Dieses Problem bekommt McVay bei den Rams nicht gelöst
Die Los Angeles Rams haben ein Problem - und inzwischen lässt es sich kaum noch übersehen. Beim bitteren 34:37 nach Overtime gegen die Buffalo Bills waren es erneut die Special Teams, die einen entscheidenden Anteil an der Niederlage hatten. Ein langer Kickoff-Return, zwei erfolglose Field-Goal-Versuche und schließlich ein geblockter potenzieller Game-Winner: Für Sean McVay wurde die vermeintliche Nebenrolle einmal mehr zum Hauptproblem.

Ein Problem bekommt Sean McVay seit Jahren nicht gelöst Getty Images
Dabei ist das Debakel gegen Buffalo keineswegs ein Ausreißer. Bereits in der vergangenen Saison gehörten die Special Teams zu den schwächsten der NFL und kosteten Los Angeles in wichtigen Momenten. McVay reagierte, nahm personelle Veränderungen vor und investierte mehr Zeit in die Unit. Fünf Wochen nach Beginn der neuen Saison steht allerdings fest: Das Problem ist noch immer da.
Gegen Buffalo geht fast alles schief
Es dauerte gegen die Bills nur wenige Sekunden, bis die erste Schwachstelle sichtbar wurde. Ray Davis trug den Opening Kickoff über 70 Yards zurück und verschaffte Buffalo damit sofort eine hervorragende Feldposition.
Auch beim Kicking lief es nicht besser. Harrison Mevis vergab bereits im ersten Viertel ein Field Goal aus 50 Yards. Die deutlich schmerzhaftere Szene folgte allerdings in der Overtime.
Nach einem Fumble von James Cook hatten die Rams plötzlich die große Chance, die Partie zu entscheiden. Los Angeles arbeitete sich bis an die 30-Yard-Linie der Bills vor und stand bei 3rd & 5 vor einer richtungsweisenden Entscheidung.
McVay entschied sich für einen Lauf mit Kyren Williams, der keinen Raumgewinn brachte. Anschließend sollte Mevis aus 48 Yards den Sieg besorgen.
Greg Rousseau kam jedoch an den Ball und blockte den Versuch. Buffalo bekam eine weitere Chance. Josh Allen brachte seine Mannschaft mit zwei wichtigen Scrambles in Position, ehe Tyler Bass aus 45 Yards zum 37:34 traf.
McVay hadert mit seiner Entscheidung
Nach der Partie nahm McVay insbesondere seine Entscheidung vor dem geblockten Field Goal auf die eigene Kappe. "Ich ärgere mich gerade grün und blau über mich selbst, obwohl ich so stolz auf diese Gruppe bin. [...] Ich werde es bereuen, dass wir den Kick versucht haben, anstatt im dritten Down einen besseren Spielzug anzusagen, um näher heranzukommen oder aufs Ganze zu gehen. Das geht auf meine Kappe."
Dass der Head Coach seinem Kicking Game in dieser Situation überhaupt vertrauen musste, zeigt das grundlegende Problem. Die Rams haben in dieser Saison lediglich fünf ihrer neun Field-Goal-Versuche verwandelt. Eine Erfolgsquote von nur 55,6 Prozent - und damit nach fünf Wochen die schlechteste Quote der NFL.
McVay machte nach dem erneuten Rückschlag deutlich, dass er die Situation überprüfen werde. Eine konkrete personelle Veränderung kündigte er allerdings nicht an.
Von Platz 31 auf Platz 32
Noch deutlicher wird das Ausmaß der Probleme beim Blick auf die gesamte Special-Teams-Unit. Bereits 2025 belegten die Rams beim Special Teams Expected Points Added nur Rang 31 der NFL. In der laufenden Saison ist Los Angeles nach fünf Wochen sogar auf den letzten Platz zurückgefallen. Damit setzt sich eine Schwäche fort, die McVay eigentlich längst beheben wollte.
Denn nach der vergangenen Saison wurde reagiert. Bubba Ventrone übernahm als neuer Special Teams Coordinator, mit Long Snapper Joe Cardona und Special-Teams-Spezialist Grant Stuard kamen erfahrene Spieler hinzu. Außerdem investierten die Rams mehr Trainingszeit in diesen Mannschaftsteil. Der gewünschte Effekt ist bislang ausgeblieben.
Schon 2025 werden Special Teams zum Problem
Wie teuer Fehler in dieser Phase werden können, wissen die Rams spätestens seit der vergangenen Saison. Im Dezember 2025 verlor Los Angeles ein spektakuläres Spiel gegen die Seattle Seahawks mit 37:38 nach Overtime. Auch damals standen die Special Teams im Mittelpunkt. Seattle gelang unter anderem ein 58-Yard-Punt-Return-Touchdown durch Rashid Shaheed, während Mevis ein Field Goal aus 48 Yards vergab.
Noch folgenschwerer wurde es wenige Wochen später. Im NFC Championship Game gegen Seattle unterlief Returner Xavier Smith ein Muffed Punt. Die Seahawks eroberten den Ball und erzielten unmittelbar danach einen Touchdown. Aus einem 13:17 wurde ein 13:24 - am Ende verlor Los Angeles mit 27:31 und verpasste den Super Bowl.
Natürlich lassen sich weder diese Niederlage noch das aktuelle 34:37 gegen Buffalo ausschließlich auf die Special Teams reduzieren. Doch die Häufung spielentscheidender Fehler ist inzwischen kaum noch von der Hand zu weisen.
McVay findet die Lösung bislang nicht
Genau darin liegt das eigentliche Problem für Los Angeles. Die Rams haben ihre Schwachstelle erkannt. Sie haben den Coordinator gewechselt, erfahrene Special-Teams-Spieler verpflichtet und mehr Trainingszeit investiert. Trotzdem steht die Unit statistisch erneut am Ende der NFL - und beeinflusst weiterhin Spiele in entscheidenden Momenten negativ.
Nach dem Buffalo-Spiel kündigte McVay deshalb an, "alles" evaluieren zu wollen. Wie weit diese Überprüfung geht, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Die Rams können sich kaum darauf verlassen, Woche für Woche genügend Punkte mit ihrer Offense zu erzielen, um die Fehler der Special Teams auszugleichen.
Gegen Buffalo hatten sie selbst nach einem verlorenen Fumble in der Overtime noch die Chance auf den Sieg. Ein einziges erfolgreiches Field Goal hätte gereicht.
Stattdessen wurde aus dem möglichen Game-Winner der nächste Eintrag in einer inzwischen langen Liste kostspieliger Fehler. Die Special Teams sind längst keine kleine Baustelle mehr. Sie entwickeln sich zu einem Problem, das die Ambitionen der Rams ernsthaft gefährden kann.
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