Finden Linke, Grüne und SPD doch noch zueinander?
SPD und B´90/Grüne unterbrechen die Gespräche über eine Koalition mit der Linken. Streitpunkt ist der Umgang mit einer Abgeordneten, die wegen möglicher antisemitischer Äußerungen in der Kritik steht.
14.10.2026 | 2:52 minAls Elif Eralp am Dienstag nach der dreieinhalbstündigen Fraktionssitzung vor die Presse tritt, wirkt sie müde und abgekämpft. Minuten zuvor haben die 44 anwesenden Abgeordneten nach kontroversen Diskussionen eine selbst erarbeitete Vereinbarung zum Thema Antisemitismus und zum Existenzrecht Israels einstimmig verabschiedet. Eralp, die neue Fraktionschefin der Linken, betonte: "Wir alle stehen im Wort, dafür auch geschlossen einzutreten." Jetzt könne weiter sondiert werden.
Doch SPD und Grüne wollten da nicht mitmachen. In einer Erklärung werfen sie der Linken vor, gemeinsame Verabredungen gebrochen zu haben. "Das bedeutet, dass wir an dieser Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen." Es bestehe Klärungsbedarf. Der Ton ist damit gesetzt. Krisenstimmung im Berliner Abgeordnetenhaus.
SPD und Grüne stören sich an neuer Erklärung
Der Streit um den Umgang mit Antisemitismus bringt die Sondierungen für Rot-Grün-Rot in Berlin ins Stocken. SPD und Grüne werfen der Linken vor, ihren Abgeordneten statt der geeinten eine komplett neue Erklärung vorgelegt zu haben.
Verbindungen zum Remmo-Clan, Antisemitismusvorwürfe: Seit ihrem Wahlsieg wächst die Kritik an der Linken in Berlin.
27.09.2026 | 3:52 minDer Unmut bei den Grünen kommt von ganz oben. Bundes-Co-Chefin Franziska Brantner spricht von einem "Vertrauensverlust". In der Berliner Linken gebe es ein Problem mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität. Die vereinbarte Regelung sei "leider nicht eingehalten" worden. "Erst wenn dieses Problem gelöst ist, kann man über andere Dinge reden", sagt Brantner.
Linken-Fraktionschef Tobias Schulze wiegelt ab. Er sei überrascht von der Entscheidung von SPD und Grünen. "Aus unserer Sicht gilt die Vereinbarung von letzter Woche", sagte Schulze in der RBB-Abendschau.
Emde trotz Vorwürfen in Fraktion aufgenommen
Die Unterbrechungen der Sondierungen haben jedoch wohl noch einen weiteren Grund: die Causa Vanessa Emde. Grüne und SPD hatten im Vorfeld den Ausschluss der Linken-Politikerin aus der Fraktion gefordert. Das ergaben Recherchen von ZDFheute.
Emde, die in Berlin-Neukölln mit über 40 Prozent ein Direktmandat gewonnen hat, hatte im Wahlkampf stark auf das Thema Palästina-Solidarität gesetzt und wegen ihrer israelfeindlichen Positionen mehrfach Diskussionen ausgelöst. Kritiker, auch aus den Reihen der SPD, werfen ihr zudem vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen.
Enteignungspläne und Antisemitismusvorwürfe: Die Linke steht trotz ihres Wahlsiegs in Berlin in der Kritik wie nie. Wie das die Regierungsbildung erschweren dürfte.
01.10.2026 | 13:07 minSPD drängte auf Ausschluss
Ob ein Ausschluss von Vanessa Emde aus der Linksfraktion Voraussetzung für die Sondierungen war, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Nach ZDFheute-Informationen drängte vor allem die SPD darauf. Doch die Linke-Führung konnte sich offenbar auch gegen Widerstand aus der eigenen Partei nicht durchsetzen.
Suche nach einem Ausweg
SPD und Grüne reagierten zunächst mit dem Vorwurf des Wortbruchs, suchen inzwischen offenbar aber einen Ausweg. SPD-Landeschef Steffen Krach fordert "Verlässlichkeit und Vertrauen".
Die Linke muss deutlich machen, wie sie zu unserer Vereinbarung steht und wie sie auf den verabredeten gemeinsamen Pfad zurückkehren will, um unsere Sondierungen fortzusetzen.
Steffen Krach, Landesvorsitzender der SPD
Am Tag danach hört sich das alles schon wieder nach verbaler Abrüstung an.
Auch die Linken hoffen auf eine Fortsetzung der Gespräche. Bundes- Co-Chef Luigi Pantisano beteuert: "Die Linke hat alle Vereinbarungen eingehalten." Er sei sehr zuversichtlich, dass die Gespräche bald fortgesetzt werden können.
Die Linkspartei müsse "Problemlagen aus dem Weg räumen", sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder über die Regierungsbildung in Berlin.
01.10.2026 | 7:32 minCDU wittert ihre Chance
Ob das SPD und Grüne überzeugt? Alle Seiten scheinen an einer Lösung interessiert, doch Unbehagen bleibt.
Derweil bietet sich die CDU als Alternative zu den Linken an. "Unsere Hand ist ausgestreckt, unsere Tür steht offen", erklärt CDU-Fraktionschef und Finanzsenator Stefan Evers. Rein rechnerisch hätten CDU, SPD und Grüne eine - wenn auch knappe - Mehrheit.
Markus Gross ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Berlin.
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 14.10.2026 ab 5:30 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.