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Sunday, November 8, 2026

Völlig absurdes Fußballspiel: VfL Bochum wird aus 51 Metern blamiert und lacht trotzdem

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imageVon Tobias Nordmann, Bochum

08.11.2026 | 21:47 Uhr

Dem VfL Bochum gelingt im sechsten Zweitliga-Heimspiel der Saison der erste Sieg. Der kommt auf sehr spektakuläre Weise zustande. Mit Traumtoren und einem Last-Minute-Drama.

Philipp Hofmann lachte als Letzter. Leicht verlegen, verschmitzt, aber er lachte. Der Stürmer des VfL Bochum hatte seinem Ex-Verein, dem Karlsruher SC, ganz spät die Party verhagelt. In der 92. Minute hatte er das Ruhrstadion in den Wahnsinn getrieben. Er hatte den Ball abgeschirmt, sich gedreht und geschossen. Zweimal wurde der Ball abgefälscht, er tickte auf, schlug ein, 3:2 - ein Sieg im eigenen Wohnzimmer. Im Ligabetrieb hatten sie das im Ruhrstadion zuletzt am 26. April dieses Jahres erlebt.

"Ich fand, es war ein geiles Spiel, auch wenn es sehr hektisch über weite Strecken war", jubelte Timo Horn, der Bochumer Kapitän, der ein am Ende lachender Protagonist des Nachmittags wurde. "Darauf ist das Karlsruher Spiel aber auch ausgelegt: viele zweite Bälle, viele Fifty-Fifty-Situationen, wo aus dem Nichts auch immer was passieren kann. Und heute waren viele Traumtore auch dabei. Für die Zuschauer war es, glaube ich, schön anzusehen. Und mit dem Happy End für uns in letzter Minute das Spiel dann zu gewinnen, ist natürlich richtig geil."

Traumtor, Traumtor, Schock

Heimspiele waren in dieser Spielzeit oft gelebter Fußball-Masochismus "anne Castroper". Und auch dieser Sonntagnachmittag hatte Momente, die den Verein für Leidensübungen (kleiner Scherz) an die Grenze des Erträglichen trieb. Nach sieben Minuten hatte Christian Rasmussen dem Stadion mit einem Donnerschlag von Schuss tüchtig Herzschlag verpasst. Der Däne drosch den Ball nach einer feinen Kombination von halblinks in die lange Ecke. Der Höllen-Galopp aus der Operette Orpheus in der Unterwelt war noch nicht verklungen, da guckte das VfL-Volk sparsam aus der Wäsche.

Es stand plötzlich 1:1. Was Rasmussen schön gemacht hatte, machte Kevin Wiethaup noch schöner. Ebenfalls von der Halbposition pfefferte er den Ball in den Winkel. Marvin Wanitzek hatte gleich drei Bochumer in der Vorbereitung ganz schlecht aussehen lassen, den Ball clever weitergespielt. Und dann wurde kompromisslos abgeschlossen. Fassen konnte das kaum jemand. Es war die Ouvertüre für ein wildes Spiel. Für einen Kampf, der nur Attacke kannte. Wann immer der Ball durch einen der beiden Strafräume rollte, gab's Herzrasen. Nach 90 Minuten waren 41 Torschüsse notiert. "Teilweise war es Wilder Westen", fand VfL-Direktor Simon Zoller und hatte großen Spaß.

Weil das Spiel ausging, wie es ausging. Aber der Weg dahin war gepflastert von großem seelischem Leiden. Nach 48 Minuten klatschte ein Karlsruher Ball an den Pfosten. Wiethaup hatte das freie Tor verfehlt. Wahnsinn. Und es wurde noch irrer. Zwei Minuten später führte der KSC. Im Vollsprint war Tim Civeja aus der eigenen Hälfte losgestürmt, hatte den Ball etwas glücklich bekommen und dann einen Treffer erzielt, den er in seiner Karriere so vermutlich nie wieder zustande bekommt. Er sah, dass Bochums Keeper Timo Horn weit vor seinem Gehäuse und schoss aus über 51 Metern - drin.

Traumtor, Tor, Jubel

Das Ruhrstadion war geschockt, legte sich für Momente schlafen. Sie hatten den hektisch rennenden Horn gesehen, der böse düpiert worden war. Sie sahen das 1:2 auf der Anzeigetafel, sie sahen wieder einen Heim-Albtraum. Aber dieses völlig verrückte Spiel hatte nicht vor, in diesem Moment die letzte Geschichte schon geschrieben zu haben. Drei Minuten später war alles wieder ausgeglichen, wieder war das Stadion fassungslos. Über mehrere Stationen war der Ball bei Hofmann gelandet - 2:2 (53.). Dezenter Jubel, eine Demutsgeste gegenüber dem Ex-Arbeitgeber. Aber auch große Befreiung.

Und Frust beim Gegner. "Wir kriegen viel zu schnell den Ausgleich, wo wir uns in der Boxverteidigung nicht gut verhalten. Und ich denke, das ist dann, wie man wahrscheinlich auch die Niederlage zusammenfassen kann", analysierte Karlsruhes Trainer Maximilian Senft.

Die Partie war endgültig außer Kontrolle geraten. Gültige Gesetze des Fußballs waren längst außer Kraft gesetzt. Hier gab es kein Momentum, hier saßen 22 Fußballer auf einem ungezügelten Rodeo-Pferd und suchten nach Halt. In den eigenen Verteidigungsreihen fanden sie ihn nicht. "In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel noch besser kontrolliert als in der zweiten", staunte Trainer Uwe Rösler, der noch vor gut zwei Wochen um seinen Verbleib beim VfL zittern musste. Und jetzt strahlendes Gesicht der Bochumer Heldenreise ist, die eine Pokalsensation gegen den FSV Mainz im Gepäck hat und nun auch sieben Punkte aus den vergangenen drei Partien - inklusive Liga-Heimsieg-Premiere.

"Wir müssen absolut dranbleiben"

Nach dem zweiten Ligasieg in Serie kletterte der VfL auf Platz acht, wobei der Relegationsrang nur drei Zähler entfernt ist. "Wir müssen absolut dranbleiben. Jedes Spiel ist ein Fight, jedes Spiel ist ein Kampf. Das war letztes Jahr schon so, das wird dieses Jahr so sein", beschwör Rösler.

Bochum drückte, Karlsruhe drängte. Das Spiel hatte die Schießbuden-Mentalität der Cranger Kirmes. Horn rettete zweimal für den VfL, Hans Christian Bernat mehrfach für den KSC. Teilweise spektakulär. "Karlsruhe hat uns richtig gefordert. Es hätte auf beide Seiten gehen können", gestand Rösler. "Wenn man aber diese ganzen 90 Minuten sieht und dann noch sieht, dass wir 26 Abschlüsse hatten und einen xG-Wert von 2,95 – das ist der höchste in dieser Saison –, glaube ich schon, dass wir mit ein bisschen Glück im Endeffekt den Sieg verdient haben." Dank Hofmann, dem lachenden Fußball-Gott.

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