Zahnärzte und Winterhilfe – Bezahlbare Zahnbehandlungen für alle: Das Tessin macht den Anfang

Wenn das Familienbudget nicht ausreicht, um alle Ausgaben zu decken, kann die Zahnpflege zum Problem werden. Das Aufschieben von Behandlungen kann negative Folgen für die Gesundheit und die Lebensqualität haben.
Um Menschen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu helfen, bündeln die Winterhilfe und die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft ihre Kräfte. Sie lancierten in diesem Frühjahr ein Projekt auf nationaler Ebene. Und das Tessin ist der erste Kanton, der es nun in die Praxis umsetzt.
So sollen Bedürftige in den Genuss der Zahnarzt-Behandlung kommen
Die Idee dahinter: Bestimmte Zahnärztinnen und Zahnärzte bewerten die Unterstützungsgesuche von Patientinnen und Patienten, damit die Mittel nur für Behandlungen eingesetzt werden, die wirklich notwendig und angemessen sind.
Mittel bestmöglich einsetzen
Das Neue daran ist nicht die Unterstützung für Zahnbehandlungen, die gab es schon vorher, sondern die Bewertung der Kostenvoranschläge und der Beitragsgesuche durch medizinisches Fachpersonal.
«Unsere Aufgabe ist es, die Kostenvoranschläge und die vorgeschlagenen Behandlungen zu bewerten, damit die Mittel der Winterhilfe möglichst konkret und bestmöglich eingesetzt werden», erklärt Plinio Rondi, Präsident der Tessiner Zahnärzte-Gesellschaft gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI).
Und er präzisiert: «Die Bewertungen basieren auf Behandlungen, die einfach, wirtschaftlich und angemessen sind. Die Idee ist nicht, exorbitante Summen auszugeben oder superkomplizierte Behandlungen durchzuführen, sondern diese Mittel bestmöglich einzusetzen, um den Patienten qualitativ hochwertige, notwendige Behandlungen zu bieten, die langfristig wirken.»
Die Scham, um Hilfe zu bitten
Seit dem Start des Projekts im Frühjahr sind bereits ein Dutzend Gesuche eingegangen. Aber welchen Unterschied macht die Bewertung der Dossiers im Vergleich zur Vergangenheit?
Paola Eicher Pellegrini, Direktorin der Winterhilfe Tessin, sagt, vorher habe man einfach die Rechnung eines Zahnarztes oder einer Zahnärztin erhalten und sie nach eigenem Ermessen bewertet. Jetzt könne man sich auf die Fachexpertise stützen, die einem sage, ob eine bestimmte Hilfe «klinisch angemessen, aber auch wirtschaftlich korrekt» sei. Pellegrini gibt sich überzeugt: «Das wird einen grossen Unterschied machen.»
Zwischen 2022 und 2025 hat die Winterhilfe rund 258'000 Franken für Zahnbehandlungen aufgewendet. Pellegrini rechnet damit, dass die Summe weiter ansteigt, weil es viele Menschen gebe, die bisher darauf verzichteten, um Hilfe zu bitten.
«Für eine Familie oder eine Person, die sich nahe oder unter der Armutsgrenze befindet, sind die grössten Sorgen: Was gebe ich meinen Kindern zu essen? Wie bezahle ich die Krankenkasse, wie bezahle ich meine Miete?», sagt Pellegrini. «Alles, was mit Zahnhygiene zu tun hat, rückt oft in den Hintergrund. Hinzu kommt die Scham, um Hilfe zu bitten, damit man eine Rechnung bezahlen kann.»
Die Initianten sehen das Projekt als einen Ausgangspunkt, der es in Zukunft ermöglichen wird, die Unterstützung für zahnmedizinische Behandlungen für die am meisten gefährdeten Menschen im Tessin und in der Schweiz weiter auszubauen.
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