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Friday, September 11, 2026

Rassemblement national – Bardella und Le Pen – Beziehungsstatus: Kompliziert

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2000 Prozent unterstütze er Marine Le Pen, sagte Jordan Bardella kürzlich. Mehr Loyalität geht kaum. Die zwei galten lange als eingespieltes Duo. Sie die unumstrittene Chefin des Rassemblement national – kurz RN –, er der junge Parteipräsident an ihrer Seite.

Hoffnungen bleiben Hoffnungen

Trotz rechnerischer Superlative wirkt das Duo derzeit weniger harmonisch. Das sieht auch der Politikwissenschaftler Gilles Ivaldi so, der an der Sciences Po in Paris zu Rechtspopulismus forscht. Es habe eine kurze Phase gegeben, in der Le Pen aufgrund ihres Gerichtsverfahrens – wegen Veruntreuung von EU-Geldern – etwas in den Hintergrund getreten sei. «Nun nimmt sie den Wahlkampf klar wieder selbst in die Hand und Bardella hat Mühe, seinen Platz wiederzufinden», sagt Ivaldi.

Sein Platz: die Nummer zwei hinter Le Pen. Nicht ganz einfach für den Strahlemann. Er, der in Umfragen zeitweise noch populärer war als Le Pen, dürfte sich bereits im prunkvollen Élysée-Palast gesehen haben. Als Le Pens Präsidentschafts­kandidatur juristisch auf der Kippe stand, bereitete er sich schon mal vor. Auf die Nummer eins also.

Er war der Plan B der Partei. Eifrig liess er sich mit seinen Fans fotografieren, suchte den Kontakt zur Wirtschaftswelt, veröffentlichte ein zweites Buch.

Person in Anzug unterschreibt Buch, umgeben von Menschen mit Kameras.
Legende: Jordan Bardella, stets adrett gekleidet, signiert sein Buch «Ce que veulent les Français». Bücher sind hier in Frankreich sozusagen die obligate Präsidentschaftsvorbereitung. Keystone/Mohammed Badra

Doch das Urteil des Berufungsgerichts gegen Le Pen machte seine Hoffnung zunichte. Es fiel milder aus, die Dauer der Unwählbarkeit Le Pens, wurde so reduziert, dass sie im nächsten Frühling kandidieren kann. Und will.

Die Hierarchie ist also wieder klar. Doch inhaltlich erlaubte sich Bardella Abweichungen. Mittlerweile häuften sich die Meinungs­verschiedenheiten, sagt Ivaldi. «Das zeigt sich bei wirtschaftlichen und sozialen Fragen.» Bardella sei wirtschaftlich weiter rechts und liberaler.

Le Pen ist zum Beispiel für eine Rückkehr zu einem Rentenalter zwischen 60 und 62 Jahren oder will das islamische Kopftuch im öffentlichen Raum verbieten. Bardella will beides eigentlich nicht wirklich.

Signal an Bardella

Nun will Le Pen auch ihre Nichte Marion Maréchal stärker in den Wahlkampf involvieren. Die Rückkehr von Maréchal verdeutliche die nepotistische Seite der Partei, sagt Ivaldi. Aber nicht nur: «Die Präsenz von Marion Maréchal könnte ein Signal an Jordan Bardella sein, dass die identitätsorientierte, liberalere Linie und die Popularität auch mit ihr zu haben sind», so der Politikwissenschaftler. Und es könnte auch eine Aufforderung sein, seine Ambition, sich emanzipieren zu wollen, zu zügeln.

Er hat keine wirkliche Autonomie. Es war etwas naiv von ihm zu glauben, er könne sich von Le Pen emanzipieren.

Denn politisch ist und bleibt Marine Le Pen die Nummer eins der Partei. Politologe Sylvain Crépon, der seit Jahren zum RN forscht, sieht das ähnlich. Le Pen hätte niemals zugelassen, dass ihr die Partei entgleite, sagt er. Auch wenn Bardella der Vorsitzende der Partei ist, sei sein Handlungsspielraum klein.

Rassemblement National: Eine Sache der Familie?

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Seit Jahrzehnten ist der RN, der bis 2018 Front National hiess, eng mit der Familie Le Pen verbunden. Jean-Marie Le Pen prägte über Jahrzehnte die Partei, 2011 übernahm seine Tochter Marine Le Pen die Führung.

Gilles Ivaldi sagt, es sei eine «sehr hierarchische und zentralistische» Partei mit einem Chef. Das sei schon unter Jean-Marie Le Pen so gewesen und gelte auch unter Marine Le Pen.

Sylvain Crépon erklärt, dass es im RN keine wirkliche interne Demokratie gebe. Zwar sei das Zentralkomitee ein wenig an die Kommunistische Partei angelehnt, aber es handle sich dabei um reine «Abnickgremien». In grundlegenden Fragen entscheidet die Führung. «Es ist eine Partei mit einem unangefochtenen Chef, es gibt keinen Platz für echten Pluralismus, weder in Bezug auf die Führung noch auf die Ideologie oder das Programm», so Crépon.

Die Rückkehr von Marion Maréchal zeige letztendlich, so Ivaldi, die «nepotistische Seite» der Führung innerhalb des RN und passe in die «Familientradition» der Le Pens, die Führung der Partei zu beanspruchen.

Crépon geht noch weiter. Er spricht von einem «Clan». «Es ist die Familie, die die Finanzen der Partei kontrolliert. Es ist die Familie, die die Posten verteilt und über die Kandidaturnominierungen entscheidet», so der Politikwissenschaftler.

Die Partei sei sehr zentralistisch und streng von oben nach unten aufgebaut. Es sei die Familie Le Pen, die über die politische Organisation herrsche und der die Partei gehorche.

Für Bardella heisst das: Zu weit sollte er nicht gehen. Denn, so Crépon: «Es reicht aus, dass Le Pen den Knopf drückt, und dann verschwindet er.»

Noch aber ist Bardella nicht abgesägt. Er ist populär, begeistert Massen und erreicht eine andere Wählergruppe als Le Pen. Was auch mancher schon als Strategie der Partei deutete. Solange er also nicht zu weit geht, dürfte Marine Le Pen von der Nummer zwei profitieren wollen.

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