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Sunday, October 25, 2026

Ski-Star hat noch nie von Odermatt gehört

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In Sölden beginnt für die Alpin-Herren am Sonntag ein ganz spezieller Alpin-Winter. Experten sind sich sicher, dass beim Saisonhöhepunkt im Februar das Körpergewicht eine fast noch grössere Rolle spielen wird als die Skitechnik, weil die WM-Abfahrtspiste in Crans-Montana mehr Gleitpassagen als technisch schwierige Abschnitte beinhaltet. Ein Nachteil für Marco Odermatt? Blick hat den fünffachen Gesamtweltcupsieger im grossen Interview auch mit dieser Frage konfrontiert.

Blick: Marco Odermatt, wie viel bringen Sie aktuell auf die Waage?

Marco Odermatt: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob 89 oder 90 Kilo. Jedenfalls bin ich eher leichter als vor einem Jahr.

Reichen 90 Kilo Lebendgewicht für die mit zahlreichen Gleitabschnitten gespickte WM-Abfahrt in Crans-Montana aus?

Wenn ich an das Ergebnis der letztjährigen Weltcup-Abfahrt in Crans-Montana denke, muss ich sagen: Nein! Sieger Franjo von Allmen und der zweitplatzierte Dominik Paris wiegen über 100 Kilo. Ryan Cochran-Siegle, der die WM-Hauptprobe auf dem dritten Rang beendet hat, ist über 90 Kilo schwer. Auf diesem Gelände ist ein hohes Gewicht sicher von Vorteil.

Werden Sie im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt noch Gewicht zulegen?

Kaum. In den stark drehenden Riesenslalom-Toren wäre ein Körpergewicht von 100 Kilo ganz sicher nicht von Vorteil. Doch selbst wenn ich die 100-Kilo-Marke erreichen möchte, würde ich das wahrscheinlich nur dann schaffen, wenn ich im Sommer drei Monate Urlaub machen und jeden Tag vier fettige Mahlzeiten in mich reinstopfen würde. Aber mit Training werde ich nie so schwer werden, weil ich offensichtlich ein zu guter Essensverwerter bin.

Wir sollten an dieser Stelle aber auch daran erinnern, dass Sie in der Vergangenheit auf diversen Gleitabfahrten die Schwergewichte besiegt haben. So wie bei Ihrem Triumph 2024 auf der Grödener Saslong.

Das stimmt. Auf dem Papier erschien es lange auch als unmöglich, dass ein unter 90 Kilo schwerer Athlet viermal die Lauberhornabfahrt gewinnt. Dennoch ist mir dies gelungen. 2025 bin ich in Crans-Montana mit 13 Hundertsteln Rückstand hinter Franjo Zweiter geworden. Deshalb ist mir schon bewusst, dass es auf solchen Abfahrten nicht nur aufs Gewicht ankommt.

Ganz abgesehen vom Essen: Wie bewerten Sie Ihre Vorbereitung auf diesen WM-Winter?

Bis Mitte August war alles top. Ich habe mich sehr gut gefühlt, ich war extrem motiviert. Aber danach hatte ich fünf Wochen, die sich nicht mega gut angefühlt haben. Nachdem ich eine leichte Muskelverletzung im Trockentraining erlitten hatte, konnte ich bekanntlich erst eine Woche später als geplant ins Schneecamp nach Chile reisen. Dort hat es mir nach einem Innenskifehler noch einmal einen Zwick ins Knie gegeben. Darum hatte ich bis zum 7. Oktober erst einen richtig guten Riesenslalom-Trainingstag in den Beinen. Aber die Wochen danach waren wieder sehr positiv. Auf der Diavolezza habe ich genau die Trainingsbedingungen vorgefunden, die ich im Hinblick auf den Weltcup-Auftakt benötigt habe.

Es gibt immer mehr Alpin-Vertreter, die dafür plädieren, dass der Weltcup-Auftakt in Sölden in Zukunft ein paar Wochen oder sogar einen Monat später stattfindet. Wie stehen Sie dazu?

Wenn der Sölden-Riesen in Zukunft erst einen Monat später im Programm stehen sollte, müsste ich ernsthaft über einen Startverzicht nachdenken. Grund: Ab Mitte November will ich in Nordamerika Speed trainieren. Grundsätzlich könnte ich damit leben, wenn wir zwei Wochen später in die Weltcup-Saison starteten. Aber zu diesem Zeitpunkt ist die Chance, dass es auf dem Söldener Gletscher sehr viel Neuschnee gibt, sehr gross. Und dann könnten keine Rennen durchgeführt werden. Somit ist es wahrscheinlich das Beste, wenn man am Weltcup-Auftakt im Oktober festhält.

