Umluftradiator, worin ein Vorlauf von 35 Grad Celsius genügt und Wärme in den Wohnraum bringt. Ich persönlich empfinde, dass es grundsätzlich nur darum geht eine Wärmepumpe zu verkaufen und die wirkliche Nachhaltigkeit nicht wirklich umgesetzt wird. Was heisst, wir müssen gesamthaft mehr Energie im Winter produzieren, was unser Netz noch mehr beansprucht und wenn PV-Anlagen sehr wenig Strom liefern. Für mich wird hier nicht im Sinne der Effizienz das Nachhaltige an der Wärmepumpe umgesetzt. Wie sehen Sie das?
Christoph Schaer: Heutige Wärmepumpen sind sehr leistungsfähig und können durchaus auch effizient mit höheren Vorlauftemperaturen laufen. Insbesondere die natürlichen Kältemittel, mit welchen die neuen Wärmepumpen betrieben werden, sind diesbezüglich besonders leistungsfähig. In Kombination mit einer PV Anlage ergibt sich ein sehr effizientes und im Betrieb finanziell vorteilhaftes System – das kann ich auch meiner eigenen Erfahrung bestätigen. In Kombination mit Batterien oder ev. sogar Fassaden PV ist auch der Ertrag im Winter beachtlich. Die Netzbelastung ist dann kein Problem, da der Eigenverbrauch sehr hoch ist. Für die Netzbelastung zu Mittagszeiten im Sommer helfen intelligente Steuerungen, welche die Last wo immer möglich auf die Produktion legen, oder auch Energiegemeinschaften in der Nachbarschaft (z.B. ZEV oder LEG).
Unser isoliertes Holz-Haus wird nur mit einem Kachelofen mit Satelit geheizt. Wasser elektrisch, PV-Anlage mit Akku vorhanden. Macht es Sinn auf Radiatoren oder Fussbodenheizung per Wärmepumpe/Erdsonde umzustellen?
Christoph Schaer: Die Frage ist vielschichtig und kann deshalb nicht absolut beantwortet werden. Hier würde zum Beispiel eine (kostenlose) Impulsberatung Klarheit schaffen oder eine Simulation mit dem unabhängigen suissetec Heizungsrechner.
Mit der neuen Wärmepumpe haben wir im EFH zwei Heizkreisläufe. Einen für den neuen Anbau (Fussbodenheizung); einen für den wandgedämmten und dreifach gläsern isolierten Altbau (Radiatoren). Der Installateur sagte uns, dass im Anbau die Fussbodenheizung ab Herbst immer konstant an-/eingestellt sein sollte, da sich der Fussboden langsam erwärmt/abkühlt. Das machen wir aktuell (Einstellung: ECO). Im Altbau heizen wir in der Übergangszeit jedoch anders. Wenn es draussen am kältesten ist, heizen wir am Morgen bis zirka Mittag und stellen dann per Zeitschaltuhr nach zirka 6 Std. ab (Einstellung: NORMAL). Ist das Verhalten richtig oder zu optimieren bzw. soll alles konstant durchlaufen und die programmierte Heizkurve regelt das besser von selbst?
Manuel Schmid: Wenn im Altbau Thermostaten installiert sind und die Raumtemperatur genügend ist, so schliessen diese. Entsprechend wird die Wärmepumpe wieder ausschalten, da die Wärme nicht abgegeben werden kann. Daher benötigt es aus meiner Sicht kein Eingreifen mit einer Zeitschaltuhr. Falls keine Thermostatenventile Installiert sind, empfehle ich diese nachzurüsten.
Fenster sind wärmedurchlässsig. Wie verändert sich das, wenn Vorhänge gezogen, Läden geschlossen werden?
Dian Edathinakam: Ja, Fenster sind im Vergleich zu einer gut gedämmten Wand eine Schwachstelle. Wenn man abends die Läden oder Rollläden schliesst, entsteht dazwischen ein Luftpolster, das zusätzlich isoliert. Gerade bei älteren Fenstern macht das einen spürbaren Unterschied, man kann den Wärmeverlust in der Nacht gut um einen Viertel reduzieren. Bei neuen Fenstern mit Dreifachverglasung ist der Effekt kleiner, aber es lohnt sich trotzdem. Vorhänge helfen auch, allerdings weniger. Am besten sind dicke Vorhänge, die nah am Fenster hängen. Man sollte einfach aufpassen, dass sie nicht über dem Heizkörper hängen, sonst bleibt die warme Luft dahinter gefangen. Tagsüber würde ich im Winter alles offen lassen, damit die Sonne mitheizen kann. Im Sommer genau umgekehrt: Läden zu, dann bleibt die Hitze draussen.
