Toskanisches Weingut – Grösster Weindiebstahl der Geschichte in der Toskana

Was ist passiert? Beim weltberühmten italienischen Weinproduzenten Marchesi Antinori in der Toskana sind Diebe in das Lager eingedrungen und haben rund 30'000 Weinflaschen gestohlen. Die britische «Financial Times» und italienische Medien sprechen vom grössten Weindiebstahl der Geschichte. Zwar werden in Italien immer wieder edle Tropfen entwendet – bislang allerdings meist aus Gourmetrestaurants und selten direkt von den Weingütern selbst.
Wer sind die Täter und wie gingen sie vor? Mitten in der Nacht fuhren mindestens sieben maskierte Personen mit zwei Lastwagen vor, nachdem sie zuvor die Alarmanlage des Lagers gezielt sabotiert und deaktiviert hatten. Um die gewaltigen Mengen an Flaschen in kürzester Zeit bewegen zu können, setzten die Täter Gabelstapler ein und verluden kistenweise Weinflaschen auf riesigen Paletten. Das Vorgehen zeugt von einer logistischen Meisterleistung und eiskaltem Timing: Die Täter schlugen exakt in jener Nacht zu, in der die Flaschen transportbereit für den weltweiten Export in der Kellerei in Cortona standen. Sie wussten ganz genau, wann sich der Zugriff lohnen würde, was stark auf Insiderwissen hindeutet.
Was ist die Ausbeute wert? Der Gesamtwert des Diebesguts beläuft sich auf rund fünf Millionen Euro. Die Täter handelten hochselektiv und stahlen ausschliesslich die teuersten Vorräte: sogenannte Supertuscans. Darunter befinden sich Spitzenweine wie der «Tignanello» oder der «Solaia», bei denen eine Einzelflasche bis zu 500 Euro kosten kann.
Können die Flaschen überhaupt weiterverkauft werden? Ein Weiterverkauf über offizielle Kanäle ist extrem schwierig. Da die Spitzenweine individuelle Seriennummern und Chargencodes tragen und die Branche weltweit alarmiert ist, fiele die Ware bei seriösen Händlern oder Auktionen sofort auf. Dennoch gibt es Schlupflöcher: Neben einzelnen Restaurants, die Angebote nicht genau prüfen, dürfte die Ware vor allem schnell aus Westeuropa weggeschafft werden. Insbesondere in Osteuropa und Russland, wo Luxusgüter sanktionsbedingt knapp sind, sowie in Asien mit seiner hohen Nachfrage nach westlichen Statussymbolen und gnädigeren Kontrollen, finden sich dankbare Abnehmer.
Was bedeutet dieser Fall für die Schweiz? Die Schweiz gehört weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Wein – italienische Spitzenweine wie die Klassiker aus der Toskana sind besonders gefragt und werden kistenweise importiert. Aufgrund der geografischen Nähe stimmen sich Polizei und Zoll eng ab, während Händler Herkunftsnachweise akribisch prüfen müssen. Auch Schweizer Sammler und Investoren, für die edle Weine eine beliebte Wertanlage sind, dürften künftig noch wachsamer auf eine lückenlose Rückverfolgbarkeit pochen.
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