Neues Album – Bliggs Schlussstrich unter ein musikalisches Kapitel

Nach dreissig Jahren, über 300 Songs und rund zwei Dutzend Alben zieht eine Konstante der Schweizer Popmusik den Schlussstrich unter ein musikalisches Kapitel.
Mit seinem letzten Studioalbum «The Bligg Picture» blickt Bligg auf drei Jahrzehnte Musikgeschichte zurück. Im Zentrum steht dabei nicht die Suche nach dem Nächsten, sondern der Blick auf das grosse Ganze: auf Erfolge und Rückschläge, Wegbegleiter, Familie und die Geschichten, die sich in dreissig Jahren angesammelt haben. «The Bligg Picture» ordnet diese Stationen neu und zeichnet das bisher persönlichste Bild einer grossen Karriere.
Wer ist Bligg heute?
Früher war die Antwort einfacher. Bligg ist der Mundart-Rapper. Dann der Hitliferant. Später der Musiker, der den Schweizer Pop über Jahre mitprägte. Heute wirkt er wie jemand, der keine Rolle mehr spielen muss. Die grossen Hallen hat er gespielt, die Charts angeführt und dabei Generationen von Fans erreicht.
Mit seinem letzten Studioalbum stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob Bligg noch relevant ist. Sondern, was er noch erzählen will. So begegnet man auf «The Bligg Picture» nicht nur dem Entertainer, sondern auch dem Familienvater und Ehemann Marco Bliggensdorfer, wie er mit vollem Namen heisst. Die Karriere erscheint auf dem Album nicht als Aneinanderreihung von Hits, sondern als Teil einer grösseren Lebensgeschichte.
Vom Rapper zum Geschichtenerzähler
Die Entwicklung von Bligg scheint sich auch in seinem Songwriting widerzuspiegeln. Wenn er früher noch mit einer «Ich Chef, du nix»-Attitude rappte, scheint ihn heute vor allem das Erzählen zu interessieren. Viele Songs auf «The Bligg Picture» präsentieren sich als Momentaufnahme aus seinem Leben.
Auf «Galerie» betrachtet er seine Karriere wie eine Ausstellung der eigenen Erinnerungen. Der Song «Hallo Neuland» hingegen wird zum Gegenstück des Rückblickens auf dem Album. Andere Songs erzählen von Familie, Freundschaften oder dem Älterwerden. Bligg schreibt diese Geschichten, verpackt in Songs, aus der Perspektive eines Menschen, der gelernt hat, dass sich im Leben nicht alles planen lässt.
Abschied ohne Abschiedsstimmung
Dabei blickt Bligg nicht nur zurück, er stellt sich auch die Frage, was nach dreissig Jahren Musik noch kommen soll.
Das Ganze loszulassen, hat Mut erfordert.
Statt Jubiläumsnostalgie steht die Bereitschaft im Zentrum, sich auf Neues einzulassen. Das Album wirkt so weniger wie ein Schlusspunkt als ein Perspektivenwechsel.
Was nach dem Album kommt, lässt Bligg bewusst offen. Fest steht: Er will Raum für neue Kapitel schaffen. Neue Kapitel, in denen Bligg vielleicht mal nicht der Hauptdarsteller ist: «Mit dem Team und den Leuten, die ich um mich habe, kann ich auch komplett etwas anderes machen.»
Dass «The Bligg Picture» sein letztes Konzeptalbum in dieser Form sein soll, bedeutet deshalb nicht das Ende von Bligg, vielmehr verabschiedet er sich von einer Arbeitsweise, die ihn über Jahrzehnte geprägt hat. Statt Abschiedsstimmung dominiert Neugier.
Bligg selbst fasst das so zusammen: «Ich habe die letzten dreissig Jahre immer ein bis zwei Jahre im Voraus geplant. Es war perfekt, wie es bis jetzt gewesen ist, aber den Plan keinen Plan zu haben, ist auch geil.»
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