«Kümmerte mich den ganzen Sommer um die Rinder – es ist tragisch»

- Ein zweitägiger Spezialeinsatz war nötig, um drei tote Rinder aus einer tiefen Schlucht im Berner Oberland zu bergen.
- Bauer David hatte die Tiere wegen der Trockenheit früher als geplant ins Tal bringen wollen, dabei stürzten sie in die Griessschlucht.
- Die Kadaver wurden mit Floating Bags durch die Schlucht abgeseilt.
- Schliesslich wurden sie per Rega-Helikopter abtransportiert.
«Das ist einfach nur tragisch», sagt Bauer David zu 20 Minuten. Drei seiner Rinder stürzten rund 30 Meter tief in die Griessschlucht und verendeten dort.
Wegen der anhaltenden Trockenheit wollte David am 9. September vier Rinder früher als geplant von der Alp holen: «Ich ging voraus, doch die Rinder bogen falsch ab.» Nur eines der vier Tiere fand zurück auf den richtigen Weg.
«Kümmerte mich mit Herzblut um die Tiere»
Die drei anderen Rinder stürzten in die Griessschlucht. «Für mich ist das sehr emotional», sagt David. «Als Älpler kümmere ich mich den ganzen Sommer mit Herzblut um die Tiere. Man pflegt und betreut sie und dann stürzen sie so ab. Das ist eine Tragödie.» Laut David passieren jedes Jahr Hunderte Tiere diese Stelle, ohne dass es bisher zu einem Unfall gekommen sei.
Weil die Kadaver das Gewässer hätten verunreinigen können, mussten sie rasch geborgen werden. Die Schlucht ist tief, steil und verwinkelt. Eine direkte Bergung mit dem Helikopter war deshalb nicht möglich, schreibt die Rega in einer Medienmitteilung.
Spezialisten bergen Tiere aus Schlucht
Zwei Canyoning-Spezialisten seilten sich mehrmals in die Schlucht ab. Ein Rind war bereits über einen Wasserfall gespült worden und lag rund 20 Meter tiefer im Bachbett. Die beiden anderen Kadaver befanden sich in einer Art Höhle in einem Wasserbecken.
Die rund 500 bis 700 Kilogramm schweren Tiere zu bewegen, war nicht einfach. Die Retter setzten dafür einen sogenannten Floating Bag ein. So gelang es, die Rinder in ein tiefer gelegenes Becken zu transportieren.
Kadaver wurden kontrolliert abgeseilt
Dort blieben die Tiere jedoch an einer engen Stelle vor einem Wasserfall stecken. Am zweiten Tag rückte das Team deshalb mit zwei weiteren Canyoning-Spezialisten an. Mithilfe mehrerer Seile hoben sie die Kadaver an, zogen sie zur Seite und liessen sie kontrolliert den Wasserfall hinunter.
Schliesslich lagen alle drei Tiere im Bachbett im Tal. Ein Rega-Helikopter flog sie anschliessend an einem 60 Meter langen Seil zur nächsten Strasse.
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Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
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