Richtig happig wird das Weltcup-Programm in der Phase des Jahreswechsels. Vier Tage nach den knackigen Neujahrs-Speedrennen in Bormio soll im slowenischen Kranjska Gora ein Riesenslalom ausgetragen werden. In der darauffolgenden Woche steht der Riesen-Klassiker auf dem Adelbodner Chuenisbärgli auf dem Programm. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf eines dieser Rennen verzichten?

Vielleicht liegt ja in Kranjska Gora im Januar gar kein Schnee, dann würde sich das Ganze von selber erledigen. Es ist nicht so, dass ich vor diesem Winter mit meinem Coach Heli Krug bezüglich des Programms einen Masterplan von Sölden bis zum Final in Sun Valley zusammenschmiede. Aber ich gehe derzeit nicht davon aus, dass ich in Kranjska Gora am Riesen-Start stehen werde. Das Weltcup-Programm war schon in den letzten Jahren vor den Grossanlässen im Februar sehr dicht. Wenn jetzt noch eine zusätzliche Wettkampfwoche dazukommt, wirds für mich im Hinblick auf die WM ganz einfach zu viel.

Weltklasse-Athleten brauchen neben den bewährten Abläufen immer wieder neue Inputs. Was haben Sie in der Vorbereitung auf die neue Saison anders gemacht?

Ich hatte nichts anderes geplant als im Vorjahr. Aber gewisse Begebenheiten gestalten sich dennoch jedes Jahr anders. Aufgrund der kleinen Verletzung musste ich im September in Südamerika langsamer starten. Dadurch hat sich alles ein bisschen verschoben. Ich kann mich an Jahre erinnern, in denen ich Anfang Oktober so heiss war, dass ich lieber gestern als morgen in Sölden gestartet wäre. Das war diesmal anders. Ich habe in den ersten Oktober-Trainings ein, zwei Prozent vom Tempo weggenommen. Dafür habe ich mich darauf fokussiert, technisch sauber zu fahren. Ich habe mehr auf meinen Körper gehört und dadurch auch im Trockentraining nicht nur Wert auf die Maximalkraft gelegt.

Unmittelbar nach der Diagnose einer kleinen Muskelverletzung hat Ihnen Swiss-Ski-Chefarzt Walter Frei ein Pilates-Training in Wetzikon verordnet. War das für Sie eine einmalige Aktion oder werden Sie künftig öfter im Pilates-Studio anzutreffen sein?

Unter dem neuen Begriff Pilates tauchen viele altbewährte Übungen auf, die ich bereits mit 14 im Rumpftraining beim Nidwaldner Skiverband gemacht habe. Das ist jetzt ein Riesenhype, man nennt es jetzt halt einfach Pilates anstatt lokales Tiefenmuskulatur-Training. Egal, wie man es nennt: Ich finde das eine richtig gute Sache.

Das Allergrösste ist für viele Formel-1-Fans der Grosse Preis von Monte Carlo, den Sie im vergangenen Juni mit Ihren Teamkollegen Gino Caviezel, Thomas Tumler, Justin Murisier und Lenz Hächler besucht haben. Wie ist Ihnen dieses Event eingefahren?

Zwiespältig. Auf der einen Seite ist es supercool zu sehen, dass eine Sportveranstaltung so viel bewirken kann, derart viele Fans und berühmte Menschen anzieht. Die FIS könnte sehr viel von einem solchen Event lernen. Andererseits habe ich mich im pompösen Monaco in einer völlig übertriebenen Welt bewegt. Es ist schon brutal viel Show. Und deshalb bin ich manchmal ganz froh, dass im Skirennsport im Gegensatz zur Formel 1 nicht an jedem Wochenende dieses gigantische Halligalli herrscht und wir stattdessen in Beaver Creek vor knapp 2000 Zuschauern fahren.

Stimmt es, dass Sie in Monaco einer berühmten Skirennfahrerin begegnet sind, die mit dem Namen Marco Odermatt rein gar nichts anfangen konnte?

Ski-Freestylerin Eileen Gu weilte auch an diesem GP. Die in Amerika aufgewachsene Chinesin ist mir bei der Begrüssung nicht herzlich um den Nacken gefallen. Und sie hatte wirklich keine Ahnung, dass ich Skirennfahrer bin.

Beim PS-Spektakel an der Côte d’Azur sind Ihnen mit Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen und Giovanni Franzoni auch zwei Ihrer grössten Alpin-Rivalen über den Weg gelaufen …

Ja, und ich habe die beiden in Monaco eigentlich genau gleich wahrgenommen wie im Winter. Giovanni ist der etwas introvertiertere Typ. Gino, Justin, Thomy und ich mussten ihn sehr davon überzeugen, uns auf einen Drink zu begleiten. Braathen hat sich in dieser Show-Welt sichtlich wohlgefühlt. Er hat wesentlich mehr Wert auf die Frisur und auf das passende Outfit gelegt, als wir das getan haben.

