Aldi schliesst wichtige City-Filialen – das steckt dahinter

Bern, Zürich und Basel
Aldi schliesst wichtige City-Filialen – das steckt dahinter
Aldi zieht sich vollständig aus der Berner Altstadt zurück: Nach der Schliessung am Kornhausplatz macht am 28. November auch die Filiale an der Spitalgasse zu. In anderen Städten zeigt sich ein ähnliches Bild: Aldi steht auf die Bremse. Blick ordnet mit Experten ein.
Publiziert: 14:16 Uhr
Aktualisiert: vor 17 Minuten
- Aldi verlässt die Berner Altstadt, schliesst Spitalgasse-Filiale am 28. November
- Grund: Standort logistisch schwierig, Migros übernimmt 400 m² grosses Geschäft
- Aldi plant Rückbau: Fokus auf günstige Standorte, Eigenmarken und Effizienz
Aldi gibt die Berner Innenstadt auf. Nachdem der Discounter bereits seine Filiale am Kornhausplatz geschlossen hat, geht bald auch der zweite Standort zu: Am 28. November ist an der Spitalgasse Schluss, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Damit verschwindet Aldi nach nur wenigen Jahren wieder komplett aus der Altstadt.
Als Grund nennt Aldi die schwierigen Bedingungen am Standort. Die Filiale sei «kleinflächig und logistisch schwer zu beliefern». Als Discounter sei man auf effiziente Abläufe und tiefe Kosten angewiesen. Bei der Optimierung des Filialnetzes konzentriere man sich deshalb auf Standorte, die langfristig wirtschaftlich attraktiv seien. Lange leer bleibt der 400 Quadratmeter grosse Laden an bester Lage aber nicht: Die Migros übernimmt.
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Auffällig: Bern ist kein Einzelfall. Auch in Zürich hat Aldi einen zentralen City-Standort an der Sihlstrasse unweit der Bahnhofstrasse aufgegeben. Die zweistöckige Zürcher Vorzeigefiliale ist seit dem Frühling Geschichte. Zu den Gründen wollte sich die Medienstelle von Aldi Suisse damals nicht äussern. Und: Eine geplante Filiale im Bahnhof Basel wurde gar nicht erst eröffnet. Der Laden im Glattzentrum in Wallisellen ZH ist ebenfalls Geschichte.
«Aldi muss sich schon etwas einfallen lassen»
Detailhandelsexperte Jörg Staudacher (50) überrascht der Rückzug aus den Städten nicht: Gerade auf kleinen Innenstadtflächen sei es für Discounter schwierig, ihr klassisches Modell auszuspielen. Das Problem sei dabei nicht der Discounter an sich, erklärt Staudacher, «sondern wie das Sortiment aussieht». Gerade an zentralen Lagen seien Produkte für den schnellen und bequemen Einkauf gefragt. «Da sind Discounter aufgrund ihres begrenzten Angebots im Nachteil», so der Experte.
Wollen die Discounter auch in den Städten weiter wachsen, müssen sie sich laut Staudacher stärker um die wachsende Zahl der Convenience-Kunden bemühen. Doch dafür braucht es passende Konzepte – und genau daran hapert es aus Sicht des Experten. «Coop und Migros haben solche Konzepte. Einfach nur Copy-Paste von Aldi und Co. war wohl zu wenig, um zu überzeugen.» Seine Ansage: «Discounter müssen sich gegenüber Coop Pronto und Migrolino schon etwas einfallen lassen – oder diesen Markt den anderen überlassen.» Zwar könnten auch die Discounter entsprechende Innenstadtformate entwickeln. Aber: «Für Aldi ist das im Moment nicht der Fokus.»
Ob Aldi diese Auffassung teilt und den Innenstädten tatsächlich den Rücken kehren will, ist offen. Eine entsprechende Anfrage von Blick ist offen.
Kein Schnickschnack, tiefe Preise
Bereits Ende Mai hat Aldi-Chef Jérôme Meyer (46) in einer Medienmitteilung jedoch einen massiven Rückbau angekündigt. Bei Sortiment, bei Filialen und in der Strategie. Er will Aldi zurück zu den knallharten Discounterwurzeln führen – ohne Schnickschnack, aber mit tiefen Preisen. Das sind die Eckpunkte:
- Keine teuren Filialstandorte mehr, Objekte wie die Vorzeigefiliale an der Zürcher Bahnhofstrasse werden geschlossen. So spart Aldi hohe Mietkosten.
- Keine Nischenartikel mehr, zudem wird der Fokus auf Eigenmarken statt auf teure Markenartikel gesetzt. So kann Aldi Vorteile bei der Beschaffung innerhalb des ganzen Konzerns ausspielen. Um beliebte Marken wie Coca-Cola, Thomy und Co. dürfte der Discounter auch in Zukunft nicht herumkommen.
- Einkaufen beschleunigen: Die Filialen sollen so umgebaut werden, dass Kundinnen und Kunden die Produkte schneller finden. «Mehr Klarheit am Regal», heisst die Devise. Selbiges hat Lidl vor kurzem ebenfalls angekündigt.
- Keine Loyalty-Programme, keine Kundenbindung, kein aufwendiges Datensammeln.
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