Bad news vor der UN-Klimakonferenz: Auch 2026 reißt wohl 1,5-Grad-Grenze

Die Zielmarke des Pariser Klimaabkommens wird dieses Jahr wahrscheinlich erneut überstiegen. Der Oktober war weltweit der heißeste aller Zeiten.
Foto: Edmar Barros/AP/dpa
Beunruhigende Nachrichten kurz vor Beginn der UN-Klimakonferenz in der Türkei: Das Jahr 2026 wird laut EU-Klimawandeldienst Copernicus fast sicher die Marke von 1,5 Grad globaler Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit reißen. Es wäre das zweite Mal nach 2024, wie der Dienst am Freitag mitteilte. Als offiziell gerissen gilt das Ziel aber erst im mehrjährigen Durchschnitt. Die 31. Weltklimakonferenz (COP 31) findet vom 9. bis 20. November im türkischen Antalya statt.
Die Weltgemeinschaft hatte im Pariser Klimaabkommen 2015 beschlossen, die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Grad und auf jeden Fall deutlich unter 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, um die katastrophalsten Folgen der Klimakrise abzuwenden.
Dass die Erderwärmung die 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit in den nächsten fünf Jahren offiziell überschreite, sei mittlerweile „unvermeidbar“, sagte Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in einem Briefing. Die Überschreitung der Marke, also der „Overshoot“, müsse so gering und kurz wie möglich gehalten werden, so der Klimaforscher. Die Temperatur müsse durch die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre rasch wieder gesenkt werden. Derzeit befinde sich die Weltgemeinschaft „auf einem Pfad in eine unbeherrschbare Zukunft“, so Rockström.
Wegen der Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze müsse die UN-Klimakonferenz in Antalya „dringender denn je wichtige Impulse für ambitionierte Emissionsminderungen und die konsequente Umsetzung bestehender Ziele setzen“, heißt es in einer Erklärung des Wuppertal-Instituts. Die jüngsten Überschwemmungen in Nepal verdeutlichten einmal mehr die „gravierenden Folgen des Klimawandels in Ländern, die wenig zur globalen Erderwärmung beigetragen haben, aber über begrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügen, um sich vor Extremwetterereignissen zu schützen“.
Deutschland als Teil einer Vorreiter-Allianz
„Die Warnungen könnten nicht lauter tönen, aber noch immer scheinen viele nur mit einem Ohr hinzuhören“, kritisierte Fentje Jacobsen vom WWF Deutschland. Aktuell sei die Weltgemeinschaft laut UN auf Kurs für eine Erderhitzung von 2,8 Grad.
Deutschland müsse als „Teil einer Vorreiter-Allianz den geordneten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas vorantreiben, statt auf eine Einigung aller Staaten zu warten“, erklärten die Klima-Allianz Deutschland und der Entwicklungsdachverband Venro. „Der Krieg im Iran führt uns vor Augen, wie verwundbar uns die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen macht. Jedes Jahr zahlt Deutschland im Schnitt 80 Milliarden Euro für fossile Importe, in Krisenzeiten sogar bis zu 100 Milliarden“.
Höchstwahrscheinlich werde 2026 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen sein, prognostizierte Copernicus. Mit einer 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit könnte das Jahr sogar den Rekordwert von 2024 übersteigen. Auch für den Vierjahresdurchschnitt des Zeitraums 2023 bis 2026 erwarten die Experten des Klimawandeldienstes, dass er über 1,5 Grad liegen wird.
Der vergangene Monat war den Angaben zufolge weltweit der wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. Die durchschnittliche weltweite Oberflächentemperatur lag laut Copernicus bei 15,35 Grad – 1,75 Grad über der vorindustriellen Zeit. Es war damit der dritte Monat in Folge, der über der 1,5-Grad-Grenze lag.
Temperaturrekorde in der Luft und im Wasser
In Europa war es der zweitwärmste Oktober, nach Oktober 2022. Besonders hohe Temperaturen erreichte der vergangene Monat vor allem im Osten und Nordosten des Kontinents.
Auch für die Meerestemperatur vermeldete Copernicus Rekorde für einen Oktober: Demnach lag die Temperatur an der Wasseroberfläche zwischen den beiden 60. Breitengraden bei 20,95 Grad und übertraf damit den bisherigen Rekord von Oktober 2023.
Im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik, der von dem Klimaphänomen El Niño besonders betroffen ist, erreichte die Temperatur ein Allzeithoch von 29,94 Grad. Damit lag sie weit über der Temperatur bei den vergangenen starken El-Niño-Ereignissen, etwa in den Jahren 2015/2016 und 1997/1998.
Kurz vor Beginn der Konferenz hat sich die Bundesregierung der Initiative für einen Ausbau der Elektrifizierung angeschlossen. Deutschland werde das Elektrifizierungsziel, das vom COP-Gastgeber Türkei und Co-Vorsitz Australien auf die Agenda gesetzt wurde, unterstützen, sagte Umweltminister Carsten Schneider (SPD).
Das Elektrifizierungsziel sieht vor, den Stromanteil am globalen Endenergieverbauch bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. Derzeit liegt der Anteil weltweit bei rund 23 Prozent. In Deutschland deckt Strom nach Angaben des Umweltministeriums 22 Prozent des Endenergieverbrauchs ab.
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