Dieser Schweizer Ranger jagt Umweltsünder auch im Netz

«Ich bin kein Polizist»
Dieser Schweizer Ranger jagt Umweltsünder auch im Netz
Ranger gibt es nicht nur in Nordamerika, sondern auch in der Schweiz. Marco Lupi (42) ist einer von ihnen. Im Gespräch mit Blick erzählt er, warum er lieber aufklärt als büsst und weshalb er auch im Internet auf Streife geht.
Publiziert: 05.11.2026 um 23:59 Uhr
- Ranger Marco Lupi ist Ranger und informiert in Naturschutzgebieten
- Bei Verstössen setzt Lupi zuerst auf Erklärung
- Als digitaler Ranger sucht Lupi online auf Apps nach Drohnenflügen und verbotenen Velorouten
Nikolina PanticRedaktorin News
Braune, ausgeleierte Arbeitshosen, ein Hemd voller bunter Abzeichen. Dazu ein schwarzer Hut und der obligatorische Bart. Im Idealfall reitet er hoch zu Ross dem Feierabend entgegen. So stellen sich Laien einen Ranger vor.
Mit der Realität hat dieses Bild allerdings wenig zu tun. Auch hierzulande gibt es Ranger. Einer von ihnen ist Marco Lupi (42). Wenn er seinen Dienst antritt, hat er mit den gängigen Klischees nur wenig gemeinsam. «Der schwarze Hut gehört nicht mal zur Uniform.»
Ein Auge für die Natur, ein Herz für Menschen
Blick trifft Lupi am Türlersee. Der Ranger bleibt stehen, zählt angeleinte Hunde und erklärt begeistert die Natur. Wo Laien Schilf sehen, entdeckt er Lebensraum für Wildtiere.
Ranger Marco Lupi im Porträt
Marco Lupi ist Ranger und Umweltingenieur und verfügt über einen Masterabschluss in Umwelt und natürlichen Ressourcen. Der 42-Jährige kam als Quereinsteiger zu seinem heutigen Beruf. Ursprünglich absolvierte Lupi eine Lehre als Applikationsentwickler.
Lupi ist beim Unternehmen «Grifin Ranger» angestellt. Dieses bietet neben Rangerdiensten auch Schulungen und Beratungen an, unter anderem in den Bereichen Umwelt und Wildtiere.
Marco Lupi ist Ranger und Umweltingenieur und verfügt über einen Masterabschluss in Umwelt und natürlichen Ressourcen. Der 42-Jährige kam als Quereinsteiger zu seinem heutigen Beruf. Ursprünglich absolvierte Lupi eine Lehre als Applikationsentwickler.
Lupi ist beim Unternehmen «Grifin Ranger» angestellt. Dieses bietet neben Rangerdiensten auch Schulungen und Beratungen an, unter anderem in den Bereichen Umwelt und Wildtiere.
«Mein Auftrag ist das Informieren und die Aufsicht», sagt er. Dabei geht es ihm nicht darum, Menschen zu bestrafen: «Unser Ziel ist es, die Leute für Umwelt- und Naturschutzthemen zu sensibilisieren und ihnen die Auswirkungen ihres Handelns auf die Umwelt bewusst zu machen.» Für das geht der Ranger mit viel Einfühlsamkeit ran.
Und wenn doch mal eine Regel missachtet wird? «Dann sprechen wir die Person an», führt er aus. Unterschieden wird zwischen einem leichten und schweren Verstoss. Für Lupi hat das Erklären in der Regel Priorität. «Das ist viel wichtiger als Repression. Menschen machen keine Verstösse aus Böswilligkeit oder weil sie ein kriminelles Potenzial haben. Sie machen es aus Unwissenheit», sagt der Ranger.
«Das ist ein richtiger Vulkanausbruch»
Doch nicht jede Begegnung verläuft reibungslos. «Es kann einen richtigen Vulkanausbruch auslösen.» Lupi kann das nachvollziehen und macht ein Beispiel: «Wenn ich einem Vater, der mit seinen Kindern unterwegs ist, erklären muss, dass er hier nicht grillieren darf, kann dies sehr emotional sein.»
Und weiter: «Ich spreche nicht nur ein Verbot aus, sondern nehme ihm eine wertvolle emotionale Ressource: das gemeinsame Erlebnis mit seinen Kindern. Vielleicht hat er an diesem Ort bereits als Kind mit seinem eigenen Vater grilliert und verbindet damit besondere Erinnerungen. Gerade in solchen Situationen sind Empathie und Verständnis wichtig, um dennoch ein Verbot auf Augenhöhe umzusetzen.»
Ist ein Ranger ein Polizist?
Wenn alle Stricke reissen, dann muss Lupi auch Bussen aussprechen und verzeigen. Aber: «Ich sehe mich überhaupt nicht als Polizist.»
Und weiter: «Ich gehe so unvoreingenommen wie möglich auf Menschen zu. Ich nehme sie einfach so auf, wie sie gerade sind. Aus dem heraus ergeben sich wunderschöne Gespräche.» Es sind Menschenkenntnisse, die man haben muss und nicht erlernen kann.
Der Ranger, der auch im Internet wacht
Obwohl der Beruf draussen stattfindet, macht die Digitalisierung auch vor ihm keinen Halt. Deshalb taucht Lupi auch des Öfteren ins Netz ein, ist dort ein digitaler Ranger. «Wir führen die Aufsicht, die wir in Gebieten machen, ebenfalls digital aus.»
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Manchmal kollidiert die digitale Welt mit analogen Regeln: Ein Weissstorch wird von einer Drohne aufgescheucht, eine Veloroute führt durch ein Fahrverbot. Dann wird der Ranger zum Online-Detektiv – und durchforstet Instagram, YouTube, Komoot und Co.
«So können wir zusätzlich zum Ansprechen im Naturschutzgebiet Verstösse im Rahmen von Routenplanungen auf Outdoorplattformen direkt an der Quelle anpassen.»
Weshalb braucht es einen digitalen Ranger?
Hat Social Media einen Einfluss? «Auf alle Fälle. Man will wunderschöne Naturaufnahmen machen und Landschaften filmen, die andere noch nicht gefilmt haben.» So sei der Schritt zu Aufnahmen, die sich in der Illegalität bewegen, nicht weit entfernt.
Der Ranger sieht die Entfremdung des Menschen von der Natur als möglichen Auslöser. «Wir sind eine technologisierte Gesellschaft und hinterfragen kaum noch aufgrund der natürlichen Gegebenheiten, ob wir eine bestimmte Route überhaupt noch befahren dürfen.»
Die Zukunft des Digital-Ranger-Projekts
Das Projekt ist noch in der Anfangsphase und ein Pilotprojekt im Kanton Zürich. «Interesse wurde in anderen Schutzgebieten und Kantonen geäussert.» Ob es künftig auch rein digitale Ranger geben wird? «Ich kann mir gut vorstellen, dass es in ein paar Jahren Teil der Rangerausbildung sein könnte. Der Beruf des Rangers ist interdisziplinär und findet nicht nur vor Ort statt.»
Während online bereits die nächste problematische Route erstellt wird, steht Lupi am Türlersee und spricht mit dem nächsten Besucher. Lächelnd und bereit, sein umfassendes Naturwissen zu teilen.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.