Bauarbeiten bei der Deutschen Bahn: Vollsperrung zwischen Berlin und Hannover steht bevor

Die Deutsche Bahn startet am Freitag eine Generalsanierung, die wichtige Ost-West-Verbindung ist an der Reihe. Was das für Nah- und Fernzüge heißt.
Foto: Patrick Pleul/dpa
Die wichtige Bahnstrecke zwischen Berlin und Hannover wird ab Freitag generalsaniert – und mehr als ein Jahr lang voll gesperrt. Fernverkehrszüge fahren bis voraussichtlich Ende 2027 über Magdeburg und Braunschweig statt über Wolfsburg, die Fahrt dauert rund 80 Minuten länger als sonst. Züge zwischen Amsterdam und Berlin verkehren über Hamburg und sind dadurch 70 Minuten länger unterwegs. Im Regionalverkehr fallen mehrere Bahnlinien zumindest zeitweise aus, dort will die DB Ersatzverkehr mit lilaroten Bussen bereitstellen.
Am Dienstag nun zeigten DB-Manager in Schönhausen in Sachsen-Anhalt, einem Haltepunkt auf der Trasse, welche Arbeiten anstehen: Zuerst werde die Fahrbahn auf der Schnellfahrstrecke östlich und westlich von Stendal erneuert. Insgesamt sollen 214 Weichen, gut 350 Kilometer Gleise sowie 27 Bahnhöfe schick gemacht und andere technische Reparaturen durchgeführt werden. „Wir packen auf der Strecke Hannover–Berlin richtig an“, sagte DB-Programmleiter Wolfgang Weinhold selbstbewusst.
Dabei hatte das Projekt zuletzt für Ärger gesorgt. Ursprünglich sollten Fernzüge ab Dezember auf der Lehrter Stammstrecke, parallel zur gesperrten Schnellfahrstrecke, fahren können. Die Elektrifizierung der Stammstrecke zieht sich jedoch länger hin als geplant, die Umleitung über Magdeburg bleibt deshalb länger bestehen. Am Dienstag versuchte die DB Mut zu machen: Sie habe die Umleitungsstrecke „durch ein umfangreiches Instandhaltungsprogramm auf die zusätzliche Belastung vorbereitet“.
Wir packen auf der Strecke Hannover–Berlin richtig an
Wolfgang Weinhold, DB Infrago
Vor knapp drei Wochen sagte DB-Chefin Evelyn Palla außerdem, dass der Konzern in Zukunft nur noch zwei Generalsanierungen pro Jahr abwickeln wolle – deutlich weniger als ursprünglich versprochen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ist gerade dabei, das bisherige Konzept zu überprüfen – und in der Branche wird gemunkelt, dass auch er die Zahl der Sanierungen runterschrauben will.
Konzept Generalsanierung
Weil das deutsche Schienennetz nach jahrzentelanger Unterfinanzierung marode und störungsanfällig geworden war, hatten Ex-Verkehrsminister Volker Wissing und der DB-Konzern die sogenannten Generalsanierungen in Bahnkorridoren – also besonders hochausgelasteten Streckenabschnitten – auf den Weg gebracht.
Die Idee: Eine Trasse sollte für eine Weile vollgesperrt und dann alle nötigen Reparaturen an verschiedenen Teilen der Infrastruktur, etwa an Haltestellen, Weichen, Oberleitungen und Gleisen, in einem Rutsch erledigt werden.
Die Korridorsanierungen sollten eine Alternative zu Bauarbeiten im laufenden Betrieb sein, die zwar nur kleine, dafür aber immer wieder Einschränkungen des Zugverkehrs bedeuteten. Und sie sollten die Deutsche Bahn, der die heruntergekommene Infrastruktur regelmäßig die Pünktlichkeitsstatistik verhagelt, effektiv zuverlässiger machen.
Ob das eingelöst werden kann, ist nach den bisherigen Sanierungen jedoch umstritten: Die Projekte verspäteten sich, sprengten den Kostenrahmen oder es konnten nicht alle geplanten Instandsetzungsmaßnahmen umgesetzt werden. (nbn)
Laut dem Verband der Güterbahnen ist nicht allein die Zahl der Generalsanierungen entscheidend. Vielmehr müsse eine „bessere Abstimmung aller Baumaßnahmen geschaffen werden“, teilte der Verband am Dienstag mit – zum Beispiel mit verlässlichen Umleiterkonzepten.
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