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Saturday, September 19, 2026

Fall Xhaka: Die «Wunderärztin» hinter dem Impfzertifikat

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Die Praxis von Dr. med. Andrea Ludwig liegt mitten in der Luzerner Altstadt – hier sollen Xhakas Covid-Impfungen bescheinigt worden sein.

Die Praxis von Dr. med. Andrea Ludwig liegt mitten in der Luzerner Altstadt – hier sollen Xhakas Covid-Impfungen bescheinigt worden sein.Google Maps

Darum gehts

  • Die Luzerner Hausärztin Andrea Ludwig soll Fussballstar Granit Xhaka zwei Covid-Impfungen bescheinigt haben.
  • Die Staatsanwaltschaft Luzern ermittelt wegen möglicher Urkundenfälschung oder Erschleichung einer falschen Beurkundung.
  • Besonders rätselhaft ist das Datum der zweiten Impfung: Am 11. November 2022 spielte Xhaka für Arsenal in England.

Granit Xhaka wird vorgeworfen, 2021 ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft zu haben. Der Nati-Captain soll den Impfnachweis bei einer nicht ganz unbekannten Hausärztin aus Luzern erworben haben. Wie der «Tagesanzeiger» berichtet, soll es sich dabei um Andrea Ludwig handeln.

Als die Welt während der Pandemie nach Medikamenten gegen Covid-19 suchte, sorgte Ludwig mit einer ungewöhnlichen Behandlungsmethode für Aufsehen, wie die «Luzerner Zeitung» damals berichtete.

Im März 2021 berichtete auch 20 Minuten über Ludwig und ihre Behandlung schwer erkrankter Corona-Patienten mit dem sogenannten Arzneistoff Opaganib. Das ursprünglich in der Krebsforschung entwickelte Medikament war damals nicht gegen Covid-19 zugelassen.

Ludwig setzte es im Rahmen eines sogenannten «compassionate use» ein. Was wörtlich: «Anwendung aus Mitgefühl» bedeutet, aber als behördlich geregelten Einsatz von noch nicht zugelassenen Medikamenten ausserhalb von klinischen Studien verstanden wird.

Ihre Erfahrungen schilderte sie mit viel Euphorie

«Das Resultat mit Opaganib als Zusatztherapie ist spektakulär», sagte sie damals. Eine 49-jährige Patientin habe sich nach der Behandlung innerhalb von drei Tagen deutlich erholt. Auch bei einer 82-jährigen Risikopatientin habe sich der Zustand rasch verbessert. Ludwig behandelte nach eigenen Angaben insgesamt fünf Covid-Patienten mit dem Präparat.

Luzerner Kantonsspital geht auf Distanz

Die Ärztin war von Opaganib überzeugt. Sie sei durch Fachartikel und präklinische Studien auf das Mittel aufmerksam geworden.

«Das Produkt ist eine neue chemische Substanz mit einem nachgewiesenen Dreifacheffekt auf die pathologisch-physiologischen Prozesse, die mit Covid-19 verbunden sind, das ist einzigartig», sagte Ludwig damals. Opaganib sollte gleichzeitig antiviral und entzündungshemmend wirken. Entwickelt worden war es ursprünglich als Medikament gegen Krebs.

Doch während Ludwig von ihren Erfahrungen überzeugt war, warnten andere Fachleute vor voreiligen Schlüssen. Das Luzerner Kantonsspital ging auf Distanz. Der Infektiologe Philipp Kaiser sagte damals: «Wir setzen am LUKS keine Substanzen ein, deren Wirksamkeit nicht entsprechend gut belegt ist.»

Einzelne Patientenverläufe seien kein Beweis für die Wirksamkeit eines Medikaments. Eine später durchgeführte kontrollierte Studie konnte den erhofften Wirksamkeitsnachweis für Opaganib schliesslich nicht erbringen.

Die damalige Bezeichnung «Wunderärztin» lässt viel Spielraum und kann auch als Ironie interpretiert werden.

Jetzt steht ihr Name im Xhaka-Fall

Fünf Jahre später ist Ludwig erneut Teil einer Geschichte rund um Corona – diesmal geht es nicht um ein Medikament, sondern um ein Zertifikat.

Laut aktuellen Recherchen des «Tages-Anzeigers» beziehungsweise der «SonntagsZeitung» soll Ludwig Granit Xhaka zwei Covid-Impfungen bescheinigt haben: am 25. Januar und am 11. November 2022.

Genau diese Zertifikate stehen nun im Zentrum von Ermittlungen der Luzerner Staatsanwaltschaft. Die Behörden prüfen, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt.

Xhaka bestreitet die Vorwürfe. Sein Umfeld erklärt, die Impfungen hätten tatsächlich stattgefunden. Auch Ludwig weist die Vorwürfe zurück. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Die zweite Impfung gibt Rätsel auf

Besonders auffällig ist das zweite Datum: 11. November 2022. Xhaka spielte damals für Arsenal in England. Am folgenden Tag stand er beim Premier-League-Spiel gegen Wolverhampton auf dem Platz. Er begann die Partie, musste aber nach rund 15 Minuten wegen Magenproblemen ausgewechselt werden.

Am 14. November stiess Xhaka am Flughafen Zürich zur Schweizer Nationalmannschaft. Kurz darauf reiste er zur WM nach Katar. Warum also soll sich ein Arsenal-Spieler ausgerechnet in dieser Zeit von einer Luzerner Hausärztin impfen lassen haben?

Auch eine sportliche Zertifikatspflicht erklärt das Datum nicht ohne Weiteres. Für die Premier League war damals kein Impfzertifikat als Voraussetzung für den Spielbetrieb nötig. Auch die WM in Katar fand ohne entsprechende Zertifikatspflicht statt.

Ob Xhaka am 11. November überhaupt in Luzern war, ist öffentlich bislang nicht geklärt. Das führt auch den Schweizerischen Fussballverband dazu, mit einem offiziellen Kommentar abzuwarten – bis die Faktenlage bekannt ist. «Bis wir verlässliche Informationen dazu haben, können wir uns nicht dazu äussern», sagt SFV-Medienchef Adrian Arnold.

Von der Corona-Pionierin zur Beschuldigten

Die beiden Geschichten – Opaganib und Xhakas Impfzertifikat – haben bislang keinen nachgewiesenen direkten Zusammenhang.

Sie zeigen aber, warum der Name Andrea Ludwig in der aktuellen Affäre besonders auffällt: Eine Ärztin, die während der Pandemie mit einer ungewöhnlichen Behandlungsmethode für Schlagzeilen sorgte, soll Jahre später jene Impfungen bestätigt haben, deren Echtheit nun Gegenstand eines Strafverfahrens ist.

Ob die Impfungen tatsächlich stattgefunden haben und wie die Zertifikate zustande kamen, klärt aktuell die Staatsanwaltschaft Luzern. «Dabei gilt es zu klären, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt im Zusammenhang einer möglichen Erschleichung einer falschen Beurkundung oder/und Urkundenfälschung», sagt Sprecher Simon Kopp gegenüber 20 Minuten und ergänzt: «Für die betroffene Person gilt die Unschuldsvermutung. Das Verfahren ist hängig.»

Wie beurteilst du den Fall rund um Granit Xhakas Covid-Zertifikate?

Sebastian Rieder

Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.

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