Neu im Kino – «The Social Reckoning»: Mark Zuckerberg als Filmbösewicht

Nach 16 Jahren erscheint die Fortsetzung des Kultfilms «The Social Network». Diesmal kommen der Tech-Milliardär und seine Plattform nicht gut weg. Erzählt wird die Geschichte der «Facebook Papers».
09.10.2026, 08:14
Tech-Milliardäre sind gerade die perfekten Hollywood-Schurken. Ihr Image ist in der Realität am Tiefpunkt. Die Angst geht um, dass sie und US-Präsident Trump die Demokratie demontieren wollen. Auch ihre Produkte werden infrage gestellt.
In den USA wurde gerade Mark Zuckerbergs Konzern Meta von 29 Bundesstaaten verklagt. Dessen Social-Media-Plattformen seien suchtfördernd und psychische Schäden würden in Kauf genommen, waren die Vorwürfe. Im August gab's einen Milliardenvergleich.
Das ist thematisch dicht dran am Spielfilm «The Social Reckoning». Er erzählt vom Facebook-Leak von 2021.
Whistleblowerin Frances Haugen
Der Journalist Jeff Horwitz vom «Wall Street Journal» stösst bei Recherchen auf die Facebook-Angestellte Frances Haugen. Sie glaubt an das soziale Netzwerk, das den Leuten helfen soll, sich zu treffen und zu kommunizieren. Aber was sie im Arbeitsalltag erlebt, geht in eine andere Richtung.
Ihr Ziel ist es nicht, den Konzern zu zerstören, sondern ihn besser zu machen. Deshalb übergibt sie Horwitz interne Dokumente.
Darin geht es um den Algorithmus der Plattform, der Hassbeiträgen eine grössere Reichweite gibt, und um das mangelnde Vorgehen gegen Falschinformationen. Die Dokumente belegen, dass der Konzern Profit über Sicherheit und Wohlergehen stellt. Natürlich ist Mark Zuckerberg nicht daran interessiert, dass das rauskommt.
«The Social Reckoning» wurde von Aaron Sorkin geschrieben und ist so etwas wie die Fortsetzung von «The Social Network» (2010), ebenfalls ein Film von Sorkin. Der Blick auf den Facebook-Gründer könnte aber nicht unterschiedlicher sein.
Auch wenn Mark Zuckerberg in «The Social Network» nicht im positivsten Licht gezeigt wurde, bleibt der Film eine wohlwollende Darstellung von ihm und der Gründung von Facebook. Der Film feierte die Social-Media-Plattform und machte aus Start-ups etwas Cooles.
Der Erfolg von «The Social Network» löste einen Boom an Serien und Filmen über Software-Erfinder aus. 2014 startet die HBO-Serie «Silicon Valley». Über Steve Jobs gab's gleich zwei Filme: «Jobs» (2013) mit Ashton Kutcher und «Steve Jobs» (2015) mit Michael Fassbender. Auch wenn nicht unkritisch, zeigten die Filme die Männer, die sie porträtierten, am Ende als gute Kerle mit Fehlern, als Helden der Tech-Geschichte.
Diese Zeiten sind vorbei. Tech-Milliardäre sind mittlerweile die Schurken vom Dienst. Ob im Ryan-Reynolds-Film «Free Guy» (2021), der vierfach oscarnominierten Endzeitkomödie «Don't Look Up» (2021), der Fortsetzung der Klamauk-Komödie «The Naked Gun» (2025) oder in der Satire «Mountainhead» (2025). «The Social Reckoning» gehört in diese Aufzählung.
Dokudrama mit Humor
Mark Zuckerberg (Jeremy Strong) ist im Film der Schurke, eine gefühlskalte Karikatur, mitschuldig am Sturm aufs Kapitol in Washington D.C..
Mit seinem oscarprämierten Vorgängerfilm kann «The Social Reckoning» nicht mithalten. Es ist ein einfaches Dokudrama mit einem Schuss Humor: spannend, kurzweilig und geradlinig erzählt, es hat aber nichts Neues zum Thema Social Media zu sagen.
Highlights sind die beiden Hauptdarsteller. Oscarpreisträgerin Mickey Madison («Anora») und Golden-Globe-Gewinner Jeremy Allen White («The Bear») liefern sich lustige Wortgefechte, was das ernste Thema immer wieder wohltuend auflockert.
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