Knatsch in Walliser Bergdorf: Einflussreiche Unternehmerfamilie blockiert neue Gondelbahn
Knatsch in Walliser Bergdorf
Einflussreiche Unternehmerfamilie blockiert neue Gondelbahn
Eine neue Gondelbahn soll den Tourismus im Oberwalliser Bergdorf Bellwald ankurbeln. Doch ein Familienunternehmen bekämpft das 25-Millionen-Projekt seit 2022. Jetzt muss sich das Bundesgericht damit befassen – zum grossen Ärger in Bellwald.
Publiziert: vor 11 Minuten
Aktualisiert: vor 3 Minuten
Darum gehts
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- In Bellwald VS ist eine 25-Millionen-Franken-Gondelbahn geplant
- Volken Group wehrt sich seit 2022 wegen Grundstücken und Campingplatz gegen Bau
- Ein Jahr Verzögerung erwartet, Schulkinder weiter mit langen Schulwegen
Robin WegmüllerRedaktor Wirtschaft
In Bellwald VS herrscht noch Schweizer Bergidylle – eigentlich. Für das 350-Seelen-Dorf im Oberwallis ist der Tourismus ein wichtiges Standbein. Darum wünscht man sich schon länger eine vernünftige Anbindung an den öffentlichen Verkehr im Tal gelegenen Fiesch VS. Das Projekt ist vorhanden: Eine Gondelbahn vom ÖV-Hub in Fiesch soll die Gäste direkt zum Skigebiet bringen. Im Bergdorf soll es zudem eine Mittelstation geben. Die Bahn kostet 25 Millionen Franken. Aber die geplante Anlage sorgt für Knatsch in Bellwald.
Denn von der Realisierung der Gondelbahn sind die Gemeinden noch ein gutes Stück entfernt, wie der «Walliser Bote» berichtet. Der Grund: ein seit vier Jahren anhaltender Rechtsstreit. 2022 reichten mehrere Firmen der Volken Group Einsprache ein. Das Familien-Bauunternehmen, aufgebaut von Franz-Josef Volken (79), gehört zu den grössten Firmen im Oberwallis. Kürzlich ist sie vor dem Kantonsgericht abgeblitzt. Jetzt zieht die Familie Volken die Einsprache aber ans Bundesgericht weiter.
Familie spricht von «unzumutbaren Nachteilen»
Warum bekämpft die einflussreiche Familie das Seilbahn-Projekt? Sie hält sich zu den Gründen bedeckt, gibt keine Auskunft. Einen Einblick liefert aber das Urteil des Kantonsgerichts vom 2. Juli. Die Gegner stören sich vor allem an der geplanten Linie der Gondelbahn. Diese soll nämlich über das Firmengrundstück und den von der Familie Volken betriebenen Camping Eggishorn führen. Sie sprechen laut dem Urteil von «unzumutbaren Nachteilen». Etwa könnten die Lärmgrenzwerte nicht eingehalten werden. Und: Weil die geplante Bahn über ihr Werk führe, seien Gebäude und Mitarbeiter durch herabfallende Gegenstände gefährdet.
Derweil sorgt die Einsprache in den zwei Walliser Gemeinden für grosse Enttäuschung. Bisher ist Bellwald nur über eine veraltete Luftseilbahn ans ÖV-Netz im Tal angebunden. Neben dem touristischen Schwung für die ganze Region würde die neue Gondelbahn auch den Alltag vieler Familien vereinfachen. Für die Bellwaldner Schulkinder würde das nämlich bedeuten, dass sie über Mittag nach Hause kommen können.
Entsprechend verärgert ist Jeannine Burgener, Gemeindepräsidentin von Bellwald: «Wer die Familie Volken kennt, musste damit rechnen, dass sie den Rechtsweg weiterzieht. Das hat sie auch bei anderen Projekten getan», sagte sie zum «Walliser Boten.» Sie geht von einer weiteren Verzögerung von mindestens einem Jahr aus. «Für die Schulkinder bedeutet das ein weiteres Jahr mit einem längeren Schulweg.» Auf Anfrage von Blick will Burgener keine weitere Auskunft geben – wegen des laufenden Verfahrens. Die im Bericht getätigten Aussagen «geben unsere Haltung aus meiner Sicht ausreichend wieder», so die Gemeindepräsidentin.
Weiteres Grossprojekt steht an
Ein Weiterer, der in Bellwald mit der grossen Kehle anrührt, ist Hans Ritz (68). Mit seinem Architekturbüro und seiner Immobilienfirma hat er bereits zahlreiche Überbauungen realisiert. Jetzt möchte er aber alles in den Schatten stellen – und plant ein Hotelkomplex mit 198 Betten. Entstehen soll dieser an bester Lage, wenige Hundert Meter von der Talstation des 6er-Sessellifts des Skigebiets.
80 Millionen Franken soll das Mega-Projekt namens «Ferienpark Relief» kosten. Dafür will Ritz Investoren ins Boot holen. Sein Bauvorhaben ist auch an die Hoffnung geknüpft, dass Bellwald bald die ersehnte Gondelbahn bekommt. «Diese infrastrukturellen Entwicklungen machen den Ferienpark Relief heute wesentlich realistischer und nachhaltiger», sagte Ritz Ende letztes Jahr zu Blick. Was heisst der Weiterzug der Einsprache nun für sein Bauvorhaben? Auf eine Anfrage von Blick hat die Architekten-Ikone bislang nicht reagiert. Klar ist aber: Auch er muss länger auf die neue Seilbahn warten. Dabei soll bereits 2027 der Startschuss für das 200-Betten-Hotel fallen.
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