Schmutziger US-Senatswahlkampf: Diese fünf Midterm-Kandidaten sind besonders umstritten
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Schmutziger US-SenatswahlkampfDiese fünf Midterm-Kandidaten sind besonders umstritten
24.10.2026, 07:41 Uhr
Von Gregor Rittelmeyer
Der Ton im Wahlkampf für die US-Zwischenwahlen ist rau. Dutzende Millionen Dollar werden ausgegeben, um die jeweiligen Gegenkandidaten zu diskreditieren. Mehrere entscheidende Rennen für den Senat stehen Spitz auf Knopf.
Ein mutmaßlicher Dieb und Betrüger. Ein Arzt, der seine Patienten verklagt. Eine, die ihre Mitarbeiter zwingt, ihr Chamäleon zu füttern. Ein anderer, der in einen Bestechungsskandal verwickelt ist. Und einer, der wegen seines Glaubens und Namens heraussticht: Bei den US-amerikanischen Zwischenwahlen stechen fünf kontroverse Kandidaten heraus. Ein Überblick.
Eine Betrugsklage, Vorwürfe über Einschüchterung und Korruption sowie eine außereheliche Affäre: Bei den Republikanern ist der wohl umstrittenste Kandidat bei den Kongresswahlen am 3. November der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton. Künftig will er den Bundesstaat im US-Senat vertreten. Im aktuellen Umfrageschnitt liegt der 63-Jährige knapp hinter seinem demokratischen Kontrahenten James Talarico.
Paxton wird von US-Präsident Donald Trump, der jedoch sehr unbeliebt ist. Zudem kämpft der Senatskandidat mit mehreren persönlichen Skandalen. Die reichen von mutmaßlichem Diebstahl eines 1000 Dollar teuren Kugelschreibers und einer Betrugsklage von Investoren aus seiner Zeit als Abgeordneter bis zu seinen Mitarbeitern, die ihn wegen Bestechlichkeit und Einschüchterung beim FBI anzeigten. Letzteres führte 2023 zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen ihn als Generalstaatsanwalt und Justizminister von Texas: Einer parlamentarischen Untersuchungskommission zufolge übte Paxton Druck auf seine Mitarbeiter aus, um einen Freund und Geldgeber vor gerichtlicher Verfolgung zu schützen. Der Geldgeber soll im Gegenzug einer außerehelichen Affäre Paxtons eine Arbeitsstelle beschafft und Arbeiten an Paxtons eigenem Haus bezahlt haben.
Die Affäre soll er 2018 seiner damaligen Frau gebeichtet haben - unter Anwesenheit seiner Mitarbeiter. Sie reichte 2025 die Scheidung aus "biblischen Gründen" ein. Bei vielen Texanerinnen ist der sich stets christlich gebende Konservative laut Umfragen unbeliebt. Einer der Gründe ist seine Unterstützung für die Abschaffung des allgemeinen Abtreibungsrechts. Nachdem das Oberste Gericht 2022 entsprechend entschieden hatte, gab Paxton seinen Mitarbeitern einen Tag bezahlten Urlaub. Zum Feiern.
Von allen Kongressrennen ist Paxtons Wahlkampf das teuerste. Die Stimmen der vielen Latinos werden Experten zufolge entscheidend sein. Traditionell wählen sie mehrheitlich konservativ und republikanisch. Paxtons harte Anti-Einwanderungspolitik sowie seine Behauptungen, dass Latino-Organisationen den Wahlprozess unterwandern würden, haben ihn in dieser Wählergruppe aber unbeliebt gemacht. Deshalb könnte der erste demokratische Senator in Texas seit mehr als 30 Jahren James Talarico heißen.
Prominente Unterstützung erhält auch der Gynäkologe und Republikaner Roger Marshall, der im Bundesstaat Kansas seinen Senatssitz verteidigt. "Dr. Marshall setzte sich jeden Tag im Senat für die einfachen Amerikaner ein", sagte Vizepräsident JD Vance bei einem Wahlkampfauftritt im September.
Als er das sagte, schrie jemand, dass Marshall seine Patienten verklage. Der Mann spielte auf Marshalls Zeit als praktizierender Frauenarzt an. Patientinnen zufolge verlangte Marshall für jährliche Ratenzahlungen routinemäßig 18 Prozent Zinsen. In dieser Zeit verklagte er Hunderte Patientinnen, die Marshalls Rechnungen nicht bezahlen konnten, wie die "New York Times" berichtete. Manche Bankkonten von Betroffenen seien wegen Zahlungsverzugs gepfändet worden, mehrere sogar verhaftet worden. Die Demokraten im Bundesstaat attackieren Marshall mit Werbeclips, in denen sie daran erinnern.
Vor allem sind die Wähler des ländlichen Bundesstaats aber unzufrieden mit den gestiegenen Treibstoffpreisen und die Landwirte mit Trumps Zollvolten. In den Umfragen hat Marshall deutlich an Zustimmung eingebüßt. Momentan liegt er gleichauf mit dem Pastor Adam Hamilton, der für die Demokraten antritt. In dem zuvor republikanisch dominierten Bundesstaat hat seit 1932 kein Demokrat mehr einen Senatssitz ergattert. Das könnte sich am 3. November ändern.
Von den Demokraten ist Abdul El-Sayed der wohl umstrittenste Kandidat. Der 41-Jährige bietet als Epidemiologe und Muslim viel Angriffsfläche, auf die sein republikanischer Widersacher Mike Rogers und Präsident Trump stetig abzielen. Letzterer nannte El-Sayed mehrmals einen Dschihadisten. Rogers fährt eine ähnliche Strategie und deutete in einer Fernsehdebatte an, El-Sayed habe Familienmitglieder, die unter staatlicher Beobachtung stünden.
Der muslimische und politisch progressive Kandidat ist für die Wähler im Bundesstaat Michigan, die seit 1994 nur demokratische Senatoren nach Washington geschickt haben, keine leichte Wahl. In Umfragen liegt El-Sayed nur knapp vor seinem Kontrahenten Rogers, obwohl seine Kritik an den gestiegenen Preisen und sein Kernversprechen einer medizinischen Grundversorgung auf breite Zustimmung stoßen. Wie knapp das Rennen ist, zeigt auch das finanzielle Ausmaß: Mit geschätzten 250 Millionen Dollar Wahlkampfausgaben handelt es sich um das teuerste Senatsrennen in der Geschichte Michigans.
Ebenfalls umstritten ist Mary Peltola, die Alaska im US-Senat vertreten will. Bis 2025 vertrat die Demokratin den flächenmäßig größten Bundesstaat bereits im Repräsentantenhaus. Ehemalige Mitarbeiter beschuldigen sie nun, einen Angestellten geschubst und andere beschimpft zu haben, schrieb die "New York Times". Demnach soll sie plötzliche Wutausbrüche gehabt und dabei Mitarbeiter mehrmals als "Schwuchtel" beleidigt haben. Einen Unternehmer soll sie zudem als "zurückgeblieben" bezeichnet haben.
Peltolas Wahlkampfteam hat die Vorwürfe nur teilweise zurückgewiesen und ihre Ausraster damit verteidigt, dass sie durch den plötzlichen Tod ihres Mannes mit ihrer gleichzeitigen Abgeordnetenarbeit enormen Stress ausgesetzt gewesen sei. Die Geschichte erzeugte im Bundesstaat viel Aufregung. Momentan liegt Peltola vor dem republikanischen Amtsinhaber Dan S. Sullivan. Ebenso wie anderswo sind die geplanten Wahlkampfausgaben beider Parteien und ihrer Unterstützerorganisationen deutlich höher als die vergangener Senatsrennen in dem bevölkerungsarmen Bundesstaat.
Neben Texas ist Ohio das teuerste Senatsrennen der Midterms. Dort verteidigt der Republikaner Jon Husted seinen Sitz gegen den Demokraten Sherrod Brown. Husted ist in einen Korruptionsskandal im Zusammenhang mit einem Gesetz zur Rettung der Atomindustrie verwickelt. Die Verabschiedung des Gesetzes 2019 nützte zuvorderst dem Energieunternehmen First Energy. Später stellte sich heraus, dass die Firma mehreren Abgeordneten in Ohio rund 60 Millionen Dollar gezahlt hatte. Der damalige Sprecher des Repräsentantenhauses in Ohio, Larry Householder, wurde deswegen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Ehemalige Führungskräfte des Energiekonzerns müssen sich derzeit ebenfalls verantworten.
Angeklagt ist Husted deshalb nicht, er wurde aber als Zeuge vernommen. Aus SMS-Nachrichten ging hervor, dass der Republikaner in direktem Kontakt mit dem Unternehmen stand und die Rettungsmaßnahme unterstützte.
Die Demokraten attackieren Husted mit den Vorwürfen in Fernsehwerbespots und beschuldigen ihn der Korruption. Zudem hält ihm Demokrat Brown immer wieder vor, in Washington nicht nur gegen die Veröffentlichung der Akten über den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gestimmt, sondern auch Spenden von Epstein-Vertrauten angenommen zu haben. Die Anschuldigungen verunsichern die Wähler offenbar: Nach anfänglichem Vorsprung hat Husted in den Umfragen eingebüßt und liegt nun knapp hinter Brown.
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