SPD im Ruhrgebiet: Noch da, wieder da? Jedenfalls nicht weg
SPD-Parteichef Klingbeil hat am Samstag den Mitgliederkonvent der Ruhr-SPD besucht. Nach dem Rücktritt von Co-Parteichefin Bas ging es bei der SPD-Basis um den zukünftigen Kurs der Partei.
07.11.2026 | 1:32 minDie gute alte Zeit - zumindest die Erinnerung daran lebt in Bochum. Draußen lässt der mächtige Förderturm alles andere klein wirken. Und drinnen im Bergbaumuseum versammeln sich die Genossen und vergewissern sich, dass sie noch da sind. Oder wieder da sind. Jedenfalls nicht weg.
Die SPD war im Ruhrgebiet mal so stark, dass von der Herzkammer der Sozialdemokratie die Rede war. Jetzt dümpelt sie in NRW-weiten Umfragen bei 14 bis 18 Prozent. So ein Ergebnis wäre bei der Landtagswahl in einem knappen halben Jahr ein historischer Tiefpunkt. Deshalb verordnen sich die Genossen den Auftrag: kämpfen! Spitzenkandidat Jochen Ott setzt den Ton:
Im April wird NRW wieder rot, weil die Mehrheit der Menschen eine sozialdemokratische Alternative zum Stillstand der letzten fünf Jahre braucht.
Jochen Ott, SPD-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen
Ruhr-SPD kritisiert schwarz-rote Koalition scharf
Kämpfen - dem Aufruf kann sich der Bundesvorsitzende Lars Klingbeil anschließen - auch in eigener Sache. In der Berliner Bundesregierung ist das aber genauso kompliziert wie in seiner Partei selbst. Noch hat Klingbeil nicht bekannt gegeben, ob er im Januar eine Wiederwahl als SPD-Chef anstrebt. Aber klar ist: Dafür bräuchte er die Unterstützung des größten Landesverbandes. NRW schickt ein Viertel der Delegierten auf den Parteitag.
Wichtig also: Was will die SPD im Ruhrgebiet? In den vergangenen Monaten war zumindest laut zu hören, was sie nicht will: weiter so. Kanzler Friedrich Merz wurde aufgefordert, mehr Demut und Respekt zu zeigen. Und der gesamten Bundesregierung, also Schwarz wie Rot, wurden eine "schwere Vertrauenskrise" und zahlreiche Fehler attestiert. In konkreten Fragen wie etwa der Rentenreform befanden die NRWler soziale Defizite.
Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas als Co-Vorsitzende der SPD will die Partei im Dezember oder Januar eine neue Spitze wählen. ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Diana Zimmermann mit einer Einordnung.
12.10.2026 | 1:13 minKlingbeil: "SPD muss zeigen, dass sie lebendig ist"
Das eigene Führungspersonal bekam Post mit klarer Kritik. Allen voran Lars Klingbeil. Der ruft heute in den Saal: "Ich will diskutieren, ich will Debatte, ich will auch mal Streit. Die SPD muss zeigen, dass sie lebendig ist."
Nehmt kein Blatt vor den Mund, wenn ihr mit mir diskutiert. Ich bin der SPD-Vorsitzende, ich muss das alles aushalten.
Lars Klingbeil, SPD-Chef
Die Ruhr-Genossen lassen sich das nicht zweimal sagen. "Deine Profillosigkeit" stört Michelle Gnatzy an Klingbeil. Und Dirk Riedel sagt ihm: "Botschaft an dich: Du musst klare Kante zeigen, eine Haltung."
Viele stoßen sich auch an der Doppelrolle in Regierung und Partei. Auch das zielt direkt auf Klingbeil, nachdem sich Bärbel Bas aus der Führung abgemeldet hat. Aus NRW-Perspektive "ausgerechnet" Bärbel Bas. Denn die Duisburgerin war - bei aller Kritik - doch ein nordrhein-westfälisches Gewicht in der SPD-Spitze.
Neben persönlichen Gründen begründet Bärbel Bas ihren Rücktritt mit öffentlichen Angriffen, die Lars Klingbeil als "unanständig" bewertet. Das Statement des SPD-Chefs bei ZDFheute live.
12.10.2026 | 10:23 minMinisterpräsident Wüst könnte SPD nach der Wahl brauchen
Vieles mag also auf den ersten Blick nicht erbaulich wirken für die SPD in Nordrhein-Westfalen. Aber trotzdem gibt es Optionen. Vor allem weil Platzhirsch Hendrik Wüst mit seiner CDU den Berliner Gegenwind nun auch zu spüren bekommt.
Er könnte die SPD nach der Wahl brauchen. Nach zehn Jahren Opposition wäre da also wieder die Chance auf Macht. Und vielleicht ergeben die Rechenspiele nach der Wahl ja sogar eine Option auf Rot-Grün-Rot.
Der Rücktritt von SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bas könne für die SPD und die Koalition ein positiver Neuanfang sein, erklärt Publizist Albrecht von Lucke bei ZDFheute live.
12.10.2026 | 15:49 minRuhr-SPD-Chef: Forderungen sollen nicht in "Schublade landen"
Für ein brauchbares Ergebnis im Bundesland braucht die SPD jedenfalls ein brauchbares Ergebnis im Ruhrgebiet. Angst um Arbeit, Sorge vor Armut und Abstieg - das ist aktuell aber wohl vor allem für die AfD ein fruchtbarer Boden im größten Ballungsraum der Republik. Viele Genossen an der Ruhr wollen eine stärker sozial orientierte Politik dagegensetzen.
Ihre Forderungen nach fairen Mieten, mehr Mitteln für die Kommunen, besserer Bildung bleiben dann aber doch so allgemein, dass auch Parteichef Klingbeil keine Schwierigkeiten hat, sie "mit nach Berlin zu nehmen". Martin Murrack, Vorsitzender der Ruhr-SPD, gibt ihm sicherheitshalber noch mit auf den Weg: "Unsere Ergebnisse dürfen nicht in irgendeiner Schublade landen." Und schiebt hinterher: "Im Übrigen haben wir auch viele Delegierte auf den Parteitagen."
Normen Odenthal ist Leiter des ZDF-Landesstudios in Nordrhein-Westfalen.
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