Unser Minergie Mehrfamilienhaus wird seit Mitte letzten Jahres von zwei Wärmepumpen beheizt. Bei sechs von sieben Wohnungen funktioniert die Heizung problemlos. Eine der beiden untersten Wohnungen hat allerdings Mühe, die Räume zu beheizen. Dies obwohl die Thermostate auf das Maximum eingestellt sind. An was kann das liegen? Es sind Bodenheizungen verbaut. Es geht jeweils ein paar Tage bis es warm wird, das ist klar. Und trotzdem kommt zu wenig Wärme in diese Wohnung.
Christoph Schaer: Die Tatsache, dass sechs von sieben Wohnungen problemlos funktionieren, deutet für mich darauf hin, dass die Wärmeerzeuger grundsätzlich in Ordnung sind. Hier ist die Ursache vermutlich im Heizkreis der betroffenen Wohnung zu suchen und kann verschiedene Ursachen haben: technischer Defekt an einem Ventil oder sonstigen Teil, Luft im Heizkreislauf, hydraulicher Abgleich etc. Ich empfehle dringend dies mit einem Gebäudetechniker anzuschauen. Wenn Sie keinen Hausinstallateuer haben finden Sie hier einen Fachmann in Ihrer Nähe.
Welche Möglichkeiten gibt es, die überschüssige Solarenergie (Photovoltaik, Solarthermie) des Sommers in den Winter zu retten? Wie beurteilen Sie die technische und ökonomische Reife dieser Technologien?
Christoph Schaer: Die saisonale Speicherung von Strom aus PV-Anlagen ist noch nicht im gewünschten Umfang möglich. Die Entwicklung ist aber rasant und ich erwarte in den nächsten Jahren auch in diesem Bereich Lösungen. Bei der Wärme gibt es bereits Lösungen, die eine saisonale Verschiebung ermöglichen (z.B. Eisspeicher etc.).
In der Übergangsperiode (kalt am morgen und warm am Nachmittag wie im Herbst und Frühling), wie wird das Haus am effiziensten beheizt?
Manuel Schmid: Ich würde hier den Fokus auf die Heizgrenze legen. Ist diese auf eine zu warme Temperatur eingestellt, schaltet die Heizung unnötig oft ein. Um die Heizgrenze herauszufinden können sie allenfalls die Raumtemperatur überprüfen, wenn die Heizung einschaltet. Ist diese beim Einschaltpunkt noch genügend, können sie die Heizgrenze reduzieren.
Meine ältere Heizung rauscht obwohl entlüftet immer ziemlich nervig. Kann man etwas dagegen machen? Insbesondere gegen die Strömungsgeräusche.
Manuel Schmid: Es ist möglich, dass die Umwälzpumpe zu hoch eingestellt ist und zu viel Wasser umwälzt oder dass ein Thermostatenventil defekt ist. Ich würde dies durch einen Heizungsinstallateur prüfen lassen.
Vor 3 Jahren haben wir von Gas-auf Erdsondeheizung umgestellt in 4 Stockwerkeigentümerschaft. Die Wärmezähler und die Wasserzähler in den Wohnungen sind aber immer noch 33 Jahre alt und Kamprat Flügelradmesser sind diese überhaupt noch kompatibel mit der neuen Erdsondenheizung? Und irgendwie finde ich, unsere Erdsonden-Heizung ist nicht effizient. Kann das an den alten Zählern liegen?
Christoph Schaer: Die Frage ist schwierig aus Distanz zu beantworten. Solange die Zähler kompatibel sind mit dem neuen System, sollte das funktionieren. Eine Heizung muss immer optimal eingestellt sein, um die bestmögliche Leistung / Effizienz rauszuholen. Hier empfehle ich wirklich einen Fachmann für eine Betriebsoptimierung beizuziehen. Dass kann Ihnen nicht nur mehr Effizienz sondern auch finanzielle Einsparungen bringen. Ausgewiesene Fachleute in Ihrer Umgebung finden Sie hier.
Wenn man sich bei einem Neubau in Zürich entscheiden muss, Erdwärmeverbund (EWZ) oder Erdwärmesonde? Zu was würden Sie raten? Und was ist langfristig kostengünstiger?
Manuel Schmid: Pauschal kann die Frage nicht beantwortet werden. Die Investition in ein Erdsonden Wärmepumpe ist normalerweise höher als die Investition in die Fernwärme. Über die Lebensdauer der Heizungsanlage kann es aber sein, dass die Wärmepumpenlösung preiswerter ist. Es ist stark abhängig davon wie gross die Anlage ist und wie einfach die Erdsondenlösung, respektive die Fernwärme realisiert werden kann. Ich empfehle Ihnen bei der Fernwärme und bei einem Heizungsinstallateur ein Angebot einzuholen, damit sie Fakten haben. Bei Fragen zu den Lösungen kann die Energieberatung der Stadt Zürich allenfalls unterstützen.
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