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Monday, September 14, 2026

Debatte über künstliche Intelligenz: Entschleunigung mit Hintergedanken

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Etwas langsamer bitte – mit diesem Ansinnen machen KI-Konzerne gerade Schlagzeilen. Ex­per­ten vermuten allerdings keinen Altruismus dahinter.

Klaudia Lagozinski

Nach der Forderung diverser KI-Unternehmen, die Entwicklung neuer Modelle zu verlangsamen, zeigen sich Experten skeptisch. „Natürlich ist das ein Stück weit PR“, sagt Michael Kolain vom Zentrum für Digitalrechte und Demokratie. „Die amerikanischen Anbieter setzen vor allem auf geschlossene KI-Systeme. Gleichzeitig kommt die größte Konkurrenz aus China, wo Open-Weight-Modelle entwickelt werden.“

Die Architektur und Funktionsweise dieser Systeme seien zwar transparenter, aber ihr konkreter Einsatz sei weniger überprüfbar, weil sie auf den Rechnern der Nutzer unabhängig laufen können, was eine Kontrolle der Aufgaben, die Nutzer mit Sprachmodellen ausführen, unmöglich mache. Das könnte laut Kolain auch ein Grund dafür sein, dass OpenAI und Co. nun das Thema KI-Entwicklung in die Mitte des medialen Diskurses hieven. „Wenn Trump und Xi Jinping zusammentreffen, könnte man auf internationaler Ebene darüber sprechen, ob man sich bei der Entwicklung solcher Systeme zumindest abstimmt – mit dem Ziel, dass auch die chinesischen Anbieter ihre Entwicklung möglicherweise etwas mit drosseln.“

Haftungsfragen im Fokus

Aktionswoche: Demokratie braucht viele Stimmen

Die CEOs US-amerikanischer KI-Unternehmen hatten sich am Wochenende für ein niedrigeres Tempo bei der Entwicklung von KI-Modellen ausgesprochen. OpenAI-CEO Sam Altman etwa warnte vor „einer KI, die sich selbst immer weiterentwickelt, ganz ohne menschlichen Einfluss, und außer Kontrolle gerät“.

Als weitere mögliche Motivation für die jüngsten Statements der US-KI-Unternehmer sieht Matthias Spielkamp von der NGO Algorithmwatch Haftungsfragen. „Die Firmen versuchen, die Verantwortung für die Fehlerhaftigkeit ihrer Produkte zu minimieren“, sagt er. Regulierungsfragen dürfen außerdem die geopolitische Realität nicht übersehen. „Wenn also jetzt die EU-Kommission oder auch einzelne Länder versuchen, etwas strikt durchzusetzen, wird eben sofort mit Zöllen gedroht“. Es brauche daher eine enge Zusammenarbeit, über Ländergrenzen hinaus.

Als Beleg dafür, dass Deutschland sich stärker mit den Risiken von KI und Cyberangriffen befassen sollte, führt Spielkamp auch den Angriff auf Berliner Senatsverwaltungen im August an. „Da ist keine hoch entwickelte KI zum Einsatz gekommen, um Daten zu stehlen. Da solche Hacks jedoch durch den Einsatz von KI viel einfacher durchzuführen sind, sollte man derartige Risiken ernst nehmen.“

In Hinblick auf aktuelle Debatten in den USA sieht Kolain noch weitere mögliche Gründe für Entschleunigungsplädoyers von OpenAI und Co. „Es ist auch ein Manöver, das von näher liegenden Problemen ablenken soll. In den USA gibt es Proteste gegen umweltschädigende Rechenzentren.“ Das mögliche Kalkül: Wenn Unternehmen verkünden, dass sie in Sachen Entwicklung langsamer machen, stehen sie in den Augen der Öffentlichkeit besser da.

Nutzer als Versuchskaninchen?

Als weiteren Grund sieht Kolain, dass die Unternehmen dann eher behaupten könnten, dass sie zumindest auf die Gefahren hingewiesen haben, falls doch was sehr schiefgeht. Er zieht einen Vergleich zur Pharmabranche, wo es auch strenge Prüfungen gibt, bevor ein Medikament auf den Markt kommt. „Nach dem Contergan-Skandal wurden innerhalb der Medizin auch die Regeln verschärft, um die Öffentlichkeit zu schützen.“ „So, wie es jetzt ist, sind die Nutzer die Versuchskaninchen.“

Statt dem „Wir machen nun langsamer“-Statements hätte es Kolain besser gefunden, wenn die Unternehmen beispielsweise auf das AI Office der EU-Kommission oder die Regeln des europäischen KI-Gesetzes verwiesen hätten. Das AI Office kann Unterlagen und weitere Informationen von den Anbietern anfordern, um deren Einhaltung der Regeln zu überprüfen. Es kann zudem selbst Evaluierungen von KI-Modellen durchführen. Die EU-Kommission darf unabhängige Experten beauftragen. Bei Verstößen sind Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich.

Einen Vorschlag, bezogen auf die aktuellen Entwicklungen, leitet Kolain direkt ab: „Wäre ich EU-Kommissionspräsidentin, würde ich diejenigen, die bei den KI-Unternehmen gekündigt haben, direkt anheuern, und sie als Mitarbeiter der KI-Aufsichtsbehörde die Kontrollen durchführen lassen.“

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