Russische Angriffe im Schwarzen Meer: „Das ist eine echte Gefahr für die Schifffahrt“

Vor den Küsten Bulgariens und Rumäniens sind mehrere Frachtschiffe von Drohnen angegriffen worden. Expert:innen gehen davon aus, dass Russland dahintersteckt.
Foto: Sky Pictures Bulgaria/NurPhoto/imago
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„Novaya Gazeta Europe“ öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Beitrag finden Sie hier auf Russisch.
Im Schwarzen Meer ist es zu einer neuen Serie von Angriffen auf die zivile Schifffahrt gekommen. Seit Anfang Oktober trafen Drohnen mindestens fünf Handelsschiffe, von denen drei sanken. Die Angriffe geschahen in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Bulgariens und Rumäniens, beide sind Nato-Mitgliedstaaten. Die ukrainischen Behörden machen Russland für die Angriffe verantwortlich.
In der Nacht zum 13. Oktober wurde der unter maltesischer Flagge fahrende ukrainische Frachter „Chelsea 3“ im Schwarzen Meer von drei Drohnen angegriffen und geriet in Seenot, schrieb der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew auf Facebook. Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich das Schiff rund 18 Seemeilen (33 Kilometer) östlich der bulgarischen Stadt Bjala.
An Bord befanden sich 15 Besatzungsmitglieder, darunter 7 Ukrainer und 8 Aserbaidschaner. Alle Seeleute konnten gerettet und in die bulgarische Hafenstadt Warna evakuiert werden. Die „Chelsea 3“ gehört einem ukrainischen Reeder und ist in Odessa registriert. Der 136 Meter lange Frachter war auf dem Weg vom türkischen Hafen Giresun zum Donauhafen Giurgiulești.
Zwar fehlten laut Radew „eindeutige Beweise“, dass Russland hinter den Angriffen stecke, allerdings lege „die Logik nahe“, dass die Vorfälle Russland zugutekämen, schrieb Radew weiter auf Facebook. Die russische Botschafterin solle einbestellt werden, auch die Nato sei informiert worden.
Drohnenangriffe auf drei Handelsschiffe im Schwarzen Meer
Ebenfalls am 13. Oktober ereignete sich ein weiterer Angriff. Dabei sank rund 17 Seemeilen (31 Kilometer) östlich des bulgarischen Ortes Krapez ein Schiff, das die russische Tageszeitung Kommersant als die „Azov Concord“ identifizierte. Ein Besatzungsmitglied konnte gerettet werden, über das Schicksal der übrigen Seeleute liegen bislang keine gesicherten Informationen vor.
Die jüngsten Angriffe reihen sich ein in eine Kette von Ereignissen. Bereits in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober wurden vor den Küsten Bulgariens und Rumäniens drei Handelsschiffe von Drohnen angegriffen. Nach einem Angriff sank der Frachter „Alfa Watan“ etwa 130 Kilometer vor der bulgarischen Küste. Von den zwölf syrischen Besatzungsmitgliedern fehlt bislang jede Spur, die Suchaktion wurde inzwischen eingestellt.
Auf dem zweiten Schiff, der „Able“, brach ein Feuer aus. Alle 18 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, 2 von ihnen wurden verletzt. Das Schiff transportierte Weizen. Der andere angegriffene Frachter „Royad Mammadov“ geriet in Brand und sank, er transportierte ukrainischen Mais nach Italien. Zwei Menschen starben, elf konnten gerettet werden, die bulgarischen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Wer für die Drohnenangriffe verantwortlich ist, ist bislang nicht geklärt.
Der ukrainische Militärexperte und Reserveoberst Roman Switan sagte der Novaya Gazeta Europe, dass höchstwahrscheinlich die russische Armee hinter den Angriffen auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer stehe. Er schließt nicht aus, dass die Drohnen per Satellitenkommunikation ferngesteuert wurden.
Russische Angriffe auf Getreideexporte
„Die Geran-Drohnen können mit Kolben- oder Strahltriebwerken Entfernungen von mehreren Hundert Kilometern zurücklegen“, sagt Switan. „Deshalb kann das gesamte Schwarze Meer vor den Küsten Bulgariens, Rumäniens, Moldaus und sogar der Türkei praktisch als Kampfgebiet betrachtet werden. Das ist wirklich eine reale Gefahr für die Schifffahrt.“
Die Angriffe seien demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit von russischen Streitkräften ausgeführt wurden, schreibt das britische auf die maritime Sicherheit spezialisierte Unternehmen Ambrey in einem Bericht. Ziel sei es, die ukrainischen Exporte zu stören.
Nun finden Angriffe auch in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Rumäniens und Bulgariens statt. Alle drei betroffenen Schiffe hatten zuvor entweder Häfen im Donaudelta angelaufen oder waren auf dem Weg dorthin.
Ambrey geht allerdings nicht davon aus, dass Russland begonnen hat, wahllos Handelsschiffe anzugreifen. Nach Einschätzung des Unternehmens wählen die russischen Streitkräfte weiterhin gezielt Schiffe aus, die mit dem ukrainischen Handel, insbesondere dem Getreideexport, in Verbindung stehen.
Es hatte bereits zuvor Angriffe auf Handelsschiffe gegeben. Wie die Novaya Gazeta Europe berichtete, konzentrierten sich diese Attacken jedoch bislang vorwiegend auf die unmittelbare Umgebung ukrainischer Häfen.
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