Art Basel Paris – «Es war richtig, die Messe vorzeitig zu schliessen»

Eigentlich hatte alles so gut angefangen: Am Dienstag öffnete die Art Basel Paris für ausgesuchte Sammler, die Stände internationaler Galerien waren voll, unter dem Glasdach des Grand Palais summte die euphorische Symphonie der Kunstliebhaber.
Die Art Basel Paris bietet eine einzigartige Mischung von Meisterwerken der bedeutendsten Künstler der Welt: Picasso, Miro, Baselitz, Richter. Doch hinter vorgehaltener Hand verliehen Messebesucher hie und da ihrer Sorge Ausdruck: Was, wenn am Wochenende wieder Demonstrationen aus dem Ruder laufen und der Grand Palais zur Zielscheibe der Randalierer wird?
Feuertaufe für die Messeleitung
Am zweiten Messetag versuchte Karim Crippa, neuer Direktor der Art Basel Paris, noch, das Hauptaugenmerk auf die Kunst zu lenken. Bei einem Gespräch mit SRF antwortete der ehemalige Pressesprecher der Messe mit diplomatischer Neutralität, als es um die französische Aktualität ging: «Vielleicht sind zwei oder drei Personen nicht gekommen, aber jede Lücke, die sich möglicherweise aufgetan hat, wird sofort von einem anderen Besucher gefüllt, der sich freut, hier Kunst zu entdecken.»
Die Lage sei nun einmal so, wie sie ist. «Wir sind mit den Behörden in ständigem Austausch, um zu handeln, falls es nötig sein sollte.»
Wenn ich ans Wochenende denke, dann ist mir schon etwas mulmig.
Doch die Nervosität war spürbar. Mit dazu beigetragen hat auch ein Instagram-Post eines anonymen Kollektivs, das vehement gegen die Hegemonie des Kunstmarkts Stellung bezieht und nach eigenen Angaben aus dem französischen Kunstmilieu stammt. In ihrem Beitrag rufen sie zu einer Aktion im Grand Palais am 24. Oktober auf.
Die Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende machten den Messebesuchern jedoch weitaus mehr Sorgen: Bereits am Mittwoch stand fest, dass es neue Demonstrationen in Paris geben sollte.
Carolina Cataldi Pedrosa ist eine brasilianische Kunstberaterin. Sie zog am Mittwoch noch eine zwiespältige Bilanz: «Der Verkauf läuft sehr gut. Hier im Grand Palais ist es sozusagen ein Tag wie jeder andere. Aber es stimmt, wenn ich ans Wochenende denke, dann ist mir schon etwas mulmig.»
Paukenschlag am Donnerstag
Am Donnerstagnachmittag verkündet die Messeleitung nun per Instagram die vorzeitige Schliessung wegen der zu befürchtenden Demonstrationen: «Zum Schutz unserer Besucher, Aussteller, Partner, Mitarbeiter und Kunstwerke», wie es heisst.
Noch am selben Abend wurden die öffentlich zugänglichen Kunstwerke vor dem Grand Palais abgebaut. Ein Dutzend Einsatzwagen der Polizei säumten die Champs-Élysées neben dem Grand Palais.
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Bild 1 von 1. Vorbereitung auf das Wochenende: Vor dem Pariser Grand Palais verschwinden die Kunstwerke. Bildquelle: SRF/Simone Hoffmann.
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Während auf Instagram Verwirrung und Schock über den Beschluss vorherrschen, reagiert die französische Sammlerin und Mäzenin Sandra Hegedüs positiv auf die Entscheidung: «Es war richtig, die Messe vorzeitig zu schliessen. Was passiert, wenn ein Picasso abgefackelt wird? Das Risiko kann niemand eingehen. Aber für Paris bedeutet das natürlich ein sehr schlechtes Image, Verluste für die Veranstalter, für Restaurants und Hotels … es ist dramatisch.»
Die vorzeitige Schliessung der Art Basel ist beinahe schon symbolisch für den gesellschaftlichen Clash in Frankreich: In Paris, dem Zentrum der Macht und der Kultur, entlädt sich jetzt die soziale Wut. Mit welchen langfristigen Folgen für den Messestandort Paris?
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