Weltmeister auf dem Trampolin – «Für Klicks mache ich keine gefährlicheren Stunts»

Der 21-jährige Berner Robin Steiner ist Extremsportler. Seit sechs Jahren prägt er den noch jungen Sport Freestyle-Trampolin massgeblich. «Er ist eine Koryphäe», sagt der ehemalige Profi-Freestyle-Skifahrer Jonas Hunziker über ihn.
Zum Trampolin kommt Steiner in einer schwierigen Phase seiner Kindheit. Seine Eltern trennen sich. Er fühlt sich in dieser Zeit «verloren zwischen Stuhl und Bank in der Schule». Im Quartier gibt es ein Trampolin, das alle benutzen dürfen. Robin geht täglich nach der Schule dorthin.
Die schnellen Fortschritte auf dem Trampolin geben ihm Kraft und helfen, die Krise zu überwinden.
Der Einfluss von Social Media
«Ohne Social Media wäre Freestyle-Trampolin nie so gewachsen», so Steiner. Als Randsportart sei die sogenannte Flipper-Szene schlicht zu klein fürs TV. Millionenfach geklickte Clips auf Instagram und Tiktok haben ihm Reisen, Begegnungen und Auftritte ermöglicht.
Es gibt aber auch eine Kehrseite. «Ich weiss, es gibt leider immer wieder Leute, die sich durch Social Media verleiten lassen, sehr dumme Sachen zu machen.» Dabei sehen sie oft nicht, wie viel Vorbereitung, Erfahrung und jahrelanges Training hinter den Tricks stecken.
Weltrekord!
Seit ein paar Jahren springt Robin nicht nur auf dem Trampolin, sondern auch von Klippen als Freestyle-Cliffdiver. Auch im sogenannten Blo Jumping hat er im August einen neuen Weltrekord aufgestellt – mit einer Höhe von 28.20 Metern wurde er von einem Luftkissen im See in die Luft katapultiert.
«Was leider vielfach vorkommt, ist, dass wir als Athleten als Idioten oder als leichtsinnig angesehen werden.» Auch ihnen möchte er bewusst machen, dass hinter den spektakulären Stunts jahrelange Arbeit steckt.
Klein anfangen
Steiner freut sich, wenn in der Trampolinhalle junge «Flipper» auf ihn zukommen. Er will motivieren und inspirieren. Aber mit einer klaren Botschaft: «Nicht direkt auf 20 Meter einen Sprung machen.» Für ihn ist genau das der Unterschied zwischen einem professionellen Athleten und, wie er es nennt, einem «absoluten Vollidioten».
Diese Haltung lebt er auch in der Trampolinhalle vor. «Er hilft jedem mit seinen Tricks», sagt Jonas Hunziker, «egal ob er oder sie den ersten Backflip macht.»
Zwei junge Flipper, Amir und Mattia, spüren das: «Ich habe sehr viele Videos von ihm gesehen und das hat mich zu dieser Sportart gebracht», sagt Amir. Mattia ergänzt: «Ich empfinde es als sehr cool, dass er auf die Junioren zugeht. Ich glaube, er hat schon einen recht grossen Einfluss.»
«Ich muss niemandem mehr etwas beweisen»
Was Steiner von anderen unterscheidet, versucht Hallenbetreiber Marcel Meier zu erklären. Er spricht von einer idealen Kombination aus Körperspannung, Körperintelligenz und einem «idealen Risikoprofil», das ihn seltener verletzen lasse. Zudem hätten ökonomische und soziale Faktoren einen Einfluss. Entscheidend für seinen Erfolg sei die Unterstützung aus dem Elternhaus: «Seine Eltern sagten ihm: ‹Leb das aus, solange es für dich stimmt.›»
Verletzt hat sich Steiner kaum. Nur einmal brach er sich bei einem Sturz das Jochbein im Gesicht. Rückblickend sagt er: «Ich bin offen gesagt froh, dass mir das passiert ist, weil ich bis dahin meine Grenzen nicht kannte.»
Seither verlässt er sich konsequent auf sein Bauchgefühl. Er mache nicht noch dümmere, krassere und gefährlichere Stunts nur für mehr Klicks: «Ich muss niemandem mehr etwas beweisen.»
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