Zürcherin entlarvt Betrug mit Ferienwohnung auf Facebook

Vorsicht, Schnäppchen-Falle
Zürcherin entlarvt Betrug mit Ferienwohnung auf Facebook
Anna Schmidt sucht auf Facebook eine Ferienwohnung. Sie findet ein günstiges Angebot – doch bei den Parkplätzen im autofreien Zermatt wird sie skeptisch. Als der Beobachter nachfragt, gibt sich der Vermieter ahnungslos.
Publiziert: vor 12 Minuten
Aktualisiert: 16.10.2026 um 09:37 Uhr
- Anna Schmidt findet auf Facebook ein günstiges Zermatt-Angebot mit Sauna und Parkplätzen in Euro
- Zermatts Gemeindepräsidentin sagt, private Fahrbewilligungen und Wohnungsparkplätze gebe es nicht
- Eine Bildersuche zeigt die Wohnungsfotos bei anderen Inseraten, der Kontaktmann bestreitet alles
Silvester in den Bergen ist eine feine Sache – vorausgesetzt, man hat ein Dach über dem Kopf. Mitte Oktober steht Anna Schmidt noch ohne da. Auf Facebook startet sie deshalb einen Aufruf in zwei Gruppen: Gesucht werde eine Bleibe in den Bergen für neun Personen über den Jahreswechsel.
Artikel aus dem «Beobachter»
Dieser Artikel wurde aus dem Magazin «Beobachter» übernommen. Weitere spannende Artikel finden Sie unter www.beobachter.ch
RMS
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Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. In der Gruppe «Ferienwohnungen Schweiz» meldet sich ein Mann unter dem Aufruf mit einem Angebot im Wallis: eine Wohnung in Zermatt, 155 Quadratmeter gross, mit privater Sauna, einer Garage und zwei Parkplätzen direkt vor dem Haus. Auch der Preis ist verlockend: 189 Euro pro Nacht, inklusive Nebenkosten und Endreinigung, dazu 250 Euro Kaution. Die Preisangabe in Euro statt Schweizer Franken sorgt bei Schmidt, die eigentlich anders heisst, für erste Irritation.
Parkplätze im autofreien Zermatt? Gibts nicht
Richtig skeptisch wird sie bei den angebotenen Parkplätzen. Zermatt ist seit Jahrzehnten autofrei. Auf ihre Nachfrage wiegelt der Vermieter ab: Das Fahrverbot gelte nur für Touristen, bei einer privaten Vermietung sei das Parkieren im Dorf kein Problem. Als Schmidt ihn korrigiert, beharrt er darauf: «Aber nicht als Eigentümer. Oder Freunde. Wir wissen es doch.»
Auf Anfrage des Beobachters stellt Gemeindepräsidentin Romy Biner-Hauser klar: Sonderfahrbewilligungen für Privatpersonen innerhalb von Zermatt gibt es nicht – weder für Einheimische noch für Gäste. «Mit dem Auto kann man somit nicht zur Unterkunft fahren.» Abgesehen von den Parkplätzen für die kommunalen Elektrofahrzeuge gibt es keine weiteren. «Und schon gar nicht im Zusammenhang mit einer Ferienwohnung», so Biner-Hauser.
Gestohlene Fotos: So erkennt man Fake-Ferienwohnungen
Für die weiteren Details und den Vertrag verweist der Mann auf seinen Geschäftspartner. Als Schmidt dessen Telefonnummer erhält, fällt ihr auf, dass diese mit der deutschen Landesvorwahl beginnt. «Passt ja zum Preis in Euro», denkt sie sich.
Sie telefoniert mit dem Geschäftspartner und tauscht Whatsapp-Nachrichten aus. Sie erhält einen Mietvertrag und Fotos, doch ein verlangter Link zum angeblich offiziellen Inserat führt ins Leere. «Ich nutzte deshalb die Google-Bildersuche mit den Fotos der Wohnung», erzählt Schmidt. Das Ergebnis: Mit denselben Bildern wird für Ferienhäuser an ganz anderen Orten geworben – etwa in Belgien.
Dass Anbieter mit fremden Bildern werben, kommt immer wieder vor, wie Fabienne Stich vom Beobachter-Beratungszentrum bestätigt. Die umgekehrte Bildersuche sei daher sehr sinnvoll. «Wenn die Bilder andernorts auftauchen: Hände weg!» Hilfreich sei auch ein Blick auf Google Maps oder Street View, um zu prüfen, ob an der angegebenen Adresse wirklich das inserierte Haus steht.
Vermieter gibt sich ahnungslos
Als der Beobachter den besagten Geschäftspartner unter seiner Telefonnummer konfrontiert, gibt sich dieser ahnungslos: Er wisse von nichts, kenne den Mann auf Facebook nicht und besitze keine Wohnung in Zermatt. Auch mit Anna Schmidt habe er nie Kontakt gehabt. Die vorliegenden Whatsapp-Chats widersprechen dem allerdings. Und: Nur wenige Minuten nach dem Anruf der Redaktion meldet sich der Mann erneut bei Schmidt. Per Whatsapp schreibt er: «Guter Versuch, bitte nach einer anderen Wohnung suchen.»
Anna Schmidt sucht nun weiter nach einer Bleibe für Silvester. Diesmal lieber ohne Parkplatz mit Matterhornblick.
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