Tiefe Wasserpegel – Wassermangel in der Schweiz: «Es müsste jetzt monatelang regnen»

Ein Blick auf die Pegelstände von Flüssen und Seen sowie in den Untergrund zeigt: Wasser bleibt in der Schweiz knapp. Weil bereits der vergangene Winter niederschlagsarm war und ein trockener Sommer folgte, konnte sich kaum neues Grundwasser bilden.
Einige Städte und Gemeinden sind absolut am Anschlag.
«Gleichzeitig haben wir im heissen Sommer in grossem Masse Grundwasser entnommen und für die Trinkwasserversorgung, teilweise auch für die Landwirtschaft und andere Zwecke verwendet», erklärt Klaus Lanz. Er ist Wasserforscher und führt ein unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut in Evilard BE.
Wasser wurde zu wenig haushälterisch genutzt
Die Entnahmen führen dazu, dass die Grundwasserspiegel kontinuierlich sinken – auch weiterhin. «Einige Städte und Gemeinden sind absolut am Anschlag», sagt Lanz. Besonders jene Gemeinden, die sich mit Quellwasser versorgen, seien betroffen.
Der Wasserforscher ordnet die Dimensionen ein: «Das sind riesige Wassermengen, die jetzt fehlen. In den Flüssen, in den Seen und auch in der ganzen Landschaft und im Grundwasser.» Es müsse monatelang regnen, um die Speicher bis zum Frühjahr wieder aufzufüllen, so Lanz. Kurze Schauer, wie sie für die aktuelle Woche erwartet werden, können dieses Defizit nicht ausgleichen.
Wir werden in den nächsten Sommer mit einem gewissen Wasserdefizit starten.
Das Wasser wurde laut Klaus Lanz im Sommer zu wenig haushälterisch genutzt: «Wir haben so getan, als wäre es ein normaler Sommer, und haben so viel genommen, wie wir gebraucht haben.»
Das wirkt sich nun direkt auf die kommenden Monate aus. Die Reserven sind nahezu aufgebraucht, die Erholung der Speicher braucht Zeit. Insbesondere, weil die Monate September und Oktober sowieso zu den trockensten des Jahres gehören. «Ich würde nicht davon ausgehen, dass wir bis zum nächsten Frühjahr unsere Wasserressourcen wieder auffüllen können. Da müssten wir schon sehr viel Glück haben, wenn das passiert», stellt Lanz fest.
Mit Wasserdefizit ins 2027
Für das Folgejahr bedeutet dies: «Wir werden in den nächsten Sommer schon mit einem gewissen Wasserdefizit starten. Und das ist natürlich keine gute Aussicht.»
Vor diesem Hintergrund rückt die Frage nach dem künftigen Umgang mit den Wasserressourcen ins Zentrum: «Wir können es uns nicht leisten, weiter davon auszugehen, dass das Wasser in der Schweiz zu jeder Zeit in jeder Menge verfügbar ist», so Wasserforscher Klaus Lanz. Es brauche darum einen sorgsameren Umgang mit dem Wasser und einen besseren Gewässerschutz. «Es muss auf jeden Fall jetzt gehandelt werden.»
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