Invasiver Neophyt – Sommerflieder – falscher Freund von Schweizer Schmetterlingen

Der Sommerflieder ist ein Schlaraffenland für Insekten, besonders für Schmetterlinge. An sonnigen Tagen flattern sie zu Dutzenden um seine violetten Blüten und laben sich am Nektar.
Trotzdem oder gerade deshalb ist der Sommerflieder bei Fachleuten gar nicht gern gesehen. Seit zwei Jahren sind der Verkauf und die Weitergabe in der Schweiz verboten. Die Pflanze, die ursprünglich aus China kommt, gilt hierzulande als invasiver Neophyt.
Rasante Verbreitung
Wie schnell sich der Sommerflieder in der Schweiz ausbreitet, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Kriens im Kanton Luzern. Dort wurde im Gebiet Blattig im letzten Sommer wegen notwendiger Sanierungsarbeiten ein Weiher trockengelegt. Ein Jahr später war die Fläche mit Sommerflieder übersät.
«Gut 5000 Pflänzchen haben wir ausgerissen», sagt Guido Huser, der Leiter einer Freiwilligengruppe, die sich regelmässig trifft, um Neophyten zu bekämpfen. «Das ist wirklich unglaublich. Es hat uns in unserer Mission bestärkt.» Sechs Wochen später schauten sie erneut vorbei und entfernten wiederum Hunderte junge Sommerflieder.
Monokultur verdrängt Vielfalt
Die Pflanze breite sich enorm schnell aus, sagt Guido Huser. «Ein grosser Strauch hat rund drei Millionen Samen, allein pro Dolde sind es Zehntausende.» Die flugfähigen Samen werden vom Wind verbreitet.
Man könnte meinen, der Sommerflieder sei wenigstens gut für die heimischen Insekten, die sich an seinem Nektar erfreuen. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Marie-Louise Kieffer von der Luzerner Umweltberatung. «Das Problem ist, dass der Sommerflieder gern artenreiche Lebensräume besiedelt und dort eine Monokultur bildet.»
Besonders auf offenen Flächen wie bei einem Bachlauf, auf einer Kiesbank oder auf einer Waldlichtung verdrängt die invasive Pflanze heimische Arten. «Dabei verschwinden unter anderem Futterpflanzen für bedrohte Schmetterlingsarten», so Kieffer.
Weg damit!
Viele Schmetterlinge sind auf eine bestimmte Futter- und Wirtspflanze spezialisiert. Wenn diese vom Sommerflieder verdrängt wird, verschwindet auch die spezifische Schmetterlingsart. «Beim Sommerflieder selbst finden die ausgewachsenen Schmetterlinge zwar Nahrung, die Raupen jedoch verhungern an diesem Strauch.»
Einheimische Alternativen
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Es sei ein Leichtes, den Sommerflieder im eigenen Garten durch ähnlich schöne, heimische Pflanzen zu ersetzen, sagt Marie-Louise Kieffer von der Luzerner Umweltberatung. «Der Wasserdost zum Beispiel hat einen ähnlichen Blütenzeitpunkt.» Er sei zwar kein Strauch, aber eine Staude, die ziemlich hoch werden kann.
«Auch der Blutweiderich ist super und blüht lange im Sommer.» Dann gebe es verschiedene Sträucher, die sich anbieten: «Weissdorn, Schwarzdorn und Wildrosen zum Beispiel.» Zuletzt empfehle sie Efeu. «Ein Spätblüher, der wahnsinnig viele Insekten anlockt.»
Die Luzerner Umweltberatung empfiehlt deshalb, den Sommerflieder im eigenen Garten durch einheimische Sträucher zu ersetzen. Falls einem dies schwerfällt, sollte man die Blüten vor der Samenreife abschneiden und im Kehricht entsorgen. Jetzt im Herbst wäre der richtige Zeitpunkt dafür. «Wir sollten unseren heimischen Schmetterlingen Sorge tragen», so Kieffer, «immerhin stehen rund 40 Prozent auf der Roten Liste.»
Arbeit geht weiter
Die Krienser Neophyten-Gruppe trägt ihren Teil dazu bei. Die Arbeit sei zwar aufwendig, lohne sich aber, sagt Huser. «Man kann etwas bewirken.» Sie hätten immer wieder Erfolgserlebnisse in ihrer Gruppe, so Huser. «Wenn wir irgendwo Neophyten ausreissen und vielleicht zweimal nachbessern, sind diese danach weg.»
Beim trockengelegten Weiher seien sie aber nicht das letzte Mal gewesen. Im kommenden Jahr geht die Arbeit dort weiter. Der Kampf gegen den Sommerflieder wird fortgeführt.
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