John Ternus: Warum beim MacBook Pro mit Touch Nutzern nicht mehr der Arm abfällt
Es ist ein erstaunlicher Strategiewechsel: Nach mehr als einem Jahrzehnt, in dem Apple berührungsempfindliche Bildschirme für Mac-Rechner abgelehnt hatte, bringt der Konzern mit dem MacBook Pro mit PROLED-XDR-Display jetzt seinen ersten Touchscreen-Computer überhaupt auf den Markt. Derzeit wird passend dazu ein altes Video von Steve Jobs herumgereicht, das den verstorbenen Apple-Mitbegründer zeigt, wie er stichhaltig argumentiert, dass Touch-Flächen horizontal gehalten werden wollen. „[Touch an einem Notebook] ist eine tolle Demonstration“, sagte Jobs, „doch nach längerer Verwendung fühlt es sich so an, als ob Dir Dein Arm abfällt“. Jobs’ Nachfolger John Ternus hat also einiges zu erklären: Warum bringt Apple nach so langer Zeit einen Touchscreen in ein MacBook? Wie sinnhaft ist das? In einem Interview mit dem US-Magazin Wired machte der CEO nun einige Angaben dazu.
Ternus: Touch ist praktisch
Offenbar ist der Konzern auf die Kritik gefasst. Ternus bleibt auch dabei, dass der Mac hauptsächlich ein „Gerät für die indirekte Eingabe“ sei. „Es ist um Trackpad und Tastatur herum gebaut.“ Dennoch gebe es „Zeiten, in denen es komfortabel und praktisch ist, Touch zu haben“. Apple habe lange überlegt, wie es zu schaffen sei, dass ein berührungsempfindlicher Bildschirm nicht dazu führe, dass das Gerät auf irgendeine Art schlechter werde. „Es darf nicht schwerer sein. Es darf nicht dicker sein.“ Das habe man mit dem OLED-Bildschirm nun erreicht. „All diese Dinge sind drin, und ja, es hat auch Touch.“
Zur Tatsache, dass Apple mit dem Touchscreen-MacBook nun ein „lange vorhandenes Tabu“ für die Rechnerlinie gebrochen hat, grinst Ternus nur: „Wer hätte das gedacht?“ Apple hat bereits seit Jahren Nutzertests mit Macs gemacht, denen ein berührungsempfindlicher Bildschirm verpasst wurde. Auch in Interviews wurde das Konzept stets als nicht umsetzbar genannt, als unkomfortabel. Der langjährige Marketingchef Phil Schiller sah etwa 2016 keine Möglichkeit, das Betriebssystem für „beides“ – also Trackpad und Touch – zu optimieren. „Wir könnten zwar falsch liegen, aber wir sind absolut zu dem Glauben gelangt, dass [Touch beim Mac] nicht das Richtige ist.“
„Viele Dinge haben sich geändert“
Aus und vorbei: Beim MacBook Pro mit PROLED-XDR-Display (so lautet der vollständige Werbename tatsächlich) ist alles nun anders. Selbst Ternus hatte „die indirekte Eingabe“ beim Mac 2021 nochmals betont. Der neue Hardware-Chef Johny Srouji betonte, Schillers Aussagen von vor zehn Jahren lägen ja eine lange, lange Zeit zurück. „Viele Dinge haben sich geändert, egal ob bei der Display-Technologie, dem Custom-Silicon und so weiter.“
Laut Srouji ist nun alles zusammengekommen: Chips, Display-Technologie, Softwarearchitektur. „Ich mag es, wenn meine Ingenieure nur durch Physik eingeschränkt werden, nicht durch Vorstellungskraft oder Timelines.“ Angst davor, dass Profis nun weniger iPads kaufen, hat Apple anscheinend nicht. Stattdessen, so der aktuelle Marketingchef Greg Joswiak zu Wired, würden die sich schnell an den neuen Touch-Rechner gewöhnen – und iPhones und iPads augenscheinlich behalten. Zudem gebe es eine neue Generation „junger Creators und junger Leute, die MacBook Pros verwenden und beides erwarten“ – also Touch und Trackpad.
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