Nach Malaria-Todesfällen: Das mulmige Gefühl von Schwanheim
Nach den Malaria-Fällen bei Mitarbeitern des Frankfurter Flughafens sind nun zwei neue Fälle in Schwanheim bekannt geworden. So gehen die Menschen im Umfeld des Flughafens mit der Krankheit um.
23.09.2026 | 2:44 minIn Frankfurt-Schwanheim sind viele Menschen besorgt. Dass sich nach den zwei Todesfällen am Frankfurter Flughafen auch Menschen in ihrem Stadtteil infizieren könnten, hätten sie nie geglaubt. Schwanheim ist fünf Kilometer vom Flughafen entfernt.
"Ich versuche die Panik nicht allzu hochzutreiben", sagt Alexander Lange, der schon lange in Schwanheim wohnt. "Aber man macht sich natürlich schon Gedanken: Wie kann das passieren und warum?" Eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen wollte, sorgt sich:
Auch wenn sie sagen, es gebe keinen Grund zur Sorge, machen wir uns natürlich Sorgen, denn es ist hier etwas ganz Neues.
Anwohnerin Schwanheim
Insgesamt wurden seit Juli acht Malaria-Infizierte in Frankfurt am Main registriert. Alle haben sich hier angesteckt. Im Juli und August infizierten sich sechs Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport, nachdem eine Malaria-Mücke mit dem Gepäck mutmaßlich aus Afrika in Frankfurt gelandet war. Zwei der Mitarbeiter starben.
Vergangene Woche dann kam die Meldung über zwei weitere Infizierte, diesmal im Stadtteil Schwanheim. Eine der beiden betroffenen Personen ist mittlerweile gestorben.
Malaria-Fälle in Deutschland: Professor Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin klärt über Infektionsrisiken auf.
18.09.2026 | 5:22 minFrankfurter Anwohnerin: "Werden jetzt wohl öfter zum Arzt gehen"
Das ungute Gefühl bei vielen in Schwanheim ist da - und könnte dazu führen, dass es bei Hausarztpraxen in Schwanheim derzeit etwas voller wird. "Es sind sehr grippeähnliche Symptome, deswegen werden wir jetzt wohl öfter zum Arzt gehen", sagt Anna Maria von Nessler.
Petra Dekers wiederum macht sich keine großen Sorgen, wie sie sagt. "Weil es ja eine klare Anweisung gibt. Bei Symptomen sofort zum Arzt gehen. Und es ist heilbar, wenn man zeitnah geht."
Die Impfstoffallianz "Gavi" meldet weniger schwere Malariafälle in Afrika. Es fehle jedoch durch die Kürzungen der Entwicklungshilfe an Geld, um die Erfolge zu sichern, warnt die WHO.
24.04.2026 | 0:27 minZwar ist die Wahrscheinlichkeit, sich in Frankfurt mit Malaria zu infizieren, sehr gering. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin weist aber im ZDF-Interview darauf hin, dass man es mit dem gefährlichsten Malaria-Erreger zu tun habe: der Malaria tropica.
Entscheidend ist, dass eine Malaria tropica ganz früh diagnostiziert wird.
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe
"Wenn man nicht gleich daran denkt und Wochen vergehen oder auch nur Tage, dann kann diese Infektion sehr schwerwiegend oder auch tödlich verlaufen." Das sei genau das, was man leider in Frankfurt und in Schwanheim jetzt gesehen habe, so der Virologe.
Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt, welche Infektionsrisiken auf Reisen lauern und wie Reisende damit umgehen können.
02.09.2026 | 6:25 minMalaria-Infektion sehr selten - "nur von infizierten Mücken"
Malaria ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die von Parasiten verursacht und durch Mücken übertragen wird. Reisende aus Deutschland infizieren sich meist in afrikanischen Ländern. Weltweit am stärksten betroffen sind Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und Uganda. Eine Infektion in Deutschland ist äußerst selten. Bei früher Behandlung sind die Heilungschancen gut.
Das Gesundheitsamt Frankfurt hat seit Dienstag vergangener Woche eine Hotline eingerichtet. Am Anfang habe es viele besorgte Anrufer gegeben, sagt Peter Tinnemann, der Leiter des Gesundheitsamtes. Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt. "Die Malaria wird nur von infizierten Mücken übertragen. Nicht von Mensch zu Mensch. Und wir bräuchten schon sehr viele infizierte Mücken, damit sich weitere Menschen infizieren."
Malaria wird durch parasitäre Einzeller verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich weit überwiegend in tropischen und subtropischen Ländern. Die schwerste Form, Malaria tropica, kann bei fehlender oder zu spät erfolgter Behandlung tödlich verlaufen. Malaria tropica ist laut Bernhard-Nocht-Institut für über 95 Prozent der Todesfälle durch Malaria weltweit verantwortlich.
Todesfälle hierzulande kommen nach RKI-Angaben immer wieder vor, weil nicht an diese Diagnose gedacht werde. Malaria beginne mit uncharakteristischen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeinem Krankheitsgefühl. "Häufig werden solche Anzeichen daher als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert."
60-jährige Frau noch im Krankenhaus
Die zweite in Schwanheim infizierte Person, eine 60-jährige Frau, wird nach Angaben ihrer Hausärztin noch im Krankenhaus behandelt. Ihre Ärztin Parvin Mosavi hatte bereits von den Malaria-Fällen in Frankfurt gehört und war deswegen bei dieser Patientin sensibilisiert.
Ihr ging es gar nicht gut. Sie hat sehr stark geschwitzt und hatte 39 Grad Fieber.
Dr. Parvin Mosavi, Hausärztin
Die Ärztin nahm ihr Blut ab und schickte es ans Labor zur gezielten Untersuchung auf Malaria. Die Diagnose wurde bestätigt und die 60-Jährige sofort ins Frankfurter Uniklinikum gebracht. Dort wurde sie laut Mosavi bis zuletzt behandelt.
Von einer weiteren Gefahr für die Bevölkerung gehen die Behörden nicht aus. Ein mulmiges Gefühl bleibt bei den Bewohnern in Schwanheim trotzdem.
Susana Santina ist Redakteurin und Reporterin im ZDF-Landesstudio Hessen.
Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 23.09.2026 ab 12 Uhr.
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