In Hafjell haben Sie beim letzten Riesenslalom im vergangenen Weltcup-Winter die kleine Riesenslalom-Kugel an Braathen verloren. Ihr Teamkollege Daniel Yule glaubt, dass in diesem Duell auch die Kulinarik den Ausschlag zu Ihren Ungunsten gegeben habe. Der in Norwegen gross gewordene Brasilianer wird ständig von einem Spitzenkoch begleitet, während Sie im Teamhotel in Norwegen besonders schlecht gegessen hätten. Stimmen Sie Yule zu?

In unserem Sport geht es darum, am Tag X mit rund 100 Puzzleteilen das optimale Bild zusammenzusetzen. Die Ernährung ist ein Puzzleteil. Und es ist tatsächlich so, dass das Essen an einigen Weltcup-Orten zu wünschen übrig lässt. Lucas dürfte dank seines Privatkochs deutlich besser gespeist haben. Und wenn ich gegen Braathen einen Marathonlauf verloren hätte, würde ich sagen, dass die Ernährung ein grösseres Puzzleteil darstellen würde. Aber ich glaube nicht, dass ich in Hafjell einen Innenskifehler begangen habe, weil ich im Vorfeld nicht perfekt gegessen habe. Und ich möchte festhalten, dass wir Schweizer im letzten Winter eine Unterkunft kennengelernt haben, die noch schlechter war als in Hafjell.

In welchem Weltcup-Ort?

In Courchevel. Dort waren die Teamhospitality und die Unterkunft wirklich miserabelst. Wir haben dort in einem ehemaligen Hotel, das mittlerweile nur noch als Personalhaus betrieben wird, gehaust. Das Swiss-Ski-Team hat dort die wohl fünfzig billigsten Zimmer Courchevels belegt.

Sie haben kürzlich eine interessante Idee vorgetragen. Anstelle einer alljährlichen WM denken Sie an die Ultimate Championship wie in der Leichtathletik. Hat sich nach Ihrem Plädoyer ein Vertreter der FIS bei Ihnen gemeldet?

Ich habe mit Präsident Ospelt telefoniert, als ich im September in Chile war. Abgeneigt hat er nicht geklungen. Aber seither habe ich von der FIS nichts mehr gehört.

Es gibt das Gerücht, dass Sie sich gegen das Vorhaben Ihrer Heimatgemeinde Buochs gewehrt haben, beim Dorfeingang eine Ehrentafel mit Ihrem Bild zu installieren. Entspricht das der Wahrheit?

Ja. Ich habe mich gegen ein Porträtbild von mir eingesetzt, weil ich nicht jedes Mal meinen Grind sehen will, wenn ich nach Hause fahre. Und ich glaube auch, dass es einige Buochser gibt, die nicht bei jeder Autofahrt mein Gesicht sehen wollen. Schliesslich haben wir uns nach guten Absprachen auf einen Kompromiss geeinigt.

Wie sieht dieser aus?

Anstelle eines Porträtfotos wurde an der gewünschten Position ein Aktionsbild, eingerahmt in einer Torflagge aus Chromstahl, angebracht. Damit kann ich leben.

Und wie reagieren Sie, wenn Sie zu Hause vor dem Fernseher sitzen, während ein Werbespot mit Ihnen in der Hauptrolle läuft?

Das kommt nicht oft vor, weil die Werbespots mit mir ja zum grössten Teil im Rahmen von Skiübertragungen laufen, bei denen ich selber am Start stehe. Und wenn ich mich eben doch einmal selber im Werbefernsehen sehe, fällt mir das weniger schwer, als wenn ich meinen Grind beim Dorfeingang anschauen muss. Schliesslich gehört die Zusammenarbeit mit meinen Sponsoren und den damit verknüpften Werbespots zu meinem Beruf als Skirennfahrer. Aber das wunderbare Dorf Buochs ist ja Teil von meinem Privatleben.

Dass Sie als Rennfahrer sehr unternehmerisch denken, belegt auch die Tatsache, dass Sie sich im Frühling einen Anteil an einem Naturkosmetik- und Sportpflege-Start-up aus der Innerschweiz gesichert haben. Zudem haben Sie kürzlich in Engelberg mit dem Bau von Mietwohnungen begonnen. Werden Sie als Unternehmer schon bald mehr Geld verdienen denn als Skirennfahrer?

(Lacht.) In diesem Jahr werde ich als Gaisbock-Teilhaber ganz sicher noch keine Dividende erhalten. Aber das Projekt ist gut angelaufen, wir erhalten sehr gute Feedbacks bezüglich unserer Produkte. Die Wohnungen in Engelberg werden frühstens in zwei Jahren bezugsbereit sein.

Handelt es sich dabei um Luxusimmobilien?

Nein. Es soll so sein, dass Leute mit einem durchschnittlichen Einkommen die Möglichkeit erhalten, eine Wohnung in Engelberg zu mieten.

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