Armut lässt Bauern keine Wahl: Opiumanbau in Afghanistan hat sich mehr als vervierfacht

Armut lässt Bauern keine WahlOpiumanbau in Afghanistan hat sich mehr als vervierfacht
29.10.2026, 11:59 Uhr

Trotz Verbot durch die Taliban steigt der Anbau von Opium in Afghanistan deutlich. Vor allem Armut treibt viele Bauern dazu, das Verbot zu missachten - trotz schwerer Konsequenzen. Neue UN-Zahlen zeigen das Ausmaß der Entwicklung.
Die Opiumproduktion in Afghanistan hat nach UN-Angaben massiv zugenommen. In dem von den islamistischen Taliban regierten Land sei die Produktion um mehr als das vierfache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Nach 10.000 Hektar im vergangenen Jahr seien in diesem Jahr 43.000 Hektar mit Opium bepflanzt worden, heißt es in einem Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien. Es rief dazu auf, alternative Einnahmequellen für afghanische Bauern zu fördern.
Nachdem Afghanistan lange Zeit der führende Opium-Produzent war, wurde es 2022 durch Myanmar abgelöst, weil die Taliban nach ihrer Rückkehr an die Macht gegen den Anbau von Schlafmohn vorgingen. Das Eingreifen der Taliban-Regierung verringerte die Opium-Anbaufläche in Afghanistan von mehr als 200.000 auf 10.000 Hektar im Jahr 2025. Der UNODC-Bericht weist nun einen Anstieg des Anbaus um 330 Prozent aus sowie eine Ausweitung der Anbauflächen auf weitere Provinzen des Landes. Opium wird aus dem Milchsaft von Schlafmohn produziert.
Zwar liege die Opiumproduktion derzeit weiterhin weit hinter den Mengen von vor dem Verbot zurück, hieß es im UNODC-Bericht weiter. Die Gesamteinnahmen von Zwischenhändlern hätten mit geschätzt 525 Millionen US-Dollar im Berichtsjahr jedoch wieder etwa das durchschnittliche Niveau der Jahre 2018 bis 2021 erreicht. Opiumpreise waren in den vergangenen Jahren auch wegen Knappheit infolge der Verbote in Afghanistan gestiegen.
Bauern oft in Not
Afghanistan durchläuft eine schwere humanitäre Krise. Viele Menschen können sich Lebensmittel kaum noch leisten. Bei der Durchsetzung des Opiumanbau-Verbots durch die Taliban wurden Bauern in der Regel nicht entschädigt oder an Alternativen herangeführt.
"Ohne Opium können wir uns nicht einmal Grundnahrungsmittel leisten", sagte etwa der 22-jährige Bauer Mohammed aus der nordöstlichen Provinz Badachschan, der Hochburg des Opium-Anbaus in Afghanistan. "Ich wollte ein Auto kaufen, ein Haus bauen und heiraten", führte er aus. "Ohne Opium kann ich das nicht erreichen." Allerdings lebe er wegen des illegalen Opium-Anbaus in "Angst". Die Taliban-Behörden drohten ihm und seine Ernten seien schon mehrfach zerstört worden, aber er mache trotzdem weiter.
Laut UNODC brachte der Anbau von Weizen in Afghanistan 2023 nur gut 770 Dollar (690 Euro) pro Hektar ein, der Anbau von Opium hingegen 10.000 Dollar pro Hektar. "Die Vervierfachung des Mohn-Anbaus zeigt, wie schwierig es ist, Rückgänge beim illegalen Opium-Anbau aufrechtzuerhalten, wenn arme Bauern keine Alternativen haben, um ihre Familien zu ernähren", erklärte UNODC-Direktorin Monica Juma. Ihre Organisation hat mit Unterstützung der EU und Japans Programme finanziert, die afghanischen Bauern alternative Einnahmequellen eröffnen sollen.
Bemühungen reichen nicht aus
Der UNODC-Repräsentant für Afghanistan, Polleak Ok Serei, erklärte, mit der Förderung des Anbaus anderer Nutzpflanzen sei es allerdings nicht getan. Die afghanischen Bauern bräuchten auch "Infrastruktur, Straßen, Bewässerung, Lagerkapazitäten" sowie Zugang zu internationalen Märkten. Der Opium-Anbau sei "ein internationales Problem" und erfordere daher internationale Zusammenarbeit, betonte Ok Serei. Nach Angaben der Drogenagentur der Europäischen Union war afghanisches Opium der Hauptrohstoff für das Heroin, das 2024 in der Europäischen Union von etwa 850.000 Menschen konsumiert wurde.
Der afghanische Außenminister Amir Chan Muttaki sagte nach Angaben des Fernsehsenders Tolo News am Dienstag, die Eindämmung der Drogenproduktion müsse in Abstimmung mit Nachbarländern geschehen. Im August hatte David Mansfield, einer der wichtigsten Experten zum Thema Opiumanbau in Afghanistan, mit Hilfe von Satellitendaten eine Zunahme von Opiumproduktion auch in den afghanischen Nachbarländern Iran und Pakistan festgestellt.
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