Klimawandel in der Schweiz – Heftiger Regen und Hitze: Klimawandel verändert Schweizer Wetter

Es regnet seltener, aber wenn es regnet, kann es heftiger sein. Das zeigen die historischen Daten der Regenmesser. «Seit in den Achtzigerjahren Instrumente in Betrieb genommen wurden, die den Regen mit einer zeitlichen Auflösung von zehn Minuten erfassen können, hat die Intensität der starken Niederschläge über 10 Minuten um etwa 20 Prozent zugenommen», berichtet der Meteorologe Luca Nisi.
In den vergangenen hundert Jahren sind intensive Tagesniederschläge um etwa 26 Prozent häufiger und um etwa 12 Prozent intensiver geworden. Der Grund für diese Zunahme ist die globale Erwärmung.
Um zu verstehen, wie sich der Klimawandel auf die Niederschlagsmenge auswirken kann, muss man die Physik der Atmosphäre heranziehen. «Wenn die Temperatur um ein Grad steigt, kann in der Luft etwa 7 Prozent mehr Wasserdampf vorhanden sein», erklärt Nisi.
Das Prinzip ist das, was die Clausius-Clapeyron-Gleichung beschreibt: Mit steigender Temperatur nimmt die Menge an Wasserdampf zu, die durch Verdunstungsprozesse aus Bodenwasser oder Gewässern in die Atmosphäre gelangen kann.
Wenn dann die für die Kondensation und Niederschlagsbildung notwendigen Bedingungen eintreten, steht potenziell mehr Wasser zur Verfügung für intensive Regenfälle.
Gewitter immer heftiger
Die Klimaszenarien CH2025 von MeteoSchweiz und der ETH Zürich zeigen, dass die gesamten jährlichen Niederschläge keine signifikanten Veränderungen erfahren werden, aber ihre saisonale Verteilung wird sich ändern: Die Sommer werden im Durchschnitt trockener, während im Winter die Niederschläge zunehmen.
Der stärkste Anstieg wird bei Niederschlägen von kurzer Dauer erwartet, die typischerweise mit Gewittern verbunden sind. In einem Szenario mit drei Grad globaler Erwärmung könnten gemäss dem Meteorologen Nisi die Stundenniederschläge um 10 bis 30 Prozent zunehmen und die Tagesniederschläge um 5 bis 25 Prozent.
«Man sieht genau, wie der Anstieg vor allem mit den gewitterartigen Niederschlägen zusammenhängt», sagt Nisi. Damit erhöhe sich das Risiko für Hochwasser, besonders südlich der Alpen.
Die Alpenregion und der Alpensüdrand sind seit jeher Gebiete, die intensiven Niederschlägen ausgesetzt sind, begünstigt durch die Anwesenheit der Berge und die Nähe zum Mittelmeer. Die globale Erwärmung trägt jedoch dazu bei, diese Phänomene noch intensiver zu machen.
Mehr Regen im Winter
Intensivere Niederschläge und trockenere Sommer: Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. «Wie wir in diesem Sommer 2026 gesehen haben, kann ein stark ausgetrockneter Boden in den ersten Phasen eines sehr intensiven Gewitters das Wasser weniger gut aufnehmen», erläutert der Meteorologe Nisi. Das Wasser fliesst dann an der Oberfläche ab, was zu Hochwasser oder Erdrutschen führen kann.
Die Veränderung betrifft nicht nur die warme Jahreszeit. Mit der Zunahme der Temperaturen wird die Schneefallgrenze weiter steigen, und ein wachsender Anteil der Niederschläge wird in niedrigeren Lagen als Regen fallen. Situationen, in denen mit Überschwemmungen gerechnet werden muss, dürften darum im Vergleich zur Vergangenheit häufiger werden, erklärt Nisi.
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