Mehr als 70 Prozent Nein – Cervelat bremst Ernährungsinitiative aus

Mit Cervelat, Spiegelei und Fondue gegen die Ernährungsinitiative: Die breite Gegnerschaft hat die Vorlage mit Schweizer Nationalspeisen gebodigt. Der polemische Begriff «Vegan-Zwang» wäre wohl gar nicht nötig gewesen. Herr und Frau Schweizer lassen sich nur ungern vorschreiben, was auf den Teller kommt. So haben über 70 Prozent Nein gesagt zur Ernährungsinitiative.
Mehr Schaden als Nutzen?
Die Einzelkämpferin Franziska Herren hat es verpasst, die Grünen und Umweltorganisationen ins Boot zu holen. Damit könnte sie ihrem Anliegen mehr geschadet als genutzt haben. Denn: Wegen der fehlenden Unterstützung fand kaum eine Debatte in der Öffentlichkeit über eine nachhaltige Landwirtschaft statt. Auf jeden Fall ist es eine verpasste Chance.
Totschlag-Argument Vegan-Zwang
Dabei hätte eine Diskussion über die Anliegen der Initiative durchaus eine Berechtigung. Viele wünschen sich einen höheren Selbstversorgungsgrad, eine umweltfreundlichere Landwirtschaft und sauberes Wasser.
Ein Trost für Initiantin Franziska Herren: Kleine Schritte in die von der Initiative geforderten Richtung sind bereits aufgegleist. Der Bund hat sich zum Ziel gesetzt, den Netto-Selbstversorgungsgrad wieder zu erhöhen. Dieser ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken und betrug in den Jahren 2022 bis 2024 im Schnitt netto 45 Prozent. Bis 2050 soll dieser wieder auf 50 Prozent erhöht werden. Die Initianten forderten, einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent anzustreben.
Landwirtschaft verfehlt Umweltziele
Weiter ist in der neuen Agrarpolitik ab 2030 vorgesehen, dass die Landwirtschaft nachhaltiger werden soll. Doch bereits heute verfehlt die Landwirtschaft einen Teil ihrer Umweltziele. Laut dem Bund ist der Handlungsbedarf bei Biodiversität, Treibhausgasen, Stickstoff und Bodenfruchtbarkeit besonders hoch.
Nicht zuletzt der trockene Hitzesommer hat gezeigt, dass Wasser auch in der Schweiz ein knappes Gut werden kann, nicht nur für die Landwirtschaft. Die Schweiz kennt noch keine nationale Wassermanagementstrategie – wie sie die Initiative gefordert hatte. Auch hier besteht Handlungsbedarf, das hat der Bund erkannt und das zuständige Departement ist an der Umsetzung einer solchen Strategie. Doch Kritiker bemängeln, dass weder eine nationale Erfassung der Wassermenge vorgesehen sei noch verbindliche Vorgaben, wie das Wasser verteilt werden soll.
Da es Franziska Herren nicht gelungen ist, ihre Initiative breiter abzustützen, hat sie es verpasst, eine breite Debatte über eine nachhaltige Landwirtschaft anzuregen.
Abstimmungsdossier
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Mirjam Spreiter
Bundeshauskorrespondentin
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Mirjam Spreiter ist Bundeshauskorrespondentin bei SRF. Zuvor war sie Korrespondentin in den Regionen Bern und Freiburg sowie Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau». Sie hat an den Universitäten Freiburg, Bern und Berlin Religionswissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Zeitgeschichte studiert.
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