Wer folgt auf Parmelin im Bundesrat? Das sind die Favoriten

Das grosse Nachfolge-Karussell
Wer folgt auf Parmelin im Bundesrat? Das sind die Favoriten
SVP-Bundesrat Guy Parmelin hört auf. Jetzt beginnt die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. Diese Namen stehen im Fokus.
Publiziert: vor 13 Minuten
- Erstmals könnte eine Frau für die SVP in den Bundesrat einziehen
- Offen ist, ob Parmelins Sitz in der Westschweiz bleiben soll
- Genannt werden unter anderem Friedli, Rickli, Amaudruz, Aeschi, Martullo-Blocher, Matter, Kolly und Pahud
Jetzt ist es passiert: SVP-Bundesrat Guy Parmelin (66) tritt zurück. Damit beginnt das Rennen um seine Nachfolge. Das Thema war in der Partei lange delikat. Noch im Sommer wollte in der SVP kaum jemand über eine Nach-Parmelin-Zeit sprechen. Gegenüber Blick äusserten sich viele nur hinter vorgehaltener Hand; verschiedene Gesprächspartner zogen ihre Zitate sogar wieder zurück.
Gewählt wird Parmelins Nachfolge erst im Dezember. Doch das mögliche Kandidatenfeld lässt sich – Überraschungen vorbehalten – bereits recht deutlich skizzieren. Zwei Faktoren dürften das Rennen dabei entscheidend prägen.
Faktor 1: die Frauen-Frage. Die SVP hatte als einzige grosse Partei noch nie eine Frau im Bundesrat. Auch auf dem Kandidatenticket stand nur einmal ein Frauenname – jener der Zürcherin Rita Fuhrer (73) im Jahr 2000. Das ist nun ein Vierteljahrhundert her. Die Bündnerin Eveline Widmer-Schlumpf (70) wurde 2007 nach Annahme ihrer Wahl auf Kosten von Christoph Blocher (85) aus der Partei ausgeschlossen (ihr Nachfolger wurde später Parmelin).
Und Faktor 2: die Romandie-Frage. Bleibt Parmelins Sitz in der Westschweiz? Die «angemessene Vertretung der Sprachregionen» ist bei Bundesratswahlen weiterhin von Bedeutung. Doch im Vergleich zur Deutschschweiz ist das SVP-Feld in der Westschweiz ziemlich dünn. Und ob sich die Partei hier selbst in der Pflicht sieht, ist eine andere Frage.
Diese Namen stehen derzeit im Fokus – wird laufend mit den jüngsten Entwicklungen aktualisiert.
Esther Friedli (49, SG)
Die St. Galler Ständerätin Esther Friedli (49) gehört zu den Top-Favoritinnen für eine mögliche Parmelin-Nachfolge. Friedli wird von Parteikollegen als fähige Politikerin angesehen, sie kommt bei allen Lagern gut an. Die studierte Politologin ist seit vielen Jahren mit dem früheren SVP-Chef Toni Brunner (52) liiert. Die beiden führen zusammen einen Landgasthof im Toggenburg – das «Haus der Freiheit» gilt es als heimliches Kraftzentrum der SVP. Über Brunners rhetorische Strahlkraft verfügt sie allerdings nicht, auch Exekutiverfahrung fehlt ihr.
Und bei Friedli stellt sich so oder so die Frage, ob der Kanton St. Gallen mit FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter (62) übervertreten sein könnte. Für Nationalrat Mike Egger (33) wäre das kein Hindernis. Friedlis Kantonskollege machte schon im Sommer klar: «Wichtig ist die Kompetenz, die eine Person mitbringt, und weniger die Kantonsfrage.»
Nathalie Rickli (49, ZH)
Neben Friedli gehört Nathalie Rickli (49) seit längerem zu den meistgenannten Namen. Sie galt als Shootingstar der SVP, wurde jung in den Nationalrat gewählt und sitzt seit 2019 im Zürcher Regierungsrat. Damit bringt sie Exekutiverfahrung mit. Rickli, mediengewandt und schweizweit bekannt, bewältigte als Zürcher Gesundheitsdirektorin die Coronakrise. Zuletzt holperte es in ihrem Departement aber bei der Aufklärung des Zürcher Spitalskandals.
Für sie spricht wiederum die Herkunft: Der mit Abstand grösste Kanton Zürich ist seit einigen Jahren nicht mehr im Bundesrat vertreten. Rickli könnte allerdings das Timing in die Quere kommen. Bereits im April 2027 will sie erneut für den Zürcher Regierungsrat kandidieren. Lässt sich kurz vorher glaubwürdig ein Bundesratsrennen führen – mit dem Risiko einer peinlichen Niederlage? Oder setzt sie alles auf die Karte Bundesrat – mit dem Risiko, am Ende ohne Amt dazustehen?
Céline Amaudruz (47, GE)
In der Romandie fällt insbesondere ein Name: jener der Genfer SVP-Vizepräsidentin und Nationalrätin Céline Amaudruz (47). Im Sommer sagte sie zu Blick noch: «Die Frage einer Kandidatur stellt sich erst, wenn Parmelin zurücktritt.»
Amaudruz sitzt seit 2011 im Nationalrat und gehört damit zu den erfahrensten Köpfen der Partei. Sie ist in der Romandie bekannt, bestens vernetzt und vertritt grundsätzlich einen klaren SVP-Kurs.
Gleichzeitig hat sie sich in gesellschaftspolitischen Fragen eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Genau das könnte ihr zum Verhängnis werden. In der Vergangenheit verärgerte Amaudruz Parteikollegen mit abweichenden Voten im Parlament, insbesondere in Frauenfragen.
Amaudruz, ausgebildete Juristin und Vermögensverwalterin, gilt gleichzeitig als Frau der Wirtschaft. Sie ist heute Direktorin bei einer Genfer Bank. Zudem präsidiert sie den Verwaltungsrat des Mühlenkonzerns GMSA. Dieses Mandat sorgte kürzlich für Schlagzeilen: Amaudruz forderte im Parlament eine stärkere Förderung einheimischer Hülsenfrüchte – wovon auch der Konzern profitieren könnte.
Thomas Aeschi (47, ZG)
Auch prominente SVP-Männer aus der Deutschschweiz wurden als mögliche Nachfolger ins Spiel gebracht. Dazu gehört allen voran Fraktionschef Thomas Aeschi (47).
Der Zuger Unternehmensberater zählt zu den einflussreichsten Politikern seiner Partei und verfügt als langjähriger Fraktionschef über ein grosses Netzwerk im Bundeshaus. Eine Bundesratskandidatur wäre für ihn zudem nichts Neues: Bereits 2015 trat er bei der Nachfolge von Widmer-Schlumpf an; gewählt wurde Parmelin. Aeschi fällt allerdings mit einem harten politischen Kurs auf. Umstritten ist er damit nicht nur bei der Linken, sondern auch bei den bürgerlichen Partnern von FDP und Mitte.
Magdalena Martullo-Blocher (56)
Auch die Bündner Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher (57) gilt als potenzielle Bundesratskandidatin. Die Lenkerin des EMS-Konzerns ist ein Schwergewicht in Bundesbern.
Wohnhaft im Kanton Zürich, sitzt Martullo-Blocher seit 2015 für Graubünden im Nationalrat. In der Partei gehört sie zu den profiliertesten Stimmen in Wirtschafts- und Europafragen, die Parteilinie vertritt sie pointiert. Dabei haftet ihr auch der Ruf an, wenig kompromissbereit zu sein. Genau das könnte bei einer Bundesratswahl zum Hindernis werden.
Thomas Matter (60, ZH)
Ebenso fällt der Name des Zürcher Nationalrats Thomas Matter (60). Der Unternehmer und Ex-Banker sitzt seit 2014 im Nationalrat und gehört zum einflussreichen Zürcher Flügel der SVP. In der Partei hat sich Matter vor allem als Finanzpolitiker profiliert. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er zudem als pointierter bis provokanter Kommentator bekannt, «In den Sümpfen von Bern» heisst sein Videoformat.
Für Matter könnte ebenso sprechen, dass Zürich derzeit nicht im Bundesrat vertreten ist. Allerdings stellt sich auch bei ihm die Frage nach der Mehrheitsfähigkeit im Parlament: Sein dezidierter SVP-Kurs dürfte es ihm erschweren, die für eine Wahl nötigen Stimmen ausserhalb der eigenen Fraktion zu gewinnen.
Nicolas Kolly (40, FR)
Zum Westschweizer Kandidatenkarussell gehört der Freiburger Nationalrat Nicolas Kolly (40). Im Sommer wollte er sich nicht auf eine Kandidatur festlegen. Er äusserte sich gegenüber Blick aber durchaus vieldeutig. «Derzeit ist Parmelin noch im Amt, deshalb stellt sich die Frage nicht», sagte Kolly. Interessanter war allerdings da schon sein zweiter Satz: «Sollte meine Partei eines Tages eine Kandidatur von mir wünschen, würde ich diese Möglichkeit prüfen.»
Kolly ist Rechtsanwalt und seit 2023 Nationalrat. Zuvor politisierte er während Jahren im Freiburger Kantonsparlament, wo er auch die SVP-Fraktion führte. Der zweisprachige Freiburger gehört zur jüngeren Generation der Partei, national ist er allerdings noch wenig bekannt und sein bundespolitischer Rucksack fällt noch bescheiden aus.
Yvan Pahud (46, VD)
Noch ein möglicher Romandie-Kandidat: Der Waadtländer Nationalrat Yvan Pahud (46) ist national ebenfalls nur wenig bekannt. Der gelernte Forstwart und Unternehmer ist auch seit 2023 im Nationalrat, zuvor war er Gemeindepräsident von Sainte-Croix VD sowie Waadtländer Grossrat. Politisch profiliert er sich etwa mit Themen aus dem ländlichen Raum
Für Pahud spricht vor allem seine Herkunft. Mit ihm könnte die SVP nicht nur den Sitz in der Romandie halten, Parmelins Nachfolger käme sogar wieder aus der Waadt.
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