Nobelpreis 2026 – Physik-Nobelpreis geht an Neutrinoforscher Francis Halzen

- Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an den in den USA tätigen gebürtigen Belgier Francis Halzen.
- Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm bekannt.
- Er wird «für seine entscheidenden Beiträge zum IceCube-Neutrino-Observatorium und die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs» ausgezeichnet.
Heiligabend 1993, ein Familienessen im belgischen Tienen. Das Dessert wird serviert. Doch der Physiker Francis Halzen schaut nur auf den Laptop auf seinem Schoss. Am anderen Ende der Welt haben Forschende seines Teams gerade das erste Kabel mit Lichtsensoren ins Eis des Südpols versenkt. Mit ihnen will Halzen das Eis in ein Teleskop verwandeln, das fast unsichtbare Teilchen aus dem All aufspürt.
Dann kommt die E-Mail. Drei Worte lang: «First string deployed» – erstes Kabel versenkt. So schilderte es Halzen später in einem Essay. Was damals begann, bringt ihm 33 Jahre später den Nobelpreis.
Francis Halzen (geb. 1944 in Tienen, Belgien) promovierte an der Universität Leuven. Heute forscht er an der Universität Wisconsin-Madison, wo er auch als Direktor des Instituts für Elementarteilchenphysik fungiert.
Die fast unsichtbaren Teilchen heissen Neutrinos. Das Nobelkomitee nennt sie die «scheuesten des Universums», denn sie fliegen unbemerkt durch alles hindurch. Auch durch unseren Körper. Sie haben keine elektrische Ladung und fast keine Masse. Von der Sonne strömen pro Sekunde rund 65 Milliarden durch den Nagel eines kleinen Fingers. Fast alle durchqueren danach die ganze Erde, ohne irgendwo anzustossen. Nur ganz selten trifft eines auf einen Atomkern.
Trifft ein Neutrino im Eis auf einen Atomkern, entsteht schwaches Licht. Ende der 1980er-Jahre kam Halzen auf die Idee, dieses Licht im klaren Eis des Südpols aufzuspüren. Daraus entstand, nach einem Vorläufer, «IceCube»: ein Kubikkilometer Eis mit 5160 Lichtsensoren in bis zu 2450 Metern Tiefe.
Boten, die ihren Absender verraten
Doch wozu der Aufwand? Im All gibt es Orte mit gewaltigen Energien, vermutlich rund um riesige Schwarze Löcher. Sie wirken wie natürliche Teilchenbeschleuniger, die Teilchen bis zu einer Million Mal mehr Energie verleihen als jedes Labor auf der Erde.
Von dort erreicht uns kosmische Strahlung. Weil deren Teilchen geladen sind, zwingen Magnetfelder im All sie auf Umwege. Bei ihrer Ankunft verrät ihre Flugrichtung nicht mehr, woher sie stammen. Neutrinos entstehen an denselben Orten, sind aber ungeladen. Sie fliegen geradeaus und zeigen so auf ihre Quelle, selbst wenn diese hinter Staubwolken liegt. So liefern sie Informationen, die anders nicht zu bekommen sind: wo die kosmischen Teilchenbeschleuniger liegen – und was in ihnen vorgeht.
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Bild 1 von 5. Bildquelle: Ilya Bodo, IceCube/NSF.
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Bild 2 von 5. Bildquelle: Michael Rayne/ASC-ARFF.
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Bild 3 von 5. Bildquelle: Yuya Makino, IceCube/NSF.
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Bild 4 von 5. Bildquelle: Ilya Bodo, IceCube/NSF.
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Bild 5 von 5. Bildquelle: Kurt Studt, IceCube/NSF.
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Ab 2013 wies IceCube solche Neutrinos aus dem fernen All nach. Seither verfolgen die Forschenden ihre Spur zurück: Sie führt zu einer Galaxie mit riesigem Schwarzem Loch. Bestätigt ist das aber noch nicht.
Ein Preis für einen, die Arbeit von Hunderten
Ausgezeichnet wird Halzen allein. An IceCube arbeiten aber rund 450 Menschen aus 14 Ländern. Der Preis sei eine grosse Überraschung, sagte der Forscher, der gerade in Italien unterwegs ist. «Ich hoffe, er spiegelt die Arbeit all der mutigen Menschen, die sich mir zu Beginn des Projekts angeschlossen haben.»
Unterstützung kam auch aus der Schweiz: Laura Baudis von der Universität Zürich und Teresa Montaruli von der Universität Genf hatten Halzen gemeinsam für den Preis vorgeschlagen, dieses Jahr bereits zum dritten Mal, so Montaruli gegenüber SRF. Diesmal sei sie sich sicher gewesen, dass es klappt. Und sie sollte recht behalten.
Für Baudis ist der Preis ein Gewinn für die ganze Neutrino-Forschung, in der noch viele fundamentale Fragen offen seien. Letztlich auch die: «Warum gibt es uns überhaupt?»
- Montag, 5.10.26: Nobelpreis für Medizin
- Dienstag, 6.10.26: Nobelpreis für Physik
- Mittwoch, 7.10.26: Nobelpreis für Chemie
- Donnerstag, 8.10.26: Literaturnobelpreis
- Freitag, 9.10.26: Friedensnobelpreis
- Montag, 12.10.26: Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
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