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Friday, October 23, 2026

SVP-Bundesrats-Kandidatenfeld – Eine «halbe Kandidatur», viele Namen, aber wenig Glanz

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Sieben Männer und eine Frau wollen den SVP‑Bundesratssitz. Oder vielleicht doch nur sechs Männer und eine Frau? Fraktionschef Thomas Aeschi behält sich vor, aus dem Rennen wieder auszusteigen. Aeschis eigentümliche «halbe Kandidatur» ist einer von fünf Knackpunkten auf dem Weg zur Bundesratswahl.

1. Er will. Er will nicht. Was macht Thomas Aeschi?

Die Zuger SVP hat Thomas Aeschi nominiert. Doch er will erst in einigen Wochen entscheiden. Der Fraktionschef nimmt sich grössere Freiheiten heraus, als sich andere wohl erlauben könnten. Aeschi möchte wohl Bundesrat werden – aber nur, wenn er eine reelle Chance hat. Vor elf Jahren scheiterte er als Bundesratskandidat. Eine zweite Nichtwahl will er vermeiden. Deshalb beobachtet er die Debatte zunächst von aussen und sondiert bei den anderen Parteien, wer ihn wählen würde.

Auf linke Stimmen kann der scharfzüngige SVP-Wortführer kaum zählen. Auch unter Bürgerlichen polarisiert er, wobei viele seine Zuverlässigkeit schätzen. Mit einem hohen «Gmögigkeitsfaktor» kann Aeschi eher nicht punkten. Dass Zug mit Martin Pfister im Bundesrat bereits vertreten ist, hilft ihm nicht. Als intelligenter Analytiker wird er das alles einberechnen. Steigt er ins Rennen, dann ist der parteiinterne Druck gross, ihn auch aufs Ticket zu setzen.

2. Ein breites (Männer-)Feld, doch wo ist die «erste Garde»?

Was hat es alles an Absagen gehagelt bei der SVP? Letztendlich aber bleibt der Partei eine Blamage erspart. Die SVP profitiert von ihrer Grösse und davon, dass sie immer mehr Regierungsräte stellt: Jean-Pierre Gallati, Franz Ruppen und Pierre Alain Schnegg sind keine Alibikandidaten.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch mit Mikrofonen in einem eleganten Raum.
Legende: Franz Ruppen (links) und Michael Graber (rechts), beide Walliser SVP-Bundesratskandidaten, warten auf die Bekanntgabe der zwei Oberwalliser Kandidaturen für die Nachfolge im Bundesrat. Keystone/ANTHONY ANEX

Richtig glanzvoll läuft die Kandidatenkür dennoch nicht: Zu schwer wiegen die Absagen aus der «ersten Garde», etwa von Esther Friedli oder Franz Grüter. Die einst übermächtige Zürcher Sektion stellt gar niemanden. Und zum grossen Kandidatenfeld gehören auch Namen mit kleinen Chancen, etwa Rémy Wyssmann.

3. Gibt es einen Ticketplatz für die Romandie?

Die Westschweizer SVP-Sektionen verlangen ultimativ einen Ticketplatz. Mit der Kandidatur von Pierre Alain Schnegg sind ihre Chancen gestiegen. Denn nun gibt es eine Alternative zur nicht unumstrittenen Céline Amaudruz. Garantiert ist der Ticketplatz trotzdem nicht. Die SVP ist deutschschweizerisch geprägt.

4. Wie gross soll das Ticket sein?

Ein Dreierticket liesse neben einer Kandidatur aus der Romandie mehr Platz für die Deutschschweiz. Dank des Tessiners Marco Chiesa wäre auch eine Neuauflage des Tickets von 2015 möglich: Damals schickte die SVP mit Guy Parmelin einen Romand, mit Thomas Aeschi einen Deutschschweizer und mit Norman Gobbi einen Tessiner ins Rennen.

Doch eigentlich liegt ein Dreierticket nie im Interesse einer Partei: Jeder zusätzliche Ticketplatz bedeutet mehr Wahlfreiheit für die politische Konkurrenz und weniger Kontrolle für die Partei. Das dürfte in die Überlegungen der SVP einfliessen.

5. Die Stunde der Taktikfüchse – wer liest das Spiel am besten?

Gerade ein so grosses Feld mit acht Kandidierenden lässt bei der Besetzung des Tickets viele «Spielzüge» zu. Zum Beispiel könnte die Fraktion einen schwer wählbaren Hardliner wie etwa Michael Graber auf ein Zweierticket setzen. So könnte sie faktisch bestimmen, wer Bundesrat wird: nämlich die zweite Person auf dem Ticket. In der Praxis allerdings sind solche Manöver schwer zu steuern: Denn die Fraktion stimmt geheim und in mehreren Wahlgängen ab. Das hat auch schon zu Überraschungen und «Unfällen» geführt.

Dominik Meier

Bundehauskorrespondent

Seit 2022 ist Dominik Meier Bundehauskorrespondent von Radio SRF. Zudem ist der ehemalige «Rundschau»-Moderator Teil des Moderationsteams der «Samstagsrundschau». Bei SRF arbeitete Meier zuvor beim «Regionaljournal Aargau Solothurn» und in der Inlandredaktion von Radio SRF. Meier hat an der Universität Freiburg Geschichte, Politikwissenschaften und Journalistik studiert.

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