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Sunday, September 27, 2026

Nordirland-Konflikt – Oranier-Marsch in Portadown: Alte Wunden reissen auf

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  • Erstmals seit drei Jahrzehnten wollte der protestantische Oranier-Orden wieder durch den katholischen Teil von Portadown marschieren – Gegendemonstrierende blockierten die Route den ganzen Tag.
  • Dagegen demonstriert hatte auch Nordirlands Erste Ministerin Michelle O'Neill, was scharfe Kritik auslöste.
  • Der Marsch kam bis am Abend nicht zustande.
  • In den 1990er-Jahren hatte der Konflikt zu schweren Unruhen geführt – der Marsch war seither verboten.

Schon früh am Morgen versammelten sich hunderte Demonstrierende auf der Garvaghy Road, einer Strasse im katholisch geprägten Teil von Portadown, um den geplanten Marsch des Oranier-Ordens zu blockieren.

Trotz heftigen Regens harrten sie aus und versperrten die von den Behörden freigegebene Marschroute. Bis zuletzt hatten sie versucht, die Parade vor Gericht zu stoppen – ohne Erfolg. Ein Gericht hatte den umstrittenen Aufmarsch in der Nacht unter strengen Auflagen bestätigt: Die Teilnehmerzahl war auf 35 Personen begrenzt, Musikkapellen und Unterstützende waren nicht gestattet.

Erste Ministerin an vorderster Front

Zu den Gegendemonstrantinnen und -demonstranten gehörte auch Michelle O'Neill, Erste Ministerin und Politikerin der Sinn-Féin-Partei – stärkste Kraft der Katholiken in Nordirland. Sie stellte die Entscheidung, den Marsch nach so langer Zeit wieder zuzulassen, offen infrage: «Warum hielt man es nach so langer Zeit für die richtige Idee, dieses Chaos wieder in diese Gemeinschaft zu bringen?»

Auf X rief O'Neill zwar zu «Ruhe auf allen Seiten» auf, erklärte aber gleichzeitig, sie unterstütze das Recht der Anwohnerinnen und Anwohner, «gegen diesen unerwünschten konfessionell geprägten Marsch» zu protestieren.

Auch Sinn-Féin-Parteivorsitzende Mary Lou McDonald zeigte Verständnis für die Strassenblockade: «Die Menschen haben sich hier versammelt, weil sie wütend sind. Sie können es nicht fassen, dass man das Trauma, das diese Gemeinschaft erlitten hat, wieder aufleben lässt.»

Politischer Streit zwischen Sinn Féin und DUP

Die Teilnahme von Sinn-Féin-Politikerinnen an der Demonstration sorgt für politischen Zündstoff. Gavin Robinson, Chef der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP), übte heftige Kritik daran – obwohl Sinn Féin und DUP gemeinsam an der nordirischen Einheitsregierung beteiligt sind. Die DUP forderte, den Entscheid der Gerichte zu respektieren.

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  • Bild 1 von 5. Ein vermummter Demonstrant protestiert gegen den Marsch des Oranier-Ordens. Bildquelle: Reuters/Cathal McNaughton.

    Person in schwarzer Kleidung mit Schild, irische Flagge im Hintergrund.
  • Bild 2 von 5. Mary Lou McDonald, Vorsitzende der irisch-republikanischen und demokratisch-sozialistischen Partei Sinn Féin, spricht an der Garvaghy Road, einer katholischen Enklave in der überwiegend protestantischen Stadt Portadown, vor den Medien. Bildquelle: REUTERS/Cathal McNaughton.

  • Bild 3 von 5. Personen, die gegen den Marsch demonstrieren, stehen Polizeifahrzeugen gegenüber. Bildquelle: Reuters/Cathal McNaughton.

  • Bild 4 von 5. Diese Demonstrierenden halten sich an den Armen fest, um die Strasse zu sperren. Bildquelle: Reuters/Cathal McNaughton.

  • Bild 5 von 5. Weitere Menschen blockieren die Strasse. Bildquelle: Reuters/Cathal McNaughton.

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Der britische Nordirlandminister Chris Bryant kündigte an, früher als geplant nach Belfast zurückzukehren, um mit Politikerinnen und Politikern beider Seiten zu sprechen.

Erinnerungen an die Unruhen der 90er-Jahre

Der Drumcree-Konflikt hatte in den 1990er-Jahren zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen nationalistischen Katholiken und pro-britischen Protestanten geführt. Seit 1998 war der jährliche Marsch über die Garvaghy Road untersagt – bis zu diesem Tag.

Der Oranier-Orden selbst wurde 1795 in Portadown als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus gegründet; seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken. Mit seinen Märschen erinnert der Orden an den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König Jakob II. im Jahr 1690.

Erneut sicherte die Polizei die Strecke ab – doch bis am Abend kam der Marsch nicht zustande. Die Gegenseite zeigte sich entschlossen, ihn nicht passieren zu lassen. Und weiter auszuharren